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Konsensus-Meeting Berlin 1997

Hormone und Mammakarzinom

Vorwort

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Senologie hat es für notwendig erachtet, aufgrund von Forschungsergebnissen der letzten Jahre sowohl aus dem Bereich der Grundlagenforschung zur Brustentwicklung und Karzinogeese sowie auf morphologischem als auch molekularbiologischem Gebiet und insbesondere nach Mitteilung der Ergebnisse jüngster epidemiologischer Studien eine Konferenz einzuberufen, um den Komplex Hormone und Mammakarzinom zu diskutieren.

Ziel war es, zu konsensusfähigen Empfehlungen zu gelangen insbesondere auch hinsichtlich des Umgangs mit einer Substitutionsbehandlung nach primär behandeltem Mammakarzinom und dabei die 1989 ausgesprochenen Empfehlungen ggf. zu revidieren.

Die Tagung fand vom 16.2. bis zum 18.2.1997 im Haus der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin statt; ihr und insbesondere der Berliner Krebsgesellschaft, die entscheidend bei der Organisation und Druchführung der Konferenz beteiligt war, gilt es zu danken.
Zwölf Referenten waren geladen, die mit ihren Vorträgen einen weiten Bogen spannten von der Grundlagenforschung zur Morphogenese der Mamma, der Karzinogenese, der Proliferationskontrolle und ihrer Abhängigkeit von Hormonen und Wachstumsfaktoren bis hin zu klinischen und epidemiologischen Studienergebnissen. Zu der Konferenz wurden Vertreter weiterer wissenschaftlicher Gesellschaften und Institutionen zur Diskussion geladen, um die im Konsensus erarbeitete Stellungnahme auf eine breite wissenschaftliche Basis zu stellen:

  • Arbeitsgemeinschaft internistische Onkologie
  • Berliner Krebsgesellschaft
  • Bewußtsein für Brustkrebs, Caring about Women und Cancer
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
  • Deutsche Gesellschaft für angewandte Endokrinologie
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie
  • Deutsche Gesellschaft für Pathologie
  • Deutsche Krebsgesellschaft
  • Deutsche Krebshilfe
  • Deutsche Menopause-Gesellschaft
  • Europäische Menopause-Gesellschaft
  • Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs
  • Österreichische Gesellschaft für Senologie

Die 1989 relativ dezidiert und auf Rezeptor- und Lymphknotenstatus bezogenen Empfehlungen wurden in dieser Form nicht übernommen. Nach wie vor liegen keine Ergebnisse größerer Studien zur Substitutionsbehandlung nach Mammakarzinom vor, die eindeutige Empfehlungen aussprechen ließen. Auch andere Gesellschaften haben keine derartigen Empfehlungen verabschiedet mangels sicherer Daten aus prospektiven Studien. Deshalb konnte auch ein Referat mit diesem Thema nicht aufgenommen werden.

Die Stellungnahme zur Hormonsubstiution nach Mammakarzinom-Therapie ist deshalb auch nicht eine einfache praktische Handlungsanweisung für alle Fälle, sondern weist auf die im Individualfall notwendige Nutzen/Risiko-Abwägung hin.

Nur jeweils individuell kann die Indikation zur Substiutionsbehandlung gestellt werden nach Abwägung der Vorteile gegenüber einem nicht auszuschließenden Restrisiko. Arzt und Patientin können sich nach im Einzelfall durchgeführtem und dokumentiertem Aufklärungsgespräch für bestimmte Formen der Hormonsubstiutionsbehandlung entscheiden.

Um diese Stellungnahme der Konsesuskonferenz in ihren Argumenten und Abwägungen nachvollziehen zu können, ist mit der Publikation gewartet worden, bis die Manuskripte sämtlicher Vorträge eingegangen waren, so daß nun die Stellungnahme der Konsensus-Konferenz mit den ihr zugrunde liegenden Überlegungen für den Leser nachvollziehbar vorliegt.


Prof. Dr. W. Braendle 
Prof. Dr. K.-D. Schulz
Hamburg/Marburg, Dezember 1997

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