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September 2005
Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Senologie (25. Jahrestagung)
8. bis 10. September 2005, Haus der Wirtschaft, Stuttgart
Kongress zu Brusterkrankungen der Frau erfolgreich verlaufen
Stuttgart Etwa 1.800 Ärzte und Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete trafen sich vom 8. bis 10. September auf der Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Senologie in Stuttgart. Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Chirurgen, Internisten und Strahlentherapeuten diskutierten im Haus der Wirtschaft fachübergreifend über die Erkrankungen der weiblichen Brust. In rund 270 Fachvorträgen präsentierten mehr als 200 Referenten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Zentrale Themen waren beispielsweise die Hormon- und Chemotherapie sowie brusterhaltende Verfahren in der Therapie des Mammakarzinoms und der Einsatz neuer Techniken in der Früherkennung.
Das Kongressprogramm bot einen Überblick über den aktuellen gesundheitspolitischen und medizinisch-wissenschaftlichen Stand der Brustkrebsmedizin. Die Arbeit von Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Chirurgen und Internisten ist bei der Behandlung von Brustkrebs eng verzahnt. „Die gemeinsame Jahrestagung bot all diesen Facharztgruppen eine Plattform für die Fortbildung und den Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg. Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Senologie, und Tagungspräsident Professor Dr. med. Walter Jonat sahen in der Interdisziplinarität einen wesentlichen Aspekt der Veranstaltung: Die Tagung hat die Erkrankungen der weiblichen Brust aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Das galt vor allem für die Themen, die nicht nur in der fachlichen Diskussion, sondern auch in der Öffentlichkeit besonders viel Aufmerksamkeit finden: Die Fachgesellschaften informierten deshalb umfassend darüber, welche Form von Früherkennung, Screening, Disease-Management und Qualitätssicherung für Brustkrebs sinnvoll ist. Außerdem referierten die Experten über Brustkrebs bei jungen Frauen und bei Schwangeren sowie über die Genetik des Mammakarzinoms. In den verschiedenen Symposien der Tagung ging es beispielsweise um spezielle Techniken zur Entnahme von Gewebeproben, neue Konzepte der Strahlentherapie des Mammakarzinoms und komplementäre Methoden im Kampf gegen den Krebs. Ein wichtiges Anliegen der senologischen Fachgesellschaften war es, im Rahmen ihrer Jahrestagung evidenzbasierte Erkenntnisse zu vermitteln, die der Arzt in seine tägliche Praxis umsetzen kann.
Gemeinsam den Kampf gegen den Brustkrebs führen
„Durch ihre fachübergreifende Ausrichtung kann die Fachgesellschaft die Qualität in der Behandlung von Brustkrebs sichern, da diese nur kooperierend erreichbar ist“, so Wallwiener. Er betonte in Stuttgart auch die Zusammenarbeit mit den Frauen selbst: „Wir brauchen die volle Unterstützung der Frauen. Dadurch können wir auch den politischen Druck verstärken, um die Konzepte für eine bessere Behandlung von Brustkrebs Realität werden zu lassen.“ Um noch größere Erfolge zu erzielen und das interdisziplinäre Netzwerk noch weiter auszuweiten, hat die Deutsche Gesellschaft für Senologie die Brustkrebs-Selbsthilfegruppen in ihren Beirat aufgenommen. Darüber hinaus wurden auch die niedergelassenen Gynäkologen mit den Brustzentren vernetzt. Beide Gruppen werden durch den ständigen Informationsfluss mit und zu den Brustzentren und der Fachgesellschaft profitieren und damit vor allem die an Brustkrebs erkrankte Frau.
Erst der exakten Diagnose folgt die richtige Therapie
Ein aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht bedeutendes Kongressthema war die minimalinvasive Diagnostik. Nach wie vor werden jährlich tausende Frauen in Deutschland unnötig an der Brust operiert. Oft haben sie gar keinen bösartigen Tumor. Eine offene Operation ist für die Patientinnen körperlich und seelisch sehr belastend. Ziel ist es deshalb, solche Eingriffe so weit möglich zu vermeiden. Steht die exakte Diagnose vor der Operation fest, ist dies in vielen Fällen sogar möglich. Die so genannte Stanzbiopsie ermöglicht es dem Arzt, ambulant in örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe aus der Brust der Frau zu entnehmen. Die Analyse dieses „Biopsates“ ermöglicht eine schnelle und sichere Diagnose. „Jeder Frau sollte es möglich sein, vor einer Brustkrebstherapie eine Gewebeprobe entnehmen zu lassen. Dadurch erfährt die Frau frühzeitig, ob sie tatsächlich einen bösartigen Tumor hat“, betont Professor Jonat.
Nutzen und Risken bei Hormontherapien abwägen
Hormontherapie bei Brustkrebs wird seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Dabei handelt es sich um die erste zielgerichtete Therapie, indem ein wichtiges biologisches Target, welches das Krebswachstum ermöglicht und verstärkt, gezielt bekämpft werden kann. „Die hormonelle Therapie, welche tatsächlich meist eine antihormonelle Maßnahme darstellt, ist eine äußerst wirksame Behandlung, wenn sie bei hormonabhängigem Brustkrebs eingesetzt wird“, betonte Professor Dr. Beat Thürlimann, Tagungspräsident und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz. Drei Viertel aller von Brustkrebs betroffenen Patientinnen haben die Chance, von dieser Behandlung zu profitieren. „Antihormontherapien führen zu einer jahrzehntelangen Senkung des Risikos, einen Brustkrebsrückfall zu erleiden“, so Thürlimann weiter. Die Teilnahme von mehr als 30.000 Frauen an großen nationalen und internationalen Studien zur Optimierung der Hormontherapie hat in den letzten Jahren zu bedeutenden Fortschritten geführt. Beim Dreiländertreffen der Senologie-Gesellschaften wurde vor allem die Positionierung der erarbeiteten Studienergebnisse und die praktische Umsetzung der Schlussfolgerungen für die tägliche Praxis diskutiert. „Dabei war der internationale und interdisziplinäre Austausch, wie er mit diesem Kongress möglich war, von besonderer Bedeutung“, erklärte Wallwiener.
Am letzten Kongresstag fand für Interessierte und Betroffene eine Podiumsdiskussion über Brustkrebs statt. Bei dieser „offenen Patientinnenkonferenz“ standen Experten aus allen drei Ländern den Teilnehmern Rede und Antwort.
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