Pressemitteilungen

Aktuelle Pressemitteilungen zur 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vom 29. Juni bis 1. Juli 2017

Schulmedizin versus alternative Medizin – ein Widerspruch?*

Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Vorstandsvorsitzender des Tumorzentrums Erlangen-Nürnberg, Direktor des Comprehensive Cancer Center Erlangen-Europäische Metropolregion Nürnberg (CCC ER-EMN)
Dr. med. Carolin C. Hack, Funktionsoberärztin in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen
Dr. med. Janina Hackl, Funktionsoberärztin in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen

Ob Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin, Naturheilverfahren oder Ayurveda – die Anwendung von komplementären und alternativen Therapiemethoden erfreut sich in zunehmendem Maße großer Beliebtheit. Sei es, um das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern oder um einen eigenen aktiven Beitrag zur Krankheitsheilung zu leisten: Immer mehr Patientinnen nutzen die Möglichkeiten der komplementären Therapieverfahren sowohl bei Bagatellerkrankungen als auch bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs. Viele Menschen sind von der Wirksamkeit und Richtigkeit komplementärer und alternativer Heilmethoden überzeugt und vertrauen darauf, dass diese Verfahren und Mittel schonend und ungefährlich sind.

Die Begrifflichkeiten alternative Medizin bzw. komplementäre Medizin müssen klar getrennt werden. Als alternative Medizin werden in der Regel Praktiken bezeichnet, die nicht evidenzbasiert sind und nicht als richtig, angemessen oder geeignet anerkannt werden oder nicht mit den Überzeugungen der dominierenden Gruppe der Ärzteschaft in einer Gesellschaft übereinstimmen. Sie werden anstatt („alternativ“) einer Standardbehandlung durchgeführt, gelten häufig als umstritten oder als Außenseitermethoden und sind gerade bei alleiniger Anwendung bei ernsthaften Erkrankungen gefährlich. Vor alternativen Therapieverfahren muss deswegen aus ärztlicher Sicht gewarnt werden.

Die integrative Medizin ist als ein ganzheitliches Konzept zu verstehen, bei dem die wissenschaftliche, evidenzbegründete Schulmedizin mit der komplementären, zumeist erfahrungsbegründeten Medizin vereint wird. Sinnvolle komplementäre Methoden, deren Erkenntnisgewinne häufig durch Erfahrungen und andere Wissensgewinnmethoden begründet sind, werden in Ergänzung zur konventionellen Schulmedizin parallel eingesetzt. : Die integrative Medizin ist ein ganzheitliches Konzept, das nicht nur die Erkrankung der Patientin behandelt, sondern den Menschen mit der Erkrankung ganzheitlich.

„Die Natur ist die beste Apotheke“ (Sebastian Kneipp). So lapidar dies klingen mag, Naturheilverfahren und komplementäre Therapien können Symptome von Erkrankungen und schulmedizinischen Therapien lindern, die Lebensqualität verbessern und sogar präventiv der Vorbeugung von Erkrankungen dienen. Gerade deswegen gewinnt die integrative Medizin auch von ärztlicher Seite immer mehr Zuspruch und ist längst Bestandteil der der modernen Medizin.

In der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen werden Patientinnen in verschiedenen Bereichen wie Geburtshilfe, gynäkologischer Onkologie oder bei gutartigen Erkrankungen klassische Naturheilverfahren und andere Verfahren der Komplementärmedizin ergänzend zur konventionellen Schulmedizin angeboten. In einer eigens hierfür eingerichteten Spezialsprechstunde für integrative Medizin erhalten Patientinnen eine individuelle Beratung zu komplementären Therapieverfahren und nach Prüfung von Arzneimittelwechselwirkungen ein ganzheitliches Therapiekonzept. Den Patientinnen werden die größtmögliche Sicherheit und eine standardisierte Qualität in der integrativen Medizin geboten.

Es ist Aufgabe des Arztes, der Patientin ausführlich und wertfrei die Möglichkeiten und besonders die Grenzen und Gefahren der eingesetzten Präparate und Therapien im Rahmen der integrativen Medizin zu vermitteln. Nur so ist ein sinnvoller Einsatz von komplementären Methoden in der Medizin gewährleistet und nur so kann verhindert werden, dass Patientinnen übertriebenen oder falschen Versprechungen vertrauen.

Wenn definierte Grenzen, insbesondere die Sicherheit der Patientin betreffend, eingehalten, zweifelhafte Methoden kritisch hinterfragt und geeignete Methoden den üblichen medizinischen Regeln folgend angewandt werden, bietet die integrative Medizin ergänzende Möglichkeiten, den Genesungsprozess bzw. Gesundheitszustand der Patientinnen zu verbessern sowie den Menschen mit seiner Erkrankung ganzheitlich und individuell zu behandeln.

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*Ursprünglich veröffentlicht in der Kampagne „Frauensache“ vom Mediaplanet Verlag Deutschland, am 13. Mai 2017.

Kontakt:
Dr. med. Carolin C. Hack
Funktionsoberärztin/QMB
Frauenklinik
Universitätsklinikum Erlangen
Universitätsstraße 21-23
91054 Erlangen
Email: carolin.hack(at)uk-erlangen.de
Internet: www.frauenklinik.uk-erlangen.de

Weniger radikale, entstellende Operationen bei gleichbleibender onkologischer Sicherheit*

Prof. Dr. med. Bernd Gerber, Kongresspräsident, Kassenführer der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) e.V., Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt Rostock
Prof. Dr. med. Christoph Heitmann, Co-Kongresspräsident, Leiter des Brustzentrums am Englischen Garten, München, Praxis Heitmann-Fansa

In den letzten 25 Jahren hat sich die onkologische Mammachirurgie radikal verändert. Während noch Anfang der 90er Jahre die Mastektomie Standard war, werden aktuell 70 bis 80 Prozent aller Patientinnen brusterhaltend operiert. So wurden 2015 in Deutschland 85,55 Prozent aller pT1 N0 Tumoren und 69,48 Prozent aller pT2 Tumoren brusterhaltend operiert. Auch die neoadjuvante Chemotherapie liefert mit „downsizing“ des Tumors bis hin zur Komplettremission (ypT0) ihren Beitrag zur brusterhaltenden Therapie.

Weniger radikal und weniger entstellend, das gilt paradoxerweise auch für die Mastektomie. Meilensteine sind hier die Abkehr von der radikalen Mastektomie hin zur Mastektomie bei der große Teile des Hautmantels (skin sparing mastectomy) und unter Umständen der gesamte Hautmantel inklusive Brustwarze (nipple sparing mastectomy) erhalten werden können. Diese Verfahren erzielen bei richtiger Indikation und lege artis durchgeführter Technik die gleiche onkologische Sicherheit. Während anfänglich der Ersatz des Drüsenkörpers durch Silikonimplantate favorisiert wurde, hat sich heute aufgrund mikrochirurgischer Techniken und überzeugenden Langzeitergebnissen der Ersatz des Drüsenkörpers durch körpereigenes Gewebe etabliert.

Der größte Fortschritt in der Vermeidung der Radikalität war dann die Einführung der Sentinel-Node-Biopsie 2003. Waren bislang bei allen Patientinnen – unabhängig vom klinischen und sonografischen Nodalstatus der Axilla – mindestens zehn axilläre Lymphknoten im Rahmen einer Axilladissektion zu entfernen, so wurde nachfolgend bei klinisch und sonografisch unauffälligen axillären Lymphknoten der Sentinel als Standard implementiert. Im Zusammenhang mit der Sentinel-Node-Biopsie wurde die Lymphabstromszintigraphie – die die Patientin über viele Stunden in den Praxen fesselte – durch die einfache Applikation des technetiummarkierten Nanokoloids ohne Lymphabstromszintigraphie abgelöst. In drei weiteren Studien wird die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer radikalen Axilladissektion untersucht. In der aktuellen INSEMA-Studie wird sogar der vollkommene Verzicht auf jede Form der Axillachirurgie bei palpatorisch und sonografisch unauffälligen Lymphknoten untersucht.

Mit der acosog z0011 Studie wurde der Nutzen einer kompletten Axilladissektion bei ein bis zwei befallenen Lymphknoten, brusterhaltender Therapie, adjuvanter Bestrahlung der Axilla und adäquater Systemtherapie untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die komplette Axilladissektion weder bei Mikrometastasen noch Makrometastasen gegenüber Nichtdurchführung einer kompletten Axilladissektion hinsichtlich Lokalrezidiv und Gesamtüberleben einen Vorteil brachte.
Im AMOROS trial wurde anstelle einer kompletten Axilladissektion bei befallenen Sentinel-Lymphknoten die Bestrahlung der Axillaregion durchgeführt. Auch dieser neue Therapieansatz führte zu gleichwertigem lokoregionärem Outcome bei identischem Gesamtüberleben. Die Entwicklungen in den Bereichen der BET zur onkoplastischen Operation, der Mastektomie hin zur hautsparenden, brustwarzenerhaltenden Technik sowie der Axillachirurgie hin zum Sentinel und weg von der Axilladissektion haben die onkologische Brustchirurgie über die Jahre weniger radikal werden lassen. Die Operationen sind schonender, die Ergebnisse weniger entstellend bis hin zu ästhetisch ansprechend. Es ist zu hoffen, dass dadurch vielen Patientinnen der Schrecken vor dem operativen Teil der Brustkrebsbehandlung in Zukunft genommen werden kann.

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*Ursprünglich veröffentlicht in der Kongresszeitschrift zur 37. Jahrestagung der DGS e.V. vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 „Current Congress“ vom Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag KG.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Bernd Gerber
Direktor der Universitätsfrauenklinik
am Klinikum Südstadt Rostock
Südring 81
18059 Rostock
E-Mail: bernd.gerber(at)med.uni-rostock.de
Internet: http://www.kliniksued-rostock.de/kliniken-abteilungen/kliniken/universitaetsfrauenklinik-und-poliklinik.html

Prof. Dr. med. Christoph Heitmann
Leiter des Brustzentrums am Englischen Garten
Praxis Heitmann-Fansa
Maximilianstrasse 38-40
80539 München
E-Mail: heitmann(at)heitmann-fansa.de
Internet: www.heitmann-fansa.de

Aktuelle Kontroversen zur Therapie des HER2-pos metastasierten Mammakarzinom

Univ.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München (LMU)

Die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms hat in den letzten Jahren gerade bei den insgesamt ca. 15 bis 20 Prozent HER2-positiven Tumoren große Fortschritte gemacht. Moderne Antikörpertherapien verbessern die Überlebenschancen der Patientinnen in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß. In der ersten Therapielinie nach dem Auftreten von Fernmetastasen verlängert die doppelte Antikörperblockade (Trastuzumab und Pertuzumab) gemeinsam mit einer Chemotherapie das Überleben im Median um über ein Jahr gegenüber der einfachen Antikörperblockade mit Trastuzumab. In der Zweitlinientherapie führt ein Antikörper, an den eine Chemotherapie direkt gekoppelt ist (T-DM1), ebenfalls zu einer Überlebensverlängerung und dies bei sehr geringen Nebenwirkungen, da die Chemotherapiekomponente erst in der Tumorzelle freigesetzt wird. Dieses Antikörper-Medikamenten-Konjugat (ADC) entspricht den schon von Paul Ehrlich Anfang des 20. Jahrhunderts beschriebenen „Zauberkugeln“ und stellt einen großen Fortschritt bei der Brustkrebstherapie dar. Auch für spätere Therapielinien beim HER2-positiven metastasierten Mammakarzinom gibt es noch weitere wirksame, zielgerichtete Therapiemöglichkeiten. All diese Fortschritte stehen unseren Patientinnen in Deutschland heute in der Regelversorgung zur Verfügung.

Bei so viel Fortschritt bleiben trotzdem noch viele unbeantwortete Fragen in dieser Erkrankungssituation. Müssen alle Patientinnen von Anfang an mit Chemotherapie behandelt werden oder ist die Antikörpertherapie alleine oder gemeinsam mit einer Antihormontherapie ausreichend. In den letzten Jahren haben wir verstanden, dass die Hormonempfindlichkeit gerade auch bei HER2-positiven Tumoren eine wichtige Rolle spielt. Der Stellenwert von Kombinationen zwischen Antikörpertherapie und Antihormontherapie wird derzeit in Studien wie der CHEVENDO Studie (Studienleiter: Prof. Huober, Ulm) untersucht.

Weitere offene Fragen sind unter anderem, ob es wichtig ist, dass von Anfang an die bestmögliche Therapie verabreicht wird oder ob die Gabe wirksamer Einzeltherapien nacheinander auch vorteilhaft ist? Was machen wir mit Patientinnen, die bereits bei der Erstdiagnose eine doppelte Antikörperblockade erhalten haben – können wir den Tumor in der metastasierten Situation nochmals mit derselben Therapie wirksam zurückdrängen?

Eine wichtige Frage in der Klinik ist auch die Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom, die Hirnmetastasen entwickeln. Etwa 15 bis 30 Prozent der Patientinnen werden Hirnmetastasen entwickeln, die dann in der Regel einer Strahlentherapie zugeführt werden. Ob hier die Antikörpertherapien gleichermaßen wirken ist nicht sicher. Erste Daten deuten jedoch darauf hin, dass dies der Fall ist und die Patientinnen auch mit Hirnmetastasen von den modernen Therapien wie T-DM1 profitieren können. 

In den derzeit laufenden klinischen Studien haben Patientinnen mit HER2-positiver metastasierter Mammakarzinom Erkrankung die Chance, Zugang zu neuen Therapien oder Therapiekonzepten – bereits lange vor Zulassung – zu bekommen. Gerade auch die Rolle von Immuntherapien zusätzlich zur HER2-gerichteten Therapie, wird derzeit in Deutschland im Rahmen von Studien untersucht. Deshalb ist die Versorgung metastasierter Brustkrebspatientinnen an spezialisierten Brustzentren oder onkologischen Praxen, die in diese Brustkrebsnetzwerke eingebunden, sind so wichtig. Hier werden die Therapiekonzepte interdisziplinär festgelegt, sodass die Patientinnen sicher sein können, leitliniengerecht auf dem Boden der neuesten Erkenntnisse, optimal behandelt zu werden.

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Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck
Leitung des Brustzentrums der Universität München
Postadresse: Brustzentrum, Universitätsfrauenklinik
Klinikum Großhadern
Marchioninistr. 15
81337 München
E-Mail: nadia.harbeck(at)med.uni-muenchen.de
Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de/Brustzentrum/de

Mammografie-Screening – 20 Prozent weniger fortgeschrittene Tumorstadien und häufigere Entdeckung von aggressiven Brustkrebsvorstufen

Univ.-Prof. Dr. med. Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie und Leiter des Referenzzentrums Mammografie am Universitätsklinikum Münster

Krebs ist vor allem eine Erkrankung des Alters. Früherkennung von Krebserkrankungen gewinnt deshalb in älter werdenden Gesellschaften immer mehr an Bedeutung. In Deutschland ist sie fester Bestandteil des Nationalen Krebsplans. Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) e.V. und vieler anderer nationaler und internationaler Fachgesellschaften hat die Brustkrebs-Früherkennung erhebliche Bedeutung zur Bekämpfung der Brustkrebssterblichkeit.

„Trotz aller Fortschritte in der Therapie sterben jedes Jahr in Deutschland mehr als 17.500 Frauen an einem Mammakarzinom. Der Brustkrebs stellt für Frauen immer noch das größte Risiko vorzeitigen Todes durch eine Tumorerkrankung dar. Deshalb ist und bleibt das Mammografie-Screening eine tragende Säule im Kampf gegen die bösartige Erkrankung“, sagt Prof. Dr. Walter Heindel.

Der Direktor des Instituts für Klinische Radiologie und Leiter des Referenzzentrums Mammografie am Universitätsklinikum Münster verweist auf zwei bedeutende aktuelle Studien aus Deutschland (1,2): Im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen konnte mithilfe des Landeskrebsregisters sowohl innerhalb des Mammografie-Screenings bei regelmäßig teilnehmenden Frauen als auch bevölkerungsbezogen eine Abnahme beim Neuauftreten fortgeschrittener Tumorstadien in den Zielgruppen 50 bis 69 Jahren festgestellt werden. „Diese nachgewiesene Reduktion fortgeschrittener Tumorstadien von insgesamt 20 Prozent lässt eine relevante Verminderung der Brustkrebssterblichkeit in ganz Deutschland dank Mammografie-Screening erwarten“, betont Heindel, einer der Studienautoren.

Eine weitere Studie, deren Ergebnisse auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vorgestellt werden, ist einer der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit dem Mammografie-Screening nachgegangen. Werden durch das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm nur „harmlose“ Tumorstadien entdeckt, während die aggressiveren Brustkrebsvorstufen unerkannt bleiben? Heindel: „Wir konnten in der Analyse von 733.905 Screening-Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen nachweisen, dass durch digitales Mammografie-Screening mit zunehmendem Alter immer häufiger biologisch relevante, also schneller wachsende und aggressivere Brustkrebsvorstufen (DCIS) entdeckt werden und durch diese Vorverlagerung der Diagnose ein Therapievorteil eintritt.“

Mammografie-Screening – Paradebeispiel qualitätsgesicherter und evidenzbasierter Früherkennung

Das deutsche Mammografie-Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs gilt als Paradebeispiel qualitätsgesicherter und evidenzbasierter Medizin. Es wird inzwischen zum Vorbild für andere Präventionsprogramme in Deutschland.

Eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen zeichnet das Mammografie-Screening aus: Jede teilnahmeberechtigte Frau erhält eine persönliche Einladung zur Früherkennungsuntersuchung. Eine evidenzbasierte Aufklärungsbroschüre ermöglicht, sich informiert für oder gegen eine Screening-Teilnahme zu entscheiden. Jede Frau sollte aus ihrer persönlichen Sicht die Vorteile der Screening-Untersuchung (u. a. Teilnehmerinnen sterben seltener an Brustkrebs, bei einer Erkrankung ist anstatt einer Entfernung der Brust häufiger eine brusterhaltende Operation möglich und seltener eine Chemotherapie notwendig) gegen die Nachteile (u. a. Diagnose und Therapie ohne Nutzen, sogenannte Überdiagnosen und -therapien, sind häufiger, psychische Belastung durch falsch-positive Befunde) abwägen. „Jede Frau kann vor der Untersuchung zudem ein persönliches ärzt-liches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen“, ergänzt Heindel.

Besonderheiten der Qualitätssicherung

Im deutschen Screening-Programm werden ausschließlich digitale Mammografie-Systeme eingesetzt. Zum Schutz der Frauen erfolgt an jedem Arbeitstag bundesweit eine physikalisch-technische Qualitätssicherung der angewandten Röntgentechnologie. „Im Mammografie-Screening haben Frauen bei der Mammografie-Erstellung zwar keinen Kontakt zum Arzt, profitieren aber bei der Befundung der Bilder von einer besonderen Qualitätssicherungsmaßnahme“, sagt Heindel. Denn das Vieraugenprinzip durch besonders qualifizierte, unabhängige Ärzte („Doppelbefundung“) und im Bedarfsfall eine weitergehende Beurteilung durch Drittmeinung („Konsensuskonferenz“) sind bei jeder Untersuchung verpflichtende Vorgabe. Heindel: „Spätestens bei der Abklärung haben Frauen natürlich den Kontakt zum Arzt. Denn auffällige Befunde im Mammogramm werden individuell durch eine persönliche Untersuchung abgeklärt.“ Dabei wird entschieden, ob mammografische Zusatzaufnahmen bzw. eine Tomosynthese oder ergänzende Ultraschall- oder MR-Untersuchungen bis hin zu einer bildgesteuerten Gewebeentnahme (Biopsie) notwendig werden. Transparenz durch regelmäßige Dokumentation und Auswertung aller Schritte des Früherkennungsprogramms kennzeichnet das gesamte Mammografie-Screening (3,4).

„One of the best programs in Europe"

Das deutsche Mammografie-Screening erfüllt alle wesentlichen Qualitätsanforderungen der EU-Guidelines (z. B. Brustkrebsentdeckungsrate, Rate der Intervallkarzinome). Dementsprechend fiel auch das Feedback der Vertreter der European Reference Organisation for Quality Assured Breast Screening and Diagnostic Services (EUREF) anlässlich ihrer Visitation der Referenzzentren für Mammografie aus: „Prof. Holland compliments the excellent structure of the German mammography screening program. The program seems to be one of the best in Europe due to its excellent quality and quality management.“

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Literatur:

1. Trends in advanced breast cancer incidence rates after implementation of a mammography screening program in a German population Alexandra Simbrich, Ina Wellmann, Jan Heidrich, Oliver Heidinger, Hans-Werner Hense
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877782116300923

2. Digital Mammography Screening: Does Age Influence the Detection Rates of Low-, Intermediate-, and High-Grade Ductal Carcinoma in Situ? Weigel S, Hense HW, Heidrich J, Berkemeyer S, Heindel W, Heidinger O
http://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2015150322?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori%3Arid%3Acrossref.org&rfr_dat=cr_pub%3Dpubmed&

3. Jahresbericht Qualitätssicherung 2014 Deutsches Mammografie-Screening-Programm – Kooperationsgemeinschaft Mammografie
http://fachservice.mammo-programm.de/publikationen-und-stellungnahmen#qualitaetsberichte

4. Jahresbericht Evaluation 2014 Deutsches Mammografie-Screening-Programm – Kooperationsgemeinschaft Mammografie
http://fachservice.mammo-programm.de/download/fachpublikation/KOOPMAMMO_Jahresbericht_EVAL2014_20161206_klein_2.pdf

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. med. Walter Heindel
Direktor des Instituts für Klinische Radiologie
und Leiter des Referenzzentrums Mammografie
am Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A1
48149 Münster
E-Mail: heindel(at)uni-muenster.de
Internet: www.radiologie-ms.de und www.referenzzentrum-ms.de

Mammografie-Screening in Deutschland

PD Dr. med. Ute Kettritz, Radiologische Praxis und Screening-Einheit Berlin 01

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wie in anderen zivilisierten Ländern wird auch in Deutschland jede neunte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Durch die medizinischen Entwicklungen der letzten Jahre hat die Erkrankung viel von ihrem Schrecken verloren, es gibt inzwischen sehr gute Heilungschancen. Das ist zum einen modernen Therapiemöglichkeiten geschuldet, darüber hinaus jedoch auch vom Tumorstadium abhängig, das bei der Entdeckung der Krankheit vorliegt.

Vor diesem Hintergrund gibt es seit vielen Jahren weltweit Früherkennungsprogramme. In der Altersgruppe der 50 bis 69-Jährigen, bei denen die Krankheit am häufigsten auftritt, ist die Mammografie die einzige Methode, die bei regelmäßiger Untersuchung und ausreichender Qualitätssicherung in groß angelegten Studien zu einer Senkung der Brustkrebssterblichkeit geführt hat. Dabei hat sich bestätigt, dass die Heilungschancen umso höher sind, je früher die Tumorerkrankung entdeckt wird.

In Deutschland wurde 2002 vom Bundestag die Einführung eines flächendeckenden Mammografie-Screenings beschlossen. 2005 begannen die ersten Screening-Einheiten ihre Arbeit, seit 2009 stehen flächendeckend für die über 10 Millionen anspruchsberechtigten Frauen in dieser Altersgruppe regionale Screening-Einheiten zur Verfügung. Das Deutsche Mammografie-Screening-Programm hat sich von Anfang an sehr eng an den Empfehlungen der Europäischen Union orientiert. Diese hatte 2003 ausdrücklich die Einführung eines Mammografie-Screenings in allen europäischen Ländern empfohlen.

Was bedeutet Mammografie-Screening in Deutschland? Alle Frauen in der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre werden in zweijährigem Abstand zu einer Mammografie eingeladen. Die Einladung erfolgt per Brief unter Nutzung der Meldedaten und unabhängig vom Versichertenstatus. Jede Frau erhält eine Mammografie jeder Brust in zwei Ebenen, diese Mammografie wird danach von zwei unabhängigen, speziell geschulten Radiologen oder Gynäkologen beurteilt. Bei Unklarheiten oder verdächtigen Befunden wird ein dritter Arzt hinzugezogen. Gemeinsam wird darüber entschieden, ob die Frau zum Ausschluss von bösartigen Veränderungen noch einmal zu ergänzenden Untersuchungsmethoden in die Screening-Einheit eingeladen wird. Dort stehen mammografische Spezialverfahren, Ultraschalluntersuchungen, kernspintomografische Untersuchungen und ambulante Verfahren zur Gewinnung von Gewebeproben zur Verfügung. Die Gerätetechnik muss modernen Ansprüchen entsprechen, die Qualität der Ärzte und Röntgenassistentinnen wird durch spezielle Schulungen und regelmäßige Prüfungen und Fortbildungsmaßnahmen gewährleistet.

Trotz aller Vorteile gibt es im Mammografie-Screening auch nachteilige Effekte. Für manche Frauen sind die Untersuchung an sich und die Beschäftigung mit dem Thema Brustkrebs mit negativen Gefühlen verbunden. Auch die Einladung zu ergänzenden Untersuchungen, die bei 80 Prozent der nochmals eingeladenen Frauen zur Mitteilung eines unauffälligen Befundes führt, kann Ängste auslösen. Nur durch sachliche Aufklärung ist es möglich, den betreffenden Frauen das Verhältnis von Nutzen und Risiken klar zu machen.

Die WHO hat im Jahre 2015 im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine zum Verhältnis von Nutzen und Risiko im Rahmen des Mammografie-Screenings Stellung genommen*. Internationale Experten kamen nach Auswertung von 40 anerkannten Studien aus verschiedenen Ländern zu dem Schluss, dass bei regelmäßiger Teilnahme in einem flächendeckenden, qualitätsgesicherten Screening-Programm der Nutzen eindeutig die Risiken überwiegt.

Die Teilnahme am Mammografie-Screening ist freiwillig und alle Beteiligten am Programm wünschen sich, dass ausreichend informierte Frauen das Früherkennungsangebot wahrnehmen.

Die Informationsveranstaltung im Rahmen der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. 2017 in Berlin, bietet eine gute Gelegenheit über das Screening-Programm mit allen Facetten zu informieren und möglicherweise bestehende Fragen zu beantworten.

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* N Engl J Med. 2015 Jun 11;372(24):2353-8.
Breast-cancer screening--viewpoint of the IARC Working Group.
Lauby-Secretan B, Scoccianti C, Loomis D, Benbrahim-Tallaa L, Bouvard V, Bianchini F, Straif K; International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group.

Kontakt:
PD Dr. med. Ute Kettritz
Radiologische Praxis und Screening-Einheit Berlin 01
Kapweg 3
13405 Berlin
E-Mail: u.kettritz(at)radiologie-kapweg.de
Internet: www.radiologie-kapweg.de

Brustkrebs – Wie kann ich mich schützen?

Dr. med. Anke Kleine-Tebbe, Chefärztin Brustzentrum DRK-Kliniken Berlin

Kann man Brustkrebs wirksam und sinnvoll vorbeugen? Dies ist eine Frage, die viele Frauen bewegt. Aktuell werden verschiedene Faktoren diskutiert, die die Entstehung eines Brustkrebses fördern könnten. Doch nicht alle lassen sich auch beeinflussen. Das persönliche Brustkrebsrisiko hängt vom jeweiligen Alter und einigen weiteren individuellen Faktoren ab, die auch die persönliche Familiengeschichte berücksichtigen sollten. Die wichtigsten, derzeit bekannten Faktoren, die das Erkrankungsrisiko einer Frau beeinflussen, betreffen die hormonelle Situation, den Lebensstil und die Vererbung von Risikogenen.

Hormone: Einfluss in jedem Lebensalter
Den eigenen Hormonspiegel kann jede Frau nur zum Teil beeinflussen, etwa über ein möglichst normales Gewicht oder über die Entscheidung, Kinder zu bekommen und zu stillen. Grundlegende Dinge sind beim Hormonspiegel jedoch genetisch determiniert: Je früher die Regelblutung einsetzt und je später die Wechseljahre beginnen, desto länger ist die Brust hormonellen Einflüssen ausgesetzt. Dieser Umstand gilt als Faktor, der das Brustkrebsrisiko steigert. Durch frühe und mehrere Schwangerschaften mit anschließenden Stillperioden kann das eigene Brustkrebsrisiko gesenkt werden. Eine Gesamtstilldauer von mehr als eineinhalb bis zwei Jahren gilt als besonders günstig.

Die hormonelle Empfängnisverhütung steigert das Brustkrebsrisiko kaum. Heute entscheiden sich mehr Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu einer medizinischen Behandlung. Nach bisheriger Datenlage scheint dies das Brustkrebsrisiko nicht pauschal zu beeinflussen. Die verlängerte Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden erhöht die Gefahr von Brustkrebs und Eierstockkrebs. Dies betrifft vor allem die kombinierte Behandlung mit Östrogenen und Gestagenen. Die Dauer der Einnahme sollte so kurz wie möglich sein.

Lebensstil: Ernährung, Bewegung und Umweltfaktoren
Wie individuelle Ernährungsgewohnheiten das Brustkrebsrisiko beeinflussen ist noch unklar. Dazu zählt etwa die Frage, ob ein hoher Anteil an Obst und Gemüse in der täglichen Nahrung schützend wirken kann. Eher scheinen das Gewicht und eine Ernährung mit hohem Fettanteil eine Rolle bei der Brustkrebsentstehung zu spielen.

Einen eindeutig ungünstigen Einfluss haben Übergewicht und Bewegungsmangel. Übergewicht scheint sich besonders nach den Wechseljahren risikosteigernd auszuwirken und vor allem für das Risiko an einem hormonempfindlichen Brustkrebs zu erkranken. Immer mehr Studien zeigen einen schützenden Effekt durch Bewegung. Das individuelle Erkrankungsrisiko kann durch regelmäßige, körperliche Aktivität (nach Angaben der WHO: 150 Minuten/Woche) um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Alkohol beeinflusst die Brustkrebsrate ebenfalls: Je mehr eine Frau regelmäßig konsumiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. 

Die bisher vorliegenden Daten deuten auf einen schwachen ungünstigen Zusammenhang zwischen Rauchen und der Entstehung von Brustkrebs bei Frauen vor den Wechseljahren hin.
Umweltfaktoren, Stress, belastende Lebenssituationen oder Depressionen haben an der Erkrankung keinen belegbaren Anteil, so zumindest ist der aktuelle Kenntnisstand.

Vererbung: Nur wenige Frauen haben ein Risiko
In fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle spielten Gene eine wesentliche Rolle: Veränderungen sog. Mutationen am BRCA-1- und BRCA-2-Gen können das Risiko deutlich steigern. Es gibt aber auch noch weitere Gene, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen. Ihr Einfluss wird derzeit erforscht.

Chemoprävention: Gibt es vorbeugende Medikamente?
Die Idee, mit schützenden Medikamenten Brustkrebs vorzubeugen, ist auch für Brustkrebs nicht neu. Bisher gibt es in Deutschland keine generelle Empfehlung zu einer vorbeugenden medizinischen Behandlung.

Kurz und knapp: Was kann ich zur Senkung meines Brustkrebsrisikos tun?
Werden Sie aktiv und bewegen Sie sich täglich!
Achten Sie auf Ihr Normalgewicht!
Ernähren Sie sich bunt und gesund!
Nach den Wechseljahren ist dies besonders wichtig!
Meiden Sie Alkohol!

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Kontakt:
Dr. med. Anke Kleine-Tebbe
Chefärztin Brustzentrum
DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Salvador-Allende-Straße 2 - 8
12559 Berlin
E-Mail: a.kleine-tebbe(at)drk-kliniken-berlin.de
Internet: www.chefaerztin-brustzentrum-drk-berlin.de

Chemotherapie im Wandel. Was habe ich zu erwarten?

PD Dr. med. Cornelia Liedtke, Leitende Oberärztin, Leitung Konservative Tumortherapie und Studienzentrale, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein/Campus Lübeck

Die heute eingesetzten Standard-Chemotherapien sind weitestgehend historisch durch die Kombination immer wirksamerer Substanzen entstanden. Dabei bestand das hauptsächliche Ziel in der Senkung von Rückfallraten. Die Erreichung dieses Ziels ging in der Regel zulasten einer Zunahme von Nebenwirkungen.

Die hippokratische Tradition sieht den Grundsatz „Primum nihil nocere“ als Mittelpunkt des moralischen ärztlichen Handelns. Diesem Grundsatz tragen die derzeitigen Entwicklungen in der Chemotherapie Rechnung, indem sie die Senkung unnötiger Toxizitäten (ohne Verringerung der Effektivität) in den Fokus gerückt haben. Hier lassen sich zwei grundsätzliche Entwicklungen beobachten:

  • Durch treffsichere Indikationsstellung soll Über- als auch Untertherapie vermieden werden.

  • Durch die Optimierung der Chemotherapie-Regime kann situationsabhängig sowohl eine Deeskalation als auch eine Eskalation erreicht werden.

Optimierte Indikationsstellung
Grundlage für eine zunehmend maßgeschneiderte Indikationsstellung ist die Entwicklung, Evaluation und Etablierung von Parametern, anhand derer sich die Notwendigkeit und/oder Wirksamkeit einer Chemotherapie ableiten lässt. Hierzu werden u. a. tumorbiologische Eigenschaften gezählt, die beispielsweise die Aggressivität der Erkrankungen (und daher die Notwendigkeit einer Chemotherapie) abbilden. Als ein Beispiel aus der klinischen Anwendung sind hier die sogenannten Multigentests zu nennen. Diese Tests erlauben eine Abschätzung der Aggressivität der Erkrankung und können bei Patientinnen mit einem frühen, hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom die Entscheidungsfindung für/gegen eine Chemotherapie als Ergänzung der endokrinen Therapie unterstützen.

Weit weniger vielversprechend ist der Einsatz von tumorbiologischen Parametern in der Abwägung eines Chemotherapeutikums gegenüber einem anderen. Leider gibt es bislang keinen etablierten Parameter, der die Entscheidung für ein spezifisches Chemotherapeutikum gegenüber einem anderen erlaubt. Ein Ansatz, der hier möglichweiser Eingang in die klinische Anwendung finden wird, ist die wiederholte Biopsie nach einer (beispielsweise drei-wöchigen) Therapie. Viele klinische Wissenschaftler gehen davon aus, dass über derartige Messungen Abschätzungen über die Wirksamkeit spezifischer Therapie getroffen werden können und testen diesen Ansatz in klinischen Studien.

Optimierte Chemotherapie-Regime
Bei der Auswahl des geeigneten Chemotherapie-Regimes kommen bei Patientinnen im kurativen (heilbaren) Stadium im Vergleich zu Patientinnen im nicht-kurativen (palliativen oder metastasierten Stadium) unterschiedliche Prinzipien zum Tragen.

Bei Patientinnen im palliativen Stadium besteht die Chemotherapie weitestgehend aus Einzeltherapien, bei denen die Verträglichkeit und damit der längst mögliche Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund stehen So wird aus der zunehmenden Anzahl an Substanzen, die aufgrund der in ihrer Ausprägung und Art der Nebenwirkungen zum Teil stark differieren, in Abhängigkeit der Wünsche/Bedürfnisse der betroffenen Patientin die Geeignetste ausgewählt.

Bei Patientinnen im heilbaren Stadium werden weitestgehend Kombinations-Chemotherapien aus zwei bis vier Substanzen sequenziell und/oder simultan angewendet. Der derzeitig maßgebliche Fokus besteht einerseits in der Therapie-Eskalation bei den Patientinnen, die trotz des Einsatzes von toxischen Standard-Regimen ein inakzeptables Rückfallrisiko zeigen und andererseits in der Therapie-Deeskalation bei den Patientinnen, bei denen aufgrund eines geringeren Rückfall-Risikos oder durch die Anwendung alternativer Substanzen mit geringerem/harmloserem Nebenwirkungsspektrum eine Deeskalation der Therapie möglich ist.

Therapie-Eskalation
Ein Ansatz zur Therapieeskalation besteht in der Hinzunahme zusätzlicher Substanzen mit dem Ziel der Effizienzsteigerung insbesondere bei jenen Mammakarzinom-Untergruppen, die in besonderem Maße von der Wirksamkeit einer Chemotherapie abhängen. Beispiel hierfür ist die Subgruppe der sogenannten tripelnegativen Mammakarzinome, bei denen standardisierte Taxan-Anthrazyklin-Chemotherapien durch das Chemotherapeutikum Carboplatin ergänzt werden.
Durch die Kombination mit zielgerichteten (oft antikörperbasierten) Substanzen kann die Wirksamkeit einer Chemotherapie verstärkt werden. Beispiel hierfür ist die kombinierte Anwendung der gegen den HER2-Rezeptor gerichteten Antikörper Pertuzumab und Trastuzumab (duale HER2-Blockade) in Ergänzung zur Chemotherapie beim sogenannten HER2 positiven Mammakarzinom.
Sogenannte postneoadjuvante Therapien befinden sich derzeit in der Testung bei den Mammakarzinom-Untergruppen, die von einer präoperativen Chemotherapie nicht in ausreichendem Maße profitiert haben, sodass ein Resttumor in der Brust verblieben ist. Dieser Therapieansatz bietet die Möglichkeit, Patientinnen mit unzureichender Chemotherapie-Empfindlichkeit gezielter zu behandeln.

Therapie-Deeskalation
Durch den Einsatz alternativer Chemotherapien können toxische Komponenten der Standard-Chemotherapie ersetzt werden. Beispiel hierfür ist wieder das tripelnegative Mammakarzinom, bei dem erste Studienergebnisse nahelegen, dass ein Ersatz der Anthrazykline durch das weniger kardiotoxische Carboplatin möglich sein könnte.
Durch den Einsatz zielgerichteter Substanzen kann die Intensität von Chemotherapien reduziert und möglicherweise in ausgesuchten Fällen eine Chemotherapie gänzlich unterlassen werden. Studienkonzepte untersuchen derzeit, ob Substanzen wie HER2-zielgerichtete Substanzen beim HER2-positiven Mammakarzinom oder CDK-4/6-Inhibitoren beim hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom diese Erwartungen erfüllen können.

Künftige Herausforderungen im Zusammenhang mit Chemotherapie
Herausforderungen, die im wissenschaftlichen wie klinischen Kontext in den nächsten Jahren genommen werden müssen, sind die mit den neuen Substanzen steigenden Therapiekosten. Zudem geht die zunehmende Unterteilung des Mammakarzinoms mit einer Bildung immer kleinerer Subgruppen einher, die insbesondere bei der Entwicklung klinischer Studien problematisch sein kann. Letztlich ist das Wissen, welches auch der klinisch tätige Arzt aufbringen muss, um Patientinnen mit onkologischen Erkrankungen wie dem Mammakarzinom zu betreuen, zunehmend komplex. Fortbildungsprogramme, Kongresse und Weiterbildungskonzepte müssen diesem Umstand Rechnung tragen.

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Kontakt: PD Dr. med. Cornelia Liedtke
Leitende Oberärztin
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein / Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
E-Mail: cornelia.liedtke(at)uksh.de
Internet: www.uksh.de/frauenklinik-luebeck

CDK 4/6 Inhibitoren: Palbociclib für alle oder nur für ausgewählte Patientinnen mit (metastasiertem) Mammakarzinom?

Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Oberärztin am Charité Campus Benjamin Franklin, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Med. Onkologie (DGHO)

Die Zulassung des ersten CDK4/6-Inhibitors Palbociclib am Ende des Jahres 2016 fordert Senologen heraus: Angesichts des Preises von gerundet 5000 Euro pro Therapiezyklus stellt sich berechtigterweise die Frage, ob alle Patientinnen mit einem rezeptorpositiven Mammakarzinom wirklich dieser biologisch modifizierten, endokrinen Therapie bedürfen.

Die Ergebnisse der großen Phase III-Studien Paloma II (Kombination mit Letrozol in der Erstlinientherapie) und Paloma III (Kombination mit Fulvestrant in der vorbehandelten Situation) zeigen jeweils einen erheblichen und klinisch relevanten Vorteil im progressionsfreien Überleben (PFS), dem primären Endpunkt der beiden Studien. In den jeweiligen Subgruppenanalysen profitierten alle Subgruppen gleichermaßen.

Wie soll man also Patientinnen zugunsten dieser effektiven Therapie selektionieren, wenn bislang keine prädiktiven Faktoren identifiziert werden konnten, die ein besonders gutes oder ein besonders schlechtes Ergebnis zeigen? Muss der verantwortungsvolle Therapeut nicht allen Patientinnen die Chance auf ein langes progressionsfreies Intervall zukommen lassen, welches üblicherweise mit einer Verzögerung von tumorassoziierten Symptomen und auch einer Verlängerung der Zeit bis zur (ersten) Chemotherapie einhergeht?

Dies ist eine Frage der vertrauensvollen Arzt-Patientinnen-Beziehung und der sachlich korrekten Aufklärung. Klärt man die Patientin über die Ergebnisse der oben genannten Studien auf, kann diese selbst entscheiden, ob sie angesichts des notwendigen Überwachungsaufwandes und geringfügig erhöhter Nebenwirkungen (insbesondere Neutropenie, sehr selten mit Komplikationen assoziiert) die Kombinationstherapie wegen des PFS-Vorteils vorzieht oder nicht. Die klinische Erfahrung zeigt, dass dies höchst selten der Fall ist. Es obliegt dem Respekt vor der Patientin, diese Entscheidung mitzutragen und die entsprechende Kombinationstherapie lege artis durchzuführen.

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Diana Lüftner
Oberärztin
Campus Benjamin Franklin
Charité Centrum Tumormedizin CC14
Hindenburgdamm 30
12203 Berlin
E-Mail: diana.lueftner(at)charite.de
Internet: www.haema-cbf.charite.de

Axilläre Lymphknotenentfernung – Bald überflüssig?

Prof. Dr. med. Toralf Reimer, Stellvertretender Klinikdirektor Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt der Hansestadt Rostock

Diese interessante und relevante Fragestellung kann nicht für die verschiedenen Behandlungssituationen pauschal beantwortet werden. Am ehesten wird dieses Thema in Zukunft bei Patientinnen mit unauffälligem Tastbefund und normalen Ultraschallbefund der Achselhöhle (Axilla) vor einer geplanten brusterhaltenden Operation diskutiert werden. Gegenwärtig werden in dieser Konstellation die sogenannten Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknotenbiopsie) entfernt. Da bei diesen entfernten Lymphknoten zu 70 bis 80 Prozent unter dem Mikroskop keine Tumorzellen zu finden sind, wird die Notwendigkeit für diese Operation zunehmend hinterfragt. Auch wenn dieser Eingriff kleiner ist – im Vergleich zu einer kompletten Ausräumung der betroffenen Achselhöhle – hat auch diese Operation einige Risiken, wie z. B. das Auftreten eines Lymphödems.

INSEMA-Studie: Nach 18 Monaten bereits 2.000 Patientinnen eingeschlossen

Eine wegweisende Studie zum genannten Thema hat mit dem Einschluss der zweitausendsten Patientin am 2. Februar 2017 ein erstes Etappenziel erreicht. Im Rahmen der INSEMA-Studie (INSEMA steht für „Intergroup-Sentinel-Mamma“) arbeiten mehrere Studiengruppen unter der Leitung der Universitätsmedizin Rostock zusammen. Beteiligt sein werden am Ende fast 6.000 Patientinnen aus Deutschland und Österreich mit frühem Brustkrebs und einer geplanten brusterhaltenden Operation.

Die Ergebnisse der Studie sollen klären, ob die Entfernung der axillären Wächterlymphknoten bei einer brusterhaltenden Operation notwendig ist oder nicht. „Wir klären, ob der Verzicht auf diese Maßnahme onkologisch sicher ist und die Komplikationen bei der Operation verringert werden können“, sagt Studienleiter Prof. Dr. med. Toralf Reimer, stellvertretender Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt Rostock. Eine zweite Fragestellung der Studie untersucht, ob bei Befall des Wächterlymphknotens mit Makrometastasen unbedingt eine komplette Axilla-Operation durchgeführt werden muss.

Interessant ist bereits jetzt eine erste Analyse nach fast 2.000 Operationen: Im Kontrollarm (standardmäßige Durchführung der Sentinel-Lymphknotenbiopsie) waren 83 Prozent der Fälle nodal-negativ (kein Tumorzellnachweis im Lymphknoten) bzw. in drei Prozent der Fälle wurden lediglich nicht-relevante Mikrometastasen gefunden. Somit lag die Rate nodal-positiver Befunde (Nachweis von Makrometastasen im Lymphknoten) bei nur 14 Prozent – erwartet wurde im Vorfeld 25 bis 30 Prozent.

Die INSEMA-Studie ist mit einem Gesamtförderrahmen von 4,58 Millionen Euro eines der größten von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Studienprojekte. Neben der Analyse des krankheitsfreien Überlebens für beide Fragestellungen als primäres Studienziel, gibt es weitere sekundäre Auswertungen. So wird beispielsweise die Lebensqualität vor und nach der Operation mittels standardisiertem Fragebogen verglichen. Weiterhin wird die Dosisverteilung im Rahmen der postoperativen Bestrahlungskonzepte systematisch für die Brust und Axilla erfasst.

Das Datenmanagement für alle Prüfzentren erfolgt mit der GBG Forschungs GmbH in Neu-Isenburg. Die German Breast Group (GBG) ist eine seit 2003 aktive akademische Forschungsgruppe zur Durchführung von Brustkrebs-Studien national und international. Durch die Expertise der GBG ist eine Betreuung gemäß aktuellem Standard über die geplante Studiendauer von insgesamt neun Jahren gewährleistet.

„Wir sind sehr froh, mit der aktuellen Rekrutierung die kalkulierten Zahlen tatsächlich zu erreichen. Wir bedanken uns bei den Patientinnen und Prüfzentren, die diese wichtige klinische Studie unterstützen.“ Neben der Rekrutierung rückt jetzt parallel auch die Nachsorge in den Fokus. „Für die Auswertung der Studie am Ende ist das Vorhandensein von möglichst vollständigen Verlaufsdaten extrem wichtig“, meint Prof. Dr. med. Bernd Gerber, Kongresspräsident und stellvertretender Studienleiter in Rostock.

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Toralf Reimer
Stellvertretender Klinikdirektor
Universitätsfrauenklinik Rostock
am Klinikum Südstadt
Südring 81
18059 Rostock
E-Mail: toralf.reimer(at)med.uni-rostock.de

Studienleitung in Rostock
E-Mail: insema(at)kliniksued-rostock.de oder insema(at)gbg.de
Internet: www.germanbreastgroup.de/de/studien/insema.php

Warum Behandlung in Brustzentren?

Prof. Dr. med. Anton J. Scharl, 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e.V., Chefarzt Frauenklinik, Klinikum St. Marien Amberg

Jedes Jahr erkranken 70.000 Frauen in Deutschland an einem Mammakarzinom. Diese häufigste Krebserkrankung der Frau hat gute Heilungschancen: Vier von fünf Patientinnen werden gesund. Die Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen eine Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 1997 und 2012 von 73 Prozent auf 86 Prozent. Dies ist neben der Früherkennung, der steten Optimierung der Behandlung zu verdanken.

Regelmäßig aktualisierte Leitlinien für die Therapie von Brustkrebs bündeln den wissenschaftlichen Fortschritt und machen diesen für die praktische Behandlung verfüg- und anwendbar. Aufwendige Studien belegten, dass eine leitliniengerechte Therapie die Heilungschancen signifikant verbessert (Wöckel A, et al. Senologie 2010; 7: 207-212). Die größte Chance für eine leitliniengerechte und den persönlichen Bedürfnissen angepasste Behandlung und eine Optimierung der Überlebenschancen haben Patientinnen in zertifizierten Brustzentren. Dies wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen belegt (Kowalski C, et al. Breast. 2015;24:118-23. Beckmann MW, et al. Onkologie. 2011;34:362-7) und auch durch Analysen des wissenschaftlichen Instituts der AOK bestätigt.

Zertifizierte Brustzentren wurden seit 2004 in Deutschland durch die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. und die Deutsche Krebsgesellschaft etabliert. Die Zertifizierung ist freiwillig. Ein umfangreiches Pflichtenheft regelt die strukturellen, personellen und qualitativen Voraussetzungen. Jährliche Kontrollen durch ein unabhängiges Institut und Audits vor Ort prüfen die Erfüllung der Anforderungen und die Ergebnisse der Behandlung und gewährleisten ein hohes Qualitätsniveau und eine stetige Weiterentwicklung. Vier von fünf Brustkrebspatientinnen werden heute in einem der flächendeckend über Deutschland verteilten 230 zertifizierten Brustzentren behandelt.

Ein maßgeschneidertes Therapiekonzept steht am Beginn jeder Behandlung im Brustzentrum. Es wird unter der Koordination eines spezialisierten Frauenarztes/Frauenärztin durch ein Team aus Experten für Diagnostik, Operationen, Strahlen- und medikamentöse Therapien für jede Patientin individuell erarbeitet. Die Patientin muss daher nicht mit zahlreichen Experten Termine abstimmen. Vielmehr hat sie einen ärztlichen Ansprechpartner und eine auf Brustkrebserkrankung spezialisierte Pflegekraft, welche sie durch die Behandlung begleitet.

Vorbei sind die Zeiten verstümmelnder Operationen: Meist kann die Brust erhalten werden. Wenn dies nicht möglich ist, stellen rekonstruktive Operationen die Integrität des Körpers wieder her. Vergangenheit ist dank der Technik des Wächterlymphknotens auch die ausgedehnte Operation der Achselhöhle und die Angst vor Lymphödem und Funktionseinschränkung des Armes. Moderne Analyseverfahren suchen nach der „Achillesferse“ des Brustkrebses. Dadurch werden zielgerichtete „targeted“ Therapieoptionen mit antihormonellen Substanzen und Antikörpern möglich, welche nebenwirkungsarm und zugleich effektiv eine Chemotherapie ergänzen oder gar ersetzen können. Neoadjuvante und postneoadjuvante Strategien der medikamentösen Therapie erlauben eine an der Wirkung auf den Tumor orientierte individuelle Steuerung der Behandlung. Moderne Strahlentherapiekonzepte schonen gesundes Gewebe und verkürzen die Behandlungszeit (hypofraktionierte Bestrahlung) teilweise sogar bis auf wenige Minuten während der Operation (intraoperative Bestrahlung).
Die Teilnahme an Studien ermöglicht den Patientinnen Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren und trägt zur steten Weiterentwicklung der Therapie bei. Junge Frauen brauchen zudem Beratung und Unterstützung bei der Familienplanung. Eine Schwangerschaft nach Brustkrebs ist nicht schädlich. Viele Brustzentren bieten neben der Schulmedizin ergänzende Angebote: Naturheilkunde, Beratung über gesunde Ernährung und Bewegung tragen zur Gesundung bei und vermindern das Risiko für andere Erkrankungen.

Der Patientin im Brustzentrum steht eine psychoonkologische Betreuung zur Verfügung, die hilft, die seelischen Belastungen zu mildern und in ein gesundes Leben zurückzufinden. Der Sozialdienst bietet Beratung und Hilfe in sozialrechtlichen Fragen und bei Maßnahmen zur Rehabilitation.

Dank der Erfolge der Therapie gibt es für die meisten Frauen ein gesundes Leben nach dem Krebs. Der mit dem Brustzentrum kooperierende Frauenarzt oder die Frauenärztin begleitet die jahrelangen endokrinen Behandlungen, mindert mögliche Nebenwirkungen, beantwortet Fragen und nimmt Sorgen.

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Anton J. Scharl
Chefarzt
Klinikum St. Marien Amberg
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Mariahilfbergweg 7
92224 Amberg
E-Mail: scharl.anton(at)klinikum-amberg.de
Internet: http://www.klinikum-amberg.de/de/medizin/kliniken-und-fachbereiche/hauptabteilungen/frauenklinik/frauenklinik.php

Prophylaktische Operationen der Brust: Für wen und wann?

Univ.-Prof. Dr. med. Rita Schmutzler, Ärztliche Direktorin Uniklinik Köln, Koordinatorin des Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs

Die prophylaktische Brustdrüsenentfernung ist eine effektive Maßnahme zur Reduktion des Erkrankungsrisikos bei Frauen mit Vorliegen einer pathogenen BRCA1- oder BRCA2-Mutation. Sie kann jedoch mit schwerwiegenden physischen und psychischen Belastungen einhergehen. Daher muss die Entscheidung für oder gegen eine solche Maßnahme zusammen mit der Ratsuchenden sorgfältig abgewogen werden. Hierbei gilt es, verschiedene Aspekte zu beachten:

  1. Grundlage für die Entscheidungsfindung ist eine umfassende und möglichst genaue Risikokalkulation. Hierbei sind altersabhängige Erkrankungsraten zu kommunizieren. Ebenso müssen im Falle eines Zweitkarzinomrisikos bei bereits eingetretener einseitiger Erkrankung die konkurrierenden Risiken e.g. das Rezidiv- und Metastasierungsrisiko des Erstkarzinoms berücksichtigt und zusammen mit der Patientin offen diskutiert und abgewogen werden.

  2. Bezüglich der Risikokommunikation ist es wichtig, nicht nur Lebenszeitrisiken, sondern auch die Risiken in überschaubaren Zeiträumen von fünf bis zehn Jahren zu kommunizieren. Denn was nützt es einer 25-jährigen Ratsuchenden einzig über ein hohes Lebenszeitrisiko zu erfahren, wenn ihr Risiko zu erkranken in den nächsten fünf Jahren praktisch null ist. Diese Informationen sind wichtig, um sich nicht nur für oder gegen die prophylaktische Operation zu entscheiden, sondern auch den individuell optimalen Zeitraum hierfür ausfindig zu machen.

  3. Neben der reinen Faktenlage ist es ebenso wichtig, die persönliche Einstellung und die aktuelle Lebenssituation der Ratsuchenden im Rahmen eines präferenzsensitiven Entscheidungsprozesses mit einzubeziehen, um der Ratsuchenden passende und langfristig tragbare Entscheidung zu ermöglichen.

Das Deutsche Konsortium „Familiärer Brust- und Eierstockkrebs“ setzt dieses Konzept der Risikokommunikation zusammen mit den kooperierenden Brustzentren um und bietet hierzu auch Zweitmeinungssprechstunden an.

Eine neue Herausforderung stellt die Identifikation weiterer Risikogene dar. Denn für diese Gene liegen deutlich weniger klinisch belastbare Daten für eine zuverlässige Risikoabschätzung vor. Insbesondere stellen unklare genetische Varianten, die in den neu entdeckten Risikogenen häufig nachgewiesen werden, eine große Herausforderung bei der klinischen Interpretation dar. Das deutsche Konsortium hat hierfür eigens eine Expertengruppe zur Zweitbefundung sowie ein recall-System bei Vorliegen neuer Erkenntnisse eingeführt, das in Deutschland bisher einzigartig ist. Das Kölner Zentrum konnte ferner in einem Benchmark-Projekt zusammen mit seinen Kooperationspartnern zeigen, dass bei rund 30 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs eine familiäre Belastung vorliegt. Da die Hochrisikogene BRCA1/2 aber nur 25 Prozent dieser Fälle erklären, könnten den neuen Genen eine größere Bedeutung als den bisher bekannten Genen zukommen. Diese Daten belegen auch, dass der familiär bedingte Brustkrebs keinesfalls eine seltene Erkrankung ist.
Zwar stehen verschiedene Risikokalkulationsprogramme zur Verfügung, um bei diesen BRCA1/2 negativ getesteten Frauen eine Risikoabschätzung durchzuführen, diese sind jedoch nicht ausreichend prospektiv validiert. So fehlen z. B. altersabhängige Tumorinzidenzraten, die es ermöglichen, einen optimalen Zeitpunkt für prophylaktische Operationen zu identifizieren. Laufende Untersuchungen des Deutschen Konsortiums zur empirischen Erfassung der prospektiven Tumorinzidenzraten werden hier mehr Klarheit bringen. Ebenso fehlen Daten zum natürlichen Krankheitsverlauf sowie zur Wirksamkeit spezifischer präventiver und therapeutischer Maßnahmen. Des Weiteren gehen die meisten neu identifizierten Brustkrebsgene mit einem nur moderat erhöhten Risiko für Brustkrebs einher. Sie stellen also keine Hochrisikogene wie BRCA1/2 dar. Eine Ausnahme ist das Gen PALB2 sein, für welches in Kürze belastbarere Daten erwartet werden.

Aufgrund dieser Gesamtsituation ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den präventiven Operationsmöglichkeiten im Sinne des „primum nil nocere“ Prinzips zu beachten. Entscheidungen für oder gegen eine prophylaktische Operation müssen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen erfolgen, die die Gesamtsituation wie z. B. auch die familiäre Risikobelastung und die Vorgeschichte der Patientin mit berücksichtigen. Das Konsortium richtet derzeit überregionale und interdisziplinär besetzte Gendiagnostikboards ein, um einen transparenten Entscheidungsprozess auf bestmöglicher Datenlage zu gewährleisten. Dabei gilt es ferner, die Ratsuchende und ihre persönlichen Präferenzen in den Fokus zu stellen. Das Kölner Zentrum bemüht sich daher darum, in einem begleitenden ethisch-/rechtlichen Forschungsprojekt, unterstützt durch das BMBF, den krankenversicherungsrechtlichen Status dieser Risikopersonen besser zu definieren, um dem besonderen Status der Betroffenen (healthy sick) gerecht zu werden.

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Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. med. Rita Schmutzler
Direktorin
Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs
Uniklinik Köln | Zentrum Familiärer Brust-
und Eierstockkrebs
Kerpener Str. 34
50931 Köln
E-Mail: rita.schmutzler(at)uk-koeln.de
Internet: www.familiaerer-brust-und-eierstockkrebs.uk-koeln.de

Neue Therapiemöglichkeiten beim metastasierten Brustkrebs – eine Chance auf Heilung?*

Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Co-Kongresspräsident 2017, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Universitätsklinikum Heidelberg
Prof. Dr. med. Florian Schütz, Stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des interdisziplinären Brustzentrums Frauenklinik Universitätsklinikum Heidelberg

Der Brustkrebs im metastasierten (gestreuten) Stadium ist eine nicht mehr heilbare, aber in der Regel chronisch verlaufende Erkrankung. Ursache für den chronischen Erkrankungsverlauf ist die langsam zunehmende Anzahl unterschiedlicher Tumorzellen, die mit fortschreitender Erkrankungsdauer immer unempfindlicher werden. Heute können durch eine moderne, interdisziplinäre Behandlung durchschnittliche Überlebenszeiten von ca. drei Jahren erreicht werden. In Einzelfällen beträgt die Überlebenszeit zehn Jahre und länger bei guter Lebensqualität.

Wichtigste Therapieziele sind die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität und die Linderung tumorbedingter Beschwerden. Die Wahl der Therapie orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen, dem Allgemeinzustand und den Begleiterkrankungen der Patientin sowie der Aggressivität der Erkrankung und deren Vorbehandlung. Da sich ein metastasierter Brustkrebs schon im ganzen Körper ausgebreitet hat, ist die medikamentöse Therapie die Hauptsäule der Behandlung. Es stehen zellwachstumhhemmende (zytostatische) sowie zielgerichtete, d. h. gegen definierte Moleküle wirksame Therapien zur Verfügung. Bei Auftreten der Metastasen sollten die Expression des Östrogenrezeptors (estrogen receptor, ER) und des humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (HER)2 nochmals am Metastasengewebe bestimmt werden. Bei Nachweis des ER ist in der Regel zunächst eine endokrine d. h. gegen den ER gerichtete Therapie das Mittel der Wahl. Hier werden neben den direkt am ER angreifenden Substanzen (Tamoxifen, Fulvestrant) die Aromatasehemmer (Anastrozol, Letrozol, Exemestan) eingesetzt, die nach Eintritt der Menopause den Östrogenspiegel weiter absenken. Diese Substanzen werden häufig mit Medikamenten kombiniert, die Resistenzmechanismen unterdrücken, wie den Cyclin D Kinase (CDK) 4/6-Hemmer Palbociclib oder den mammalian Target of Rapamycin (mTOR)-Hemmer Everolimus. Hierdurch kann die Zeit bis zum Therapieversagen um mehrere Monate verlängert werden. Bei HER2-Überexpression wird durch eine gegen HER2 gerichtete Therapie das Überleben signifikant verlängert. Zugelassen sind die Anti-HER2 Antikörper Trastuzumab und Pertuzumab, das Immunotoxin Trastuzumab-Emtansin sowie der HER1/2-Kinaseinhibitor Lapatinib. Als zielgerichtet wirksame Substanz bei fehlender HER2-Expression steht in Europa Bevacizumab zur Verfügung, ein Antikörper gegen den vaskulären Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor).

Mehr als die Hälfte aller Patienten mit gestreutem Brustkrebs entwickeln Knochenmetastasen, die zu Komplikationen am Skelett führen können. Durch Bisphosphonate oder den RANKL-Antikörper Denosumab wird das Auftreten von Komplikationen am Skelett verzögert bzw. verhindert. Lokale Therapiemaßnahmen wie Strahlentherapie oder Operationen werden beim metastasierten Brustkrebs nur bei lokalen Problemen wie z. B. bei Frakturgefahr oder konservativ nicht beherrschbaren Knochenschmerzen empfohlen.

Um in Zukunft zügiger Fortschritte zu machen, müssen therapierelevante Brustkrebssubtypen besser definiert und charakterisiert werden. Eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und auch des individuellen Patienten ist erforderlich. Parallel zur Erprobung jeder neuen Substanz ist ein Marker zu etablieren, der ein Ansprechen auf diese Substanz spezifisch vorhersagt. Nur so können die Patienten identifiziert werden, die von der neuen Therapie profitieren. Zudem werden klinisch relevante Effekte bei wenigen Patienten nicht übersehen und die Wirtschaftlichkeit bleibt gewahrt. Die umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und Patientin ermöglicht uns hoffentlich in Zukunft eine besser auf die einzelne Patientin und ihre Erkrankung zugeschnittene und damit wirklich personalisierte Therapie.

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*Ursprünglich veröffentlicht in der Kampagne „Frauensache“ vom Mediaplanet Verlag Deutschland, am 13. Mai 2017.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss
Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Universitätsklinikum
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
E-Mail: andreas.schneeweiss(at)med.uni-heidelberg.de
Internet: www.nct-heidelberg.de

Prof. Dr. med. Florian Schütz
Universitätsfrauenklinik Heidelberg
Stellvertretender Klinikdirektor
Leiter des interdisziplinären Brustzentrums INF 440
69120 Heidelberg
E-Mail: florian.schuetz(at)med.uni-heidelberg.de
Internet: www.nct-heidelberg.de

Aktionstag auf dem Alexanderplatz „ICH BIN DABEI!“ – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.

Prof. Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Frauenklinik, Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums HELIOS Klinikum Berlin-Buch

Am Samstag, den 1. Juli 2017, 11 bis 16 Uhr, findet nach Abschluss der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) e.V. der Patientinnen-Aktionstag unter dem Motto „ICH BIN DABEI!“ – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Dieses Motto passt auch sehr gut zum Motto der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen St. Gallen Konsensuskonferenz: „Deeskalation – Eskalation“. Für die betroffenen Patientinnen und deren Familien bedeutet dies:

  1. Intensivierung der Früherkennung von Brustkrebs in der Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten Risiko, nämlich Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Für diese Frauen gibt es in Deutschland schon seit 2007 ein strukturiertes, qualitätsgesichertes Mammografiescreening-Programm. Wir möchten alle Berliner und Brandenburger Frauen in dieser Altersklasse dazu aufrufen, an diesem Screening-Programm teilzunehmen. Durch Früherkennung ist Brustkrebs nicht nur weniger aggressiv behandelbar (Motto Deeskalation), sondern auch heilbar. Die meisten Frauen können brusterhaltend operiert werden, der Eingriff in der Achselhöhle zur Entfernung der Lymphknoten ist weniger aggressiv, man kann häufig auf die belastende Chemotherapie verzichten und auch die Strahlentherapie kann weniger aggressiv erfolgen.

  2. Durch Fortschritte in der Molekulargenetik können heute bei gesunden Frauen erbliche Formen von Brustkrebs entdeckt werden bevor die Krankheit ausbricht. Die Überwachung und Behandlung solcher Frauen im Rahmen von qualitätsgesicherten Programmen ist in Deutschland Standard.

  3. Im Falle von doch aggressiveren Formen von Brustkrebs, bei denen zum Beispiel die Entfernung der Brustdrüse notwendig ist, können wiederherstellende Operationen, entweder mit Implantaten oder mit eigenem Gewebe, durchgeführt werden.

  4. Aus der molekulargenetischen Untersuchung von Brustkrebs konnte man feststellen, dass Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs ist. Dies bedeutet, dass mit modernen Untersuchungsverfahren bei Patientinnen mit weniger aggressiven Formen von Brustkrebs die Therapie auch weniger aggressiv ist und bei den Patientinnen, bei denen aggressivere Formen vorliegen, moderne Therapieverfahren unter Zuhilfenahme gezielter Medikamente eingesetzt werden (Eskalation).

  5. Auch für Patientinnen mit Tochtergeschwülsten sind neue Ansätze der Therapie durch die Zulassung moderner Medikamente möglich. Hier sind stellvertretend zum Beispiel die Aromatasehemmer, die mTor-Inhibitoren und die CDK 4/6-Inhibitoren zu nennen. 37. Jahrestagung der DGS, 29. Juni bis 1. Juli 2017, CityCube Berlin 2 Mit Antikörpertherapien kann die Heilungsrate bei aggressiven Formen von Brustkrebs bereits um 50 Prozent verbessert werden. Neue Antikörpertherapien sind auch zum Beispiel zur Behandlung und Vermeidung von Knochenmetastasen möglich.

Anlässlich des Aktionstages werden sich die Mammografiescreening-Zentren aus Berlin und Brandenburg zusammen mit den Berliner und Brandenburger zertifizierten Brustkrebszentren der Diskussion auf dem Alexanderplatz an einzelnen Ständen, aber auch im Rahmen von Podiumsdiskussionen stellen. Dabei sollen die neuesten Entwicklungen, die auf der Jahrestagung diskutiert werden, einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden. Die Moderation wird Frau Bärbel Schäfer übernehmen. Die Diskussionen sollen bewusst laienverständlich sein und wir hoffen auf eine rege Beteiligung aus der Bevölkerung.

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Michael Untch
Chefarzt der Frauenklinik
Perinatalzentrum Level 1
Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin
E-Mail: michael.untch(at)helios-kliniken.de
Internet: www.helios-kliniken.de/berlin

„ICH BIN DABEI! – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.“ – Aktionstag am 1. Juli 2017 von 11-16 Uhr auf dem Berliner Alexanderplatz

Vom ersten Kauf eines BHs, über die vollständige Entwicklung der Brust, bis hin zum Stillen eines Säuglings – die Brust einer Frau steht häufig im Mittelpunkt. Doch nur wenigen Frauen ist der Begriff Senologie geläufig. Dabei ist die Senologie (fr. le sein – die Brust) die Lehre der weiblichen Brust und beschäftigt sich mit all ihren Funktionen und Krankheitsbildern. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) fortwährend für die Brustgesundheit von Frauen. Sie vereint alle ärztlichen und medizinischen Disziplinen, die sich mit der Brust beschäftigen: Gynäkologie, Innere Medizin, Radiologie, Pathologie, Radioonkologie sowie die (plastische) Chirurgie. Ein Senologe ist somit ein Brustspezialist, der Facharzt der zuvor genannten Disziplinen ist. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Wissenschaftlern der verschiedenen medizinischen Disziplinen ist ein besonderes Anliegen der DGS, infolgedessen sie die Fortbildungsakademie Deutsche Akademie für Senologie (DAS) gründete. Die Akademie bietet Ärztinnen und Ärzten ein interdisziplinäres Fortbildungsprogramm, bei dem die jeweiligen Fachkenntnisse auf dem Gebiet der Brust erweitert werden und gleichzeitig die Kompetenz in den anderen Fachdisziplinen erhöht wird.

Um die wichtige Aufgabe und das Engagement der DGS auch den Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen lädt Sie der Präsident der DGS, Prof. Rüdiger Schulz-Wendtland (Erlangen) sehr herzlich zu unserem Aktionstag „ICH BIN DABEI! – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.“ am 1. Juli 2017 in Berlin ein. Der Aktionstag findet im Rahmen der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 in Berlin statt.
Bei dem Aktionstag auf dem Alexanderplatz haben Patientinnen und Interessierte die Möglichkeit in direkten Kontakt mit den zertifizierten Brustzentren Berlins und Brandenburgs, die sich gemeinsam mit Professoren, Ärzten, den Teams und engagierten Personen des öffentlichen Lebens präsentieren werden, zu treten. Es wird ein breites und spannendes Informationsprogramm zu Früherkennungstests, Gerätschaften, Vorgehensweisen, Betroffenenhilfe und vielem mehr geboten, sodass viele Fragen rund um die Thematiken Brustkrebs und die Früherkennung direkt vor Ort beantwortet werden können.

Mit über 70. 000 diagnostizierten Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frauen in Deutschland und steht im Mittelpunkt der fachlich-inhaltlichen Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Ein zentrales Ziel ist es, durch Forschung und Präventionsmaßnahmen, Neuerkrankungen zu vermeiden und die Schwere der Erkrankungen zu verringern. Denn bei rechtzeitiger Entdeckung und Behandlung ist die Erkrankung sehr gut therapierbar. Aus diesem Grund unterstützt die DGS das Mammographie-Screening als Früherkennungsmaßnahme. Die Mammographie eignet sich besonders als Brustkrebsfrüherkennung, da die Röntgenuntersuchung der Brust nicht tastbare Tumoren bereits in einem frühen Stadium sichtbar machen kann. Die Untersuchungen finden deutschlandweit in den insgesamt 95 Screening-Einheiten statt, die zum deutschen Mammographie-Screening-Programm gehören. Die Teilnahme am Programm zur Früherkennung von Brustkrebs ist in Deutschland freiwillig und für alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren möglich. Aufgrund der hohen Bedeutung der Früherkennung überlegt die DGS, eine Ausweitung des Screenings auf Frauen im Alter zwischen 40 und 74 Jahren anzuregen.
Neben dem Mammographie-Screening ist die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) das wichtigste bildgebende Verfahren. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Patientinnen, bei denen keine genetische Vorbelastung vorliegt, müssen die Kosten einer Sonographie als Erstuntersuchung selbst tragen. Obwohl der Ultraschall ohne Röntgenstrahlungen auskommt, ist er als alleinige Maßnahme zur Brustkrebsfrüherkennung nicht geeignet, da typische Krebsvorstufen und sehr kleine Tumore kaum zu erkennen sind. Ergänzend zur Mammographie ist die Sonographie als Abklärung aber sinnvoll.

Um die Lebensqualität von Frauen mit Brustkrebs zu steigern und ihre Sterblichkeit zu senken, engagiert sich die DGS auch für eine stetig gute und qualitative Behandlung von Brustkrebs. Hierfür vergibt die DGS gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) das Zertifikat „Zertifiziertes Brustzentrum“. Ein Brustzentrum ist ein Netzwerk aus den verschiedenen Abteilungen der Senologie und niedergelassenen Ärzten bzw. eine Klinikabteilung, die sich aus den oben genannten Fachdisziplinen zusammensetzt. Das Brustzentrum beschäftigt sich mit der Erkrankung der weiblichen Brust und deren Behandlungsmöglichkeiten. Im Sinne des interdisziplinären Anspruchs der DGS wird die Patientin von Beginn an und langfristig von einem Team aus Spezialistinnen und Spezialisten unterschiedlichster Fachbereiche betreut. Das Zertifikat, das 2003 durch die DKG und die DGS entwickelt wurde, gewährleistet die Einhaltung wichtiger medizinischer Standards und Anforderungen.

Haben Sie weitere Fragen zu zertifizierten Brustzentren oder rund um das Thema Brustkrebs, dann kommen Sie am 1. Juli 2017 von 11:00 bis 16:00 Uhr zum Aktionstag „ICH BIN DABEI! – Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.“ auf dem Berliner Alexanderplatz.

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Pressekontakt für Rückfragen:
Luise Dusatko
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
Tel.          +49 (0)30-514 88 3333
Fax          +49 (0)30-514 88 344
E-Mail:     presse(at)senologie.org
Internet:   www.senologie.org

Netze/Matrices – Ein Segen für die Mammachirurgie?

Dr. med. Uwe von Fritschen, Chefarzt der Klinik für Plastische- und Ästhetische Chirurgie HELIOS Klinikum Emil von Behring Berlin

Autologe Rekonstruktionen erzielen bei der Brustrekonstruktion eine höhere Patientenzufriedenheit, besonders im Hinblick auf das ästhetische Resultat. Implantatrekonstruktionen sind jedoch weniger invasiv, erfordern kein zusätzliches Spendeareal und keine mikrochirurgische Expertise. Daher werden sie nach wie vor in der ganz überwiegenden Mehrzahl durchgeführt. An Sicherheit, funktionelles und ästhetisches Outcome werden hohe Ansprüche gestellt werden.

Ein großer Gewinn war die zunehmende Akzeptanz der kosmetisch anspruchsvolleren hautsparenden Resektionstechniken. Sie werfen jedoch technische Probleme auf, die vorher nicht bestanden. Neben Durchblutungsstörungen der ausgedünnten Brusthaut stellt die Kontrolle der Implantatlage z. T. eine Herausforderung dar. Gewebeverstärkungen mit allogener Matrix oder synthetischen Netzen können eine Hilfe sein. Sie ermöglichen ein besseres ästhetisches Resultat, da das Implantatlager erweitert und die laterale Begrenzung besser geformt werden kann.

Eine konventionelle Implantatrekonstruktion erfordert die Positionierung des Implantates unter dem Pektoralismuskel im oberen und häufig unter dem Serratusmuskel im unteren Anteil. Hierbei ist jedoch die mögliche Ausdehnung besonders nach lateral, aber auch die erzielbare Projektion stark eingeschränkt. Für ein symmetrisches Resultat muss dann ein zweizeitiges Vorgehen mit anfänglicher Expandereinlage gewählt werden. Sollte eine adjuvante Strahlentherapie erforderlich sein, muss der Wechsel auf das definitive Implantat in einem bestrahlten Areal durchgeführt werden, was mit einer erheblichen Zunahme von Komplikationen verbunden ist.

Dies kann durch den Einsatz der gewebeverstärkenden Materialien vermieden werden, da primär ein korrespondierendes Implantat verwendet werden kann. Die laterale Begrenzung wird gesichert und zur Vermeidung der Retraktion des Pektoralismuskels ist der Serratus nicht mehr erforderlich. Gleichzeitig vermindert sich die Invasivität des Eingriffs.
Ob für diese mechanischen Aspekte Matrices oder Netze verwendet werden ist unerheblich. Insbesondere den Matrices werden zusätzliche Vorteile zugesprochen. Zum einen sollen sie durch ihre meist dickere Struktur den Weichteilmantel verstärken und damit einem sichtbaren Rippling vorbeugen. Zum anderen gibt es Hinweise, dass möglicherweise die Ausbildung einer Kapselfibrose deutlich vermindert wird, unerheblich ob mit oder ohne Radiatio. Im Gegensatz dazu haben synthetische Materialien neben dem finanziellen Aspekt Vorteile in der handlichen Nutzung und Lagerung.

Hat der Einsatz also nur Vorteile? Insgesamt liegt für die wissenschaftliche Risiko- und Nutzenbewertung beider Materialien nur eine sehr begrenzte Evidenz vor. Es häuften sich Publikationen, die auf eine erhöhte Komplikationsrate bei der additiven Verwendung von Fremdmaterial hinweisen. Metaanalysen zeigen eine erhöhte Rate von Infekten, Seromen und Implantatversagen bei Verwendung von ADM. Für Netze liegen kaum Daten vor. Besonders die nicht resorbierbaren Materialien können bei Patientinnen mit sehr dünnem Hautmantel jedoch den Nachteil haben, dass sie sich im Falle der Konversion zu einer Eigengewebsrekonstruktion nicht mehr entfernen lassen, ohne die Perfusion zu gefährden. Hierdurch wird eine ästhetische Formung weitgehend verhindert.

Nach unserer Erfahrung sind die meisten der genannten Komplikationen durch eine gute Patientenselektion und korrekte operative Technik vermeidbar. Es stellt sich vielmehr die Frage, wann mit der Verwendung ein tatsächlicher Vorteil verbunden ist. Bei ausreichendem Hautmantel und einer vorausschauenden Präparation kann sehr häufig eine zuverlässige Positionierung des Implantats erfolgen. Nach anfänglicher Euphorie werden die Produkte in letzter Zeit gezielter eingesetzt. Wir verwenden sie lediglich in den Fällen, in denen eine Sicherung der Implantatgrenzen oder der muskulären Deckung mit anderen Techniken nicht möglich ist. Eine dauerhafte Vermeidung von Rippling ist bei hierfür prädestinierten Patientinnen alleine mit einer ADM nicht möglich. Hierfür ist ein zusätzliches Lipofilling erforderlich. Aus technischen Gründen verwenden wir dann eine Matrix, um eine bessere Implantatprotektion zu gewährleisten. Andernfalls sind Netze meist ausreichend. Bei der Therapie von Kapselfibrosen scheint der Einsatz von ADM ebenfalls sinnvoller.

Zusammenfassend haben die Materialien unser Optionen erweitert und ermöglichen bessere ästhetische Resultate. Sie erfordern jedoch eine gewissenhafte chirurgische Technik und ein spezielles postoperatives Management.

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Kontakt:
Dr. med. Uwe von Fritschen
Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Head of Department, Plastic and Aesthetic Surgery, Hand Surgery
Walterhöferstr.11
14165 Berlin
E-Mail: uwe.von-fritschen(at)helios-kliniken.de
Internet: www.helios-kliniken.de/berlin-plastische-chirurgie

Herausforderungen des hormonrezeptor-positiven Mammakarzinoms

Prof. Dr. med. Christian Jackisch, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Sana Klinik Offenbach GmbH

Überblick
Die endokrine adjuvante Therapie des Mammakarzinoms stellt die älteste Form der zielgerichteten Therapie dar. Bei Erstdiagnose werden mehr als 60 Prozent als hormonsensitive Karzinome eingestuft. Im letzten Jahr haben sich relevante Neuerungen zur optimalen Therapiedauer und Zusammensetzung der antihormonellen Therapie ergeben. So wird die adjuvante Therapie (Jahr 0-5) von der erweiterten adjuvanten Therapie (Jahr 6-10) unterschieden. Elementar für die Komposition der optimalen endokrinen Therapie ist die korrekte Festlegung des individuellen Rückfall-Risikos (at risk Konstellation), die mithilfe der Zuordnung zu den genotypischen Subtypen möglich ist. Für prämenopausale Patientinnen ist hier die Kombinationstherapie aus Tamoxifen oder Aromatasehemmer +/- ovarieller Suppression zu disponieren. In der Postmenopause erscheint die optimale Therapiesequenz in den ersten fünf Jahren aus einer Sequenz von Tamoxifen/Aromatasehemmer zu bestehen. Risikoadaptiert kann auch eine Monotherapie mit Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer erfolgen. Für die erweiterte adjuvante Therapie sind eine erneute Re-Evaluation der Risikodisposition, die Verträglichkeit der adjuvanten Therapie und Erkenntnisse der Knochengesundheit von Relevanz.

Brustkrebs, als die häufigste Krebserkrankung der Frau, gehört zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr zur Haupttodesursache in den westlichen Staaten. Bislang hat sich bei der adjuvanten endokrinen Therapie, im Gegensatz zur endokrinen Therapie des metastasierten Stadiums, keine neue Substanz als Standardtherapie durchgesetzt.

Prämenopausale Patientinnen
Eine fünfjährige Therapie mit Tamoxifen stellt den Therapiestandard dar [1]. Die Daten zur Dauer einer additiven ovariellen Suppression waren bisher nicht eindeutig. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der SOFT-/TEXT-Studien 2014 und 2015 konnten nun mehrere Ungewissheiten geklärt werden [2, 3].

Indikation der ovariellen Suppression
Für die Gesamtpopulation ergibt sich kein Vorteil für eine Tamoxifen-Therapie in Kombination mit einer zusätzlichen ovariellen Suppression (90,7 Prozent vs. 91,3 Prozent fernrezidivfreies 5-Jahres-Überleben). Ein kleiner Vorteil ergibt sich für die Aromatasehemmer-Therapie in Kombination mit ovarieller Suppression (90,7 Prozent vs. 93,0 Prozent fernrezidivfreies Überleben in den Studien).
Patientinnen, die risikoadaptiert (low risk) keine adjuvante Chemotherapie erhielten, profitieren nicht von einer ovariellen Suppression. Das fernrezidivfreie (DFS) Überleben nach fünf Jahren betrug 98,6 Prozent unter Tamoxifen versus 98,7 Prozent unter Tamoxifen mit ovarieller Suppression und 99,3 Prozent mit ovarieller Suppression kombiniert mit einem Aromatasehemmer. Das DFS kann in diesem Kollektiv kaum weiter optimiert werden.

Im Gegensatz hierzu zeigen sich bei Patientinnen mit einem erhöhten Rückfallrisiko (at risk), die eine adjuvante Chemotherapie erhielten, danach innerhalb von acht Monaten noch einen prämenopausalen Hormonstatus aufweisen, profitieren von einer ovariellen Suppression in Kombination mit Tamoxifen oder mit einem Aromatasehemmer (fernrezidivfreies Überleben von 84,8 Prozent bzw. 87,8 Prozent im Vergleich 83,6 Prozent für Tamoxifen allein). Sehr junge Patientinnen (< 35 Jahre) zeigen den größten Nutzen einer ovariellen Suppression, sei es in Kombination mit Tamoxifen (krankheitsfreies 5-Jahres-Überleben bei 79 Prozent) oder noch mehr mit einem Aromatasehemmer (83 Prozent), im Vergleich zu Patientinnen, die nur mit Tamoxifen behandelt wurden (68 Prozent).

Optimale Therapiedauer
Die Therapiedauer in der TEXT- und SOFT-Studie betrug fünf Jahren. Die Möglichkeit einer verlängerten Gabe von Tamoxifen für die Dauer von zehn Jahren wurde in zwei Studien gegenüber der Standarddauer von fünf Jahren untersucht [4]. Sowohl in der ATLAS- (n = 15.244) als auch in der ATTOM-Studie (n = 6.953) wurden rezidivfreie Patientinnen nach abgeschlossener fünfjähriger Tamoxifen-Therapie, randomisiert entweder nachbeobachtet oder einer erneuten fünfjährigen Tamoxifentherapie zugeführt. Es wurden prä- und postmenopausale Patientinnen eingeschlossen. Beide Studien zeigten eine klare Reduktion der Rezidivrate in der Gruppe der erweiterten adjuvanten Therapie mit Tamoxifen. In der ATLAS-Studie zeigte sich, unabhängig vom Menopausenstatus, eine Rezidivreduktion um 25 Prozent nach zehn Jahren und eine Reduktion der Brustkrebsmortalität um 29 Prozent. Hat sich nach einer fünfjährigen Tamoxifentherapie eindeutig ein postmenopausaler Status eingestellt, so kann eine erweiterte endokrine Therapie mit Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer erfolgen [5].

Postmenopausale Patientinnen
Bei der postmenopausalen Patientin sind Tamoxifen und Aromatasehmmer zugelassen. Eine Aromatasehemmer-Therapie für die Dauer von fünf Jahren ist gegenüber der fünfjährigen Tamoxifen-Therapie eine deutliche Überlegenheit für das krankheitsfreie und fernrezidivfreie Überleben [6 – 8].
Eine Kombination von Tamoxifen mit einem Aromatasehemmer in Sequenz über insgesamt fünf Jahre wurde ebenfalls in mehreren Studien untersucht. Auch hier wurde eine Verbesserung des rezidivfreien Überlebens im Kombinationsarm Tamoxifen (zwei bis drei Jahre), dann Aromatasehemmer (ebenfalls zwei bis drei Jahre), gegenüber der alleinigen Tamoxifen-Therapie gezeigt [9, 10]. Eine upfront Therapie mit einem Aromatasehemmer zeigt nur noch marginal Vorteile gegenüber dieser Sequenztherapie.

Erweiterte adjuvante Therapie
Für die Prämenopause stehen Tamoxifen und Aromatasehemmer zur Verfügung. In der Postmenopause finden sich nach einem Einsatz von Aromatasehemmern in den ersten fünf Jahren der adjuvanten Therapie nur noch marginale Vorteile durch eine erweiterte adjuvante Therapie mit einem Aromatasehemmer.

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Literatur

1. Goldhirsch A, Winer EP, Coates AS et al.: Personalizing the treatment of women with early breast cancer: highlights of the St Gallen International Expert Consensus on the Primary Therapy of Early Breast Cancer 2013. Annals oncol 2013; 24(9): 2206–2223.

2. Francis PA, Regan MM, Fleming GF, et al.: Adjuvant ovarian suppression in premenopausal breast cancer. N Engl J Med 2015; 372(5): 436–446.

3. Pagani O, Regan MM, Francis PA: International Breast Cancer Study G. Exemestane with ovarian suppression in premenopausal breast cancer. N Engl J Med 2014; 371(14): 1358–1359.

4. Davies C, Pan H, Godwin J et al.: Long-term effects of continuing adjuvant tamoxifen to 10 years versus stopping at 5 years after diagnosis of oestrogen receptor-positive breast cancer: ATLAS, a randomised trial. Lancet 2013; 381(9869): 805–816.

5. Goss PE, Ingle JN, Pater JL et al.: Late extended juvant treatment with letrozole improves outcome in women with early-stage breast cancer who complete 5 years of tamoxifen. J Clin Oncol 2008; 26(12): 1948–1955.

6. Cuzick J, Sestak I, Baum M , et al.: Effect of anastrozole and tamoxifen as adjuvant treatment for early-stage breast cancer: 10-year analysis of the ATAC trial. The Lancet Oncology 2010; 11(12): 1135–1141.

7. Regan MM, Neven P, Giobbie-Hurder A et al.: Assessment of letrozole and tamoxifen alone and in sequence for postmenopausal women with steroid hormone receptor-positive breast cancer: the BIG 1-98 randomised clinical trial at 8.1 years median follow-up. Lancet Oncology 2011; 12(12): 1101–1108.

8. van de Velde CJ, Rea D, Seynaeve C et al.: Adjuvant tamoxifen and exemestane in early breast cancer (TEAM): a randomised phase 3 trial. Lancet. 2011; 377(9762): 321–331.

9. Boccardo F, Guglielmini P, Bordonaro R et al.: Switching to anastrozole versus continued tamoxifen treatment of early breast cancer: long term results of the Italian Tamoxifen Anastrozole trial. Europ J Cancer 2013; 49(7): 1546–1554.

10. Dubsky PC, Jakesz R, Mlineritsch B et al.: Tamoxifen and anastrozole as a sequencing strategy: a randomized controlled trial in postmenopausal patients with endocrine-responsive early breast cancer from the Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group. J Clin Oncol 2012; 30(7): 722–728.

11. Coates AS, Winer EP, Goldhirsch A et al.: Tailoring therapies-improving the management of early breast cancer: St Gallen International Expert Consensus on the Primary Therapy of Early Breast Cancer 2015. Ann Oncol 2015; 26(8): 1533–1546.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Christian Jackisch
Direktor
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Sana Klinikum Offenbach
Starkenburgring 66
63069 Offenbach
E-Mail: christian.Jackisch(at)sana.de
Internet: www.klinikum-offenbach.de

Lokoregionäre Therapie bei pCR

PD Dr. med. Marc Thill, Chefarzt, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, AGAPLESION Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main

Seit der CTNeoBC Studie von Patricia Cortazar et al. im Jahre 2014 mit etwa 13.000 Patientinnen ist viel über die pCR, als ein möglicher Surrogatmarker für das Überleben, diskutiert worden. Wir sind jedoch immer noch nicht in der Situation, die pCR auf Studienebene als einen validen primären Endpunkt für die Zulassung von Medikamenten zu bezeichnen. Hier sind weiterhin Überlebens-Endpunkte, wie Disease Free Survival (DFS), Event Free Survival (EFS) und Overall Survival (OS) führend. Sicherlich waren die Studien im neoadjuvanten Setting zumeist ungenügend gepowert, um auch eine Aussage über die Korrelation zwischen pCR und dem Überleben zu treffen, dennoch gibt es mittlerweile sehr valide Daten dafür, dass sowohl für die HER2-positive als auch für die tripel-negative Subgruppe, das Erreichen einer pCR mit einem Überlebensvorteil korreliert.

Die operative Entfernung des Tumors und der axillären Lymphknoten ist die Grundvoraussetzung für den Nachweis einer pCR. Dabei ist es ausreichend, in den neuen Tumorgrenzen zu operieren. Neben der Operation zählt auch die Strahlentherapie zur lokoregionären Therapie. Im Zuge der Diskussion um die Bedeutung der pCR für die Prognose und damit assoziiert für die anschließende Therapie (postneoadjuvante Studienkonzepte) stellen sich jedoch zwei Fragen: 1. Kann auf eine Operation nach klinischer Komplettremission (cCR) verzichtet werden und 2. Kann bei Vorliegen einer pCR eine Strahlentherapie vermieden werden.
Der ersten Frage, ob bei einer cCR auf eine OP verzichtet werden könnte, widmet sich die deutsche RESPONDER-Studie. Die Studie überprüft aktuell, ob eine pCR nicht auch durch eine vakuumbioptische Entfernung des Tumorrestes oder bei großen Läsionen eines repräsentativen Anteils aus dem Tumorbett bestätigt werden kann. Bis dato ist jedoch die OP Standard of Care.

Hinsichtlich der Operation von axillären Lymphknoten hat sich das Konzept der In-vivo-Chemo-Sensitivitäts-Testung ebenfalls durchgesetzt und findet sich in den Leitlinien entsprechend positiv bewertet. So wird bei klinisch negativer Axilla der Sentinel-Node nicht mehr vor, sondern nach Ende der neoadjuvanten Chemotherapie durchgeführt. Demgegenüber steht der Wunsch der Strahlentherapeuten, den definitiven Nodalstatus vor der Therapie zur Adjustierung der Strahlentherapie in Erfahrung bringen zu wollen, ein Umstand, welcher in den Brustzentren aktuell noch immer zu Unsicherheit führt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Nodalstatus kein starker Prognoseparameter mehr ist, allerdings konnten wir in den letzten 15 Jahren beweisen, dass der Nachweis eines Therapieansprechens ebenfalls eine starke prognostische Bedeutung hat. Bei initial positivem Nodalstatus wird nach wie vor die Axilladissektion, dann jedoch auch nach durchgeführter neoadjuvanter Therapie.

Viele prospektiv randomisierten Studien und ihre Metaanalysen konnten einen Gesamtüberlebensvorteil für die Durchführung einer Radiotherapie nach brusterhaltender Operation und einer Postmastektomiebestrahlung (PMRT) in der nodal-positiven Situation zeigen. Allerdings wurden diese Analysen ohne Berücksichtigung des mittlerweile erworbenen molekularen Wissens zu den unterschiedlichen Subgruppen des Mammakarzinoms durchgeführt, noch wurde die höhere Effektivität neuerer Therapien bewertet. Darüber hinaus wurde keine der in diesen Studien behandelten Patientinnen im neoadjuvanten Setting mit der Möglichkeit einer „response-guided“ Therapie behandelt, um den Therapieerfolg über die Steigerung der pCR zu optimieren.

Was läge also näher, als das Aufrufen der zweiten Frage, ob bei Vorliegen einer pCR eine Radiotherapie vermieden werden könnte. Dieser Frage haben sich bereits mehrere Studien gewidmet. So konnten beispielsweise David Krug et al. in einer Metaanalyse mit 3.481 Patientinnen aus den deutschen neoadjuvanten Gepar-Studien nachweisen, dass die Rate der lokoregionären Rezidive ohne Radiotherapie signifikant höher war als bei den Patientinnen mit Radiotherapie (p=0,004), darüber hinaus war das DFS nach Radiotherapie besser (p=0,081). Bei mastektomierten Patientinnen zeigte sich nach Verzicht auf eine Radiotherapie ebenfalls eine Erhöhung der lokoregionären Rezidivrate, wenn auch nicht in jeder Subgruppe. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass eine Radiotherapie ein unabhängiger Prognosefaktor für die Lokalrezidivrate bei Patientinnen nach NACT und die Subgruppen, bei denen möglicherweise eine Strahlentherapie vermeidbar wäre, aktuell noch nicht ausreichend definiert sind. Aktuelle Studien, wie beispielsweise die NSABP B-51/Radiation Therapie Oncology Group 1304 und die ALLIANCE A011202 Studie, überprüfen, ob den Patientinnen mit einer pCR in den Lymphknoten eine PMRT erspart werden könnte und ob eine Axilladissektion die Rezidivrate im Vergleich zur SLNB mit Radiotherapie senken würde.

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Kontakt:
PD Dr. med. Marc Thill
Chefarzt
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Agaplesion Markus Krankenhaus
Wilhelm-Epstein-Straße 4
60431 Frankfurt am Main
E-Mail: marc.thill(at)fdk.info
Internet: http://www.markus-krankenhaus.de/leistungsspektrum/fachabteilungen/klinik-fuer-gynaekologie-und-geburtshilfe/

Pressemitteilungen 2017

Brustkrebsbehandlung: Weniger ist mehr

Neueste Erkenntnisse, Studien, Entwicklungen und kontroverse Expertendebatten auf der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. (DGS) vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 in Berlin 

Berlin, 18. Mai 2017. Auch zur diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. (DGS) vom 29. Juni bis 1. Juli 2017 im CityCube Berlin werden wieder über 2500 Experten für Brusterkrankungen erwartet. Brustkrebs ist zu einer sehr gut behandelbaren und häufig auch heilbaren Erkrankung geworden, ca. 80-90 Prozent der Patientinnen gelten nach fünf Jahren als geheilt. Dies liegt überwiegend daran, dass der Fokus in Diagnostik und Therapie heute auf der Früherkennung und der zielgerichteten individualisierten Therapie liegt und nicht „Alles für Alle“ eingesetzt wird. „Aus diesem Grund haben wir erstmals das Kongressmotto ‚Brustkrebsbehandlung: Weniger ist mehr‘ gewählt, da sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, dass eine Verringerung von aggressiven Operationen, weniger Chemo- sowie Strahlentherapie zu einem gleichbleibenden und sogar besseren Gesamtüberleben geführt hat. Mit ‚Weniger ist mehr‘ konnten wir auch eine Verbesserung der Lebensqualität unserer Patientinnen erreichen“, erklären Prof. Bernd Gerber und PD Dr. Eva Maria Fallenberg, Kongresspräsidenten der 37. Jahrestagung der DGS.  

Alle Experteninnen und Experten der verschiedenen Fachdisziplinen, die die Senologie vereint – Radiologen, Chirurgen, Gynäkologen, Plastische Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten bzw. Radioonkologen, Pathologen und Psychoonkologen – diskutieren auf der 37. Jahrestagung gemeinsam über aktuelle Fragestellungen zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Brusterkrankungen. Dazu bietet der Jahreskongress der DGS mit ca. 170 wissenschaftlichen Sitzungen, Kursen und Debatten eine hervorragende Möglichkeit.  

Auf der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, den 29. Juni 2017 wird neben der Begrüßung durch den Präsidenten der DGS, Prof. Rüdiger Schulz-Wendtland sowie den beiden Kongresspräsidenten auch die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan zum Umgang von Frauen mit der Angst vor Brustkrebs referieren. In der anschließenden Keynote-Lecture geht Prof. Emiel Rutgers, Amsterdam, Niederlande der Frage nach, ob die Rolle der Chirurgie in der Brustkrebstherapie in der Zukunft an Bedeutung verlieren wird („Is the role of breast cancer surgery shrinking?“). Die Ehrenmitgliedschaft der DGS erhalten in diesem Jahr der international anerkannte Radiologe, Prof. Maximilian Reiser, München sowie der mehrfach ausgezeichnete Onkologe, Prof. Werner M. Hohenberger, Erlangen. 

Schwerpunkte des Kongresses werden die modernen Diagnostikverfahren, mit denen zunehmend frühe Stadien des Mammakarzinoms entdeckt werden können sowie die gleichzeitige Vermeidung von Übertherapie und die verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen der DGS sein.  

Das vollständige Programm der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. sowie Hinweise zur Anmeldung finden Sie unter www.senologiekongress.de

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Pressekontakt für Rückfragen:
Luise Dusatko
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
Tel.      +49 (0)30-514 88 33 33
Fax      +49 (0)30-514 88 344
E-Mail: presse(at)senologie.org

Aktuelle Pressemitteilungen zur 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie vom 26.-28. Mai 2016

10. Juni 2016 - „Behandler und Patienten werden ein immer besseres Team“ – Brustkrebsexperten tagten erfolgreich in Dresden

„Behandler und Patienten werden ein immer besseres Team“ – Brustkrebsexperten tagten erfolgreich in Dresden

Berlin, 10. Juni 2016. „Ich stehe hier stellvertretend für viele Patientinnen“, eröffnete Moderatorin Miriam Pielhau die Auftaktveranstaltung des Senologie-Kongresses 2016 vom 26. bis 28. Mai 2016 in Dresden. „Behandler und Patientinnen werden ein immer besseres Team im Sinne der Gesundheit“, stellte die 40-jährige Journalistin, die 2008 selbst erstmals an Brustkrebs erkrankte, fest.
„Wir sind Senologie“, griff Prof. Dr. med. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. und Leiter Gynäkologische Radiologie, Radiologisches Institut, Universitätsklinikum  Erlangen, das seit 2012 etablierte Leitmotiv in seiner Eröffnungsrede auf. Über 2500 Brustkrebs-Experten tauschten sich auf der 36. Jahrestagung in Dresden über aktuelle Erkenntnisse zur Brustgesundheit aus.

„Die Deutsche Gesellschaft für Senologie ist in allen Leitlinien führend. Mehr als 90 Prozent aller Patientinnen lassen sich in Brustzentren behandeln. Aber: Ärzte in Städten wie Köln, Düsseldorf, München überweisen ihre Patienten noch zu wenig in zertifizierte Brustzentren.“ Hier gebe es laut Schulz-Wendtland noch deutlichen Verbesserungsbedarf für die flächendeckende, qualitätsgesicherte Versorgung von Brustkrebspatientinnen. Als Mammutwerk bezeichnete er die zu überarbeitende S3 Leitlinie „Mammakarzinom der Frau –  Diagnostik, Therapie und Nachsorge“, die Brustkrebsexperten von der Diagnose bis zur Nachsorge als Orientierungshilfe diene. An der Fertigstellung sind die Senologen maßgeblich beteiligt.

Ein weiteres Ziel ist die Fokussierung der translationalen Forschung sowie die Weiterentwicklung der Tomosynthese. „Es muss noch schneller gehen, wissenschaftlich evaluierte Erkenntnisse in die Praxis zu bringen“, so Prof. Dr. med. Schulz-Wendtland. „Wir Senologen haben den Anspruch, Unter- und Übertherapien zu minimieren, durch die immer differenzierteren individuellen Therapieentscheidungen.“ Ein Schwerpunkt des Kongresses war die Weiterentwicklung der bildgebenden Diagnostik. Mit einem Drittel weniger Strahlung können heute bei Mammografien dank digitaler Technik und besserer Bildauflösung aussagekräftigere Bilder erzielt werden.

„Für die Patientinnen sind wir, die behandelnden Ärzte, Lotse, Therapeut und Begleiter während und nach Abschluss der Akutbehandlung. Die Patientin steht mit ihren Nöten und Sorgen im Mittelpunkt“, erklärte Prof. Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic. „Passgenau dem individuellen Risikoprofil und Patientenwunsch entsprechend müssen die Bausteine und Sequenzen der vielfältig verfügbaren lokoregionalen und systemischen Therapien gewählt werden. Nur in interdisziplinärer Verantwortung können die optimalen Entscheidungen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge für die uns anvertrauten Patienten, Frauen und Männer, getroffen werden“, so die Kongresspräsidentin Engenhart-Cabillic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen/Marburg. Daher begrüßte sie unter dem Motto des diesjährigen  Kongresses „Zusammen Brustkrebs klug behandeln“ die Teilnehmer aller beteiligten Berufsgruppen, die das Wohl der erkrankten Frauen sicherstellen: „Ohne die Assistentinnen, Study Nurses und die Gesundheitspflege in den Kliniken und Praxen wie der Selbsthilfe ist die umfassende Versorgung der uns anvertrauten Patientinnen nicht möglich.“

Hohe Überlebensrate – Erforschung von Subtypen
Durch Erkenntnisse aus klinischen Studien zur Prävention, Diagnostik und Therapie verbunden mit strukturellen und edukativen Maßnahmen verbesserte sich die Heilungsrate des Mammakarzinoms immens. So liegt für alle Brustkrebsstadien zusammen heute die 5-Jahres-Überlebensrate bei fast 90%. Allerdings: Es gibt biologisch hochaggressive Varianten, infolge derer Frauen immer noch an Brustkrebs versterben.

„Dem gegenüber stehen die Patienten mit gut zu heilendem Tumor und positiver Prognose, bei welchen es immens wichtig ist, die physischen und vor allem psychischen Nebenwirkungen der Therapie so gering wie möglich zu halten und sie nicht durch eine standardmäßig angewandte Sicherheitsmarge an technischem Aufwand zu stigmatisieren und zu verunsichern“, gab Prof. Engenhart-Cabillic zu bedenken. Es gilt also, innovative und individuelle, auf das Patientenrisiko abgestimmte Therapien zu entwickeln. Es sollte angestrebt werden, diejenigen Patientinnen und Patienten zu identifizieren, bei denen weniger an Therapie indiziert ist und wo bei wenig aggressiven Tumorvarianten mit guter Prognose durch Deeskalation der adjuvanten medikamentösen und radioonkologischen Therapien unnötige Belastungen vermieden werden können, ohne die Heilung zu kompromittieren. Für die aggressive Tumorvariante sind neue Therapieansätze und intelligente translationale Forschungsprojekte notwendig, die das Verständnis für die tumorbiologische Effektivität einer Therapie und für Resistenzmechanismen erweitern.

„In interdisziplinärer Zusammenarbeit müssen wir anhand dessen, was heutzutage nützlich und sinnvoll in der Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms ist, gemeinsam ein individuelles Behandlungskonzept entwickeln und die optimale Entscheidung für die uns anvertraute Patientin treffen. Hier zeigt sich der Anspruch flächendeckender Behandlungsstrukturen und der tanslationalen Forschung“, betonte Prof. Engenhart-Cabillic.

Ausgezeichnet: Amerikanischer Brustkrebsforscher Craig Jordan
Prof. Craig Jordan erhielt die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Der renommierte Brustkrebsforscher und Onkologe vom MD Anderson Institut, Houston, gilt als Erfinder des Tamoxifens. Er ist der Deutschen Gesellschaft für Senologie eng verbunden und wurde von Laudator Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, ausgezeichnet. Gewürdigt wurden Craigs Meilensteine in der Erforschung der modernen Brustkrebstherapie durch die Inaugurierung von Tamoxifen und damit die gesamte adjuvante antiöstrogene Therapie.

Öffentliche Aufklärung zur Brustkrebsfrüherkennung
Vom Aktionstag für Patientinnen „Ich bin dabei“ zur Brustkrebsfrüherkennung am Vortag des Kongresses berichtete Kongresspräsident Dr. med. Mario Marx, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie, Elblandklinikum Radebeul: „Wir Senologen haben in der Öffentlichkeit ungeschminkt informiert und den Dialog gesucht.“ Die Informiertheit der Patientinnen ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungskonzeptes.

Preisverleihungen für exzellente Nachwuchsforscher
Nachwuchsforscher erhielten von Prof. Dr. med. Michael Lux, wissenschaftlicher Leiter der  Deutschen Akademie für Senologie, die mit 3000 Euro dotierten Wissenschaftspreise. Dr. Carolin Hack, Erlangen, wurde für ihre Arbeit „Interest in integrative Medicine Among Postmenopausal hormone receptor-positive breast cancer patients receiving letrozole treatment in the Evaluate-TM study.“ und Prof. Jörg Heil für „Can a pathological complete response of breast Cancer after neoadjuvant chemotherapy be diagnosed by minimal invasive biopsy? A proof of concept from a prospective cohort study.“ ausgezeichnet. Erstmals wurde von der DGS der Dissertationspreis an Dr. Stefanie Corradini, München, verliehen. Darüber hinaus wurden sieben Posterpreise und 34 Absolventinnen und Absolventen des Fortbildungsprogramms der Deutschen Akademie für Senologie beglückwünscht.

Neue Therapie- und Behandlungswege
In jedem Segment der Senologie hat sich viel getan. Auf der Jahrestagung wurde das gesamte Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten präsentiert. Auf eine Chemotherapie ist momentan noch nicht zu verzichten, sie wird jetzt nur sehr viel zielgerichteter eingesetzt. Zuvor untersuchen Pathologen genau, ob der Tumor auch darauf anspricht. Die Nebenwirkungen werden von Anfang an adäquat mit behandelt. Mehr als 70 Prozent der Frauen werden brusterhaltend operiert, in Verbindung mit einer Strahlentherapie. Dank neuer technische Möglichkeiten werden heute Tumoren unter Ultraschallsicht operiert. Das erhöht die Sicherheit, nur so viel Gewebe wie nötig zu entnehmen.

Kontrovers diskutiert wurde beispielsweise die Frage, ob Frauen im Deutschen Mammographiescreeningprogramm ihre Brustdichte mitgeteilt werden sollte oder nicht. Nach einer Pro-/Contra-Diskussion einigten sich die Teilnehmer, dass das bisherige Screeningprogramm für spezielle Patientinnengruppen weiterentwickelt werden solle.  Insbesondere sollten künftig Patientinnen mit einer besonders hohen Dichteklasse (ACR4) ihre Brustdichte erfahren und gezielte Empfehlungen zu weiteren möglichen Diagnose- und Therapieverfahren erhalten.
Hier lautete das Credo: „Weg von der One-fits-all-Therapie“.

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Pressemitteilung als Download (PDF)

Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Anja Frohloff und Gabriele Nioduschewski – Pressestelle
Hausvogteiplatz 12, 10117 Berlin
Tel: +49 (0) 30 514 88 33 33
Mobil: +49 (0) 152 34 37 32 96
E-Mail: presse(at)senologie.org

Kongress-Highlights der Kongresspräsidenten und „30 Jahre Brustrekonstruktion“

Dr. med. Mario Marx, Kongresspräsident, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie, Elblandklinikum Radebeul, Leiter des Standortes Radebeul als Kooperationspartner des Regionalen Brustzentrums Dresden Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabilic, Kongresspräsidentin, Schriftführerin der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen/Marburg 

Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko: Welche Früherkennung raten wir?
Professor Dr. med. Markus Peter Müller-Schimpfle, Mitglied des Kongresskomitees, Leiter des Brustzentrums, Schwerpunkt Diagnostik, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Schwerpunkt Radiologie am Klinikum Frankfurt Höchst 

Niedrigste Lokalrezidivrate dank gelebter Interdisziplinarität
Professor Dr. med. Sara Yvonne Brucker, Schriftleiterin der Zeitschrift Senologie, Ärztliche Direktorin Forschungsinstitut für Frauengesundheit und Stellv. Geschäftsführende Ärztliche Direktorin Department für Frauengesundheit, Universität Tübingen 

Notwendigkeit einer strukturierten und sektorenübergreifenden Zusammenarbeit mit Fokus auf der Informiertheit und dem Nutzen der Ratsuchenden und Patientinnen
Prof. Dr. med. Rita K. Schmutzler, Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs und Koordinatorin des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Uniklinik Köln 

Digitale Mammographie und digitaler Ultraschall – Fusion und Hybrid in der radiologischen Diagnostik Professor Dr. med. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Gynäkologische Radiologie des Radiologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen 

Die Zukunft der Therapie des metastasierten Mammakarzinoms (PRAEGNANT-Studie)
Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Departments für Frauengesundheit 

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Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Anja Frohloff
Gabriele Nioduschewski
Pressestelle
Hausvogteiplatz 12, 10117 Berlin
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Pressebüro im Internationalen Congress Center Dresden: Raum 3.40 

Kongress-Highlights 2016
Prof. Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Kongresspräsidentin
Dr. Mario Marx, Kongresspräsident 

Senologie im Leitlinien-Dschungel
Leitlinien geben eine wissenschaftliche Orientierung für Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Brustkrebspatientinnen. Bringt die aktuelle Entwicklung aber auch mehr Licht in den Dschungel der systematisch entwickelten, wissenschaftlich begründeten und praxisorientierte Entscheidungshilfen? 

Brachy – Therapie
Die Brachytherapie ist eine Strahlenbehandlung, bei der durch kurzfristiges Einbringen von radioaktiven Strahlen in die Tumorregion der Krebs zerstört wird. Welche Patientinnen können wann von einer Teilbrustbestrahlung mit Multikatheter-Brachytherapie profitieren? 

Sexualität und Mammakarzinom
Sex beginnt bekanntlich im Kopf. Doch wie geht es weiter mit der Sexualität nach einer Brustkrebserkrankung und woher soll der Partner wissen, warum Lust auf Sex in der Partnerschaft plötzlich nachlässt? Braucht Mann eine Therapie? 

Bericht einer Patientin
Ich bin nicht in Stimmung, morgen ganz bestimmt – wie der Brustkrebs mein Sexualleben beeinflusst hat. 

Der Griff nach den Genen oder die Onkologie der Pathways
Wenn bei unterschiedlichen Tumorkrankheiten ähnliche Signalwege gestört sind und vielleicht sogar die gleichen Gene verändert sind, ist es dann möglich, dass die onkologische Forschung und vielleicht auch die Therapie praktisch unabhängig von der Tumorentität auf bestimmte gestörte Signalwege auszurichten. Wäre die Brust als Organ irrelevant, würden sich die Krebsforscher /-experten nicht mehr so sehr an der Tumorhistologie orientieren. 

DCIS immer behandeln?
Bei einem duktalen Carcinoma-in-situ der Brust sollte in Absprache mit der Patientin das Nutzen-Risiko abgewogen werden, denn die adjuvante Strahlentherapie kann lediglich das Rezidivrisiko, nicht aber die Überlebensrate verbessern. 

Zu diesen und weiteren Senologie-Themen finden Sie Experten und deren wissenschaftliche Sitzungen im tagesaktuellen Kongressprogramm online hier:
http://www.professionalabstracts.com/seno2016/iplanner/

30 Jahre Brustrekonstruktion – erreichte Meilensteine

Dr. med. Mario Marx, Kongresspräsident 2016, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie, Elblandklinikum Radebeul, Leiter des Standortes Radebeul als Kooperationspartner des Regionalen Brustzentrums Dresden 

30 Jahre Brustrekonstruktion sind für die PatientInnen sowie das interdisziplinäre behandelnde Team von Ärzten, Therapeuten, Gesundheitspflegerinnen und - pflegern eine der großen Erfolgsgeschichten der Senologie. Es wurden bedeutende Meilensteine in Diagnostik und Therapie erreicht, wodurch die Lebensqualität der von BrustkrebspatientInnen wesentlich verbessert und deren Lebensprognose um ein Vielfaches gesteigert wurde.  Während noch 1986 in vielen Kliniken durch das Bemühen Einzelner und in kleineren interdisziplinären Teams nach optimalen operativen Behandlungskonzepten gesucht wurde, erhalten heute mehr als 90 Prozent aller an Brustkrebs Erkrankten in Deutschland eine strukturierte qualitätsgesicherte Betreuung. In den seit mehr als 13 Jahren bestehenden „zertifizierten Brustzentren“ ist eine hohe Expertise entstanden, die derzeit in der Überarbeitung der „S-3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinomes“ kontinuierlich weiter fortgeschrieben wird. 

Mit der deutschen Wiedervereinigung wurden die verschiedenen Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten aller beteiligten Fachgebiete fusioniert. Die hohen Raten an Brustamputationen in den 80er-Jahren wurden durch brusterhaltende operative Konzepte mit Bestrahlung signifikant reduziert. Dank der interdisziplinären Planung von Tumoroperationen von Radiologen, Pathologen und Operateuren im Kontext einer Systemerkrankung wird die aufgeklärte PatientInnen individuell therapiert. 

Als Referenz zur qualitätsgesicherten Vorgehensweise sei hier die „Tübinger Klassifikation der operativen Behandlung des Mammakarzinoms“ von Prof. Wallwiener et al. angeführt. Diese unterstützt maßgeblich die bundesweit einheitlichen klinischen Verfahren. Damit können die behandelnden Teams gemeinsam mit PatientInnen auf Basis wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse optimale individuelle Behandlungskonzepte entwickeln. 

Der Einzug der bildgebenden Diagnostik in den Operationssälen verschafft den Operateuren mit dem hochauflösenden Ultraschall in vielen Brustzentren eine Detailansicht des Tumorbettes. Es ist inzwischen gelungen, die Ergebnisse der bildgebenden Diagnostik vor der Operation mit der gesicherten Tumorqualität in das operative Konzept einfließen zu lassen. Somit sind mehr als 80 Prozent der Mammatumore erkennbar und auch die gesunde Anatomie wird sichtbar. Dies führt zu sehr niedrigen Lokalrezidivraten. 

Aktuell gehört die vollständige Entfernung der Brustdrüse bei verschiedenen Erkrankungen bei komplettem Erhalt der Brusthaut zu den faszinierenden Möglichkeiten der operativen Therapie. Die verschiedenen Verfahrensweisen der Brustrekonstruktion sowohl mit Implantat, Netzen als auch mit Eigengewebe vom Unterbauch, dem Gesäß oder dem Oberschenkel gehören aktuell zum Standard der fortschrittlichen Therapieangebote. 

Die Zweitmeinungsberatung gibt PatientInnen die Chance, den optimalen individuellen Weg der operativen Behandlung zu wählen. Mit der Möglichkeit, abgesaugtes Fettgewebe beispielsweise vom Oberschenkel oder der Bauchwand durch Wiedereinbringung an der Brust zu verwenden, ergeben sich neue operative Ansätze. Zur Eigenfetttransplantation liegen noch keine gesicherten Daten über Langzeiteffekte vor. Weiterhin sollte auf breiter wissenschaftlicher Basis untersucht werden, ob das injizierte Fett womöglich Krebszellen beeinflusst, die trotz Amputation und Nachbehandlung im Bereich der Brustwand verblieben sind. 

Auch das Lymphödem der Arme nach Operation mit oder ohne Bestrahlung kann heute durch Eigengewebsrekonstruktionen und/oder Lymphknotentransplantation erfolgreich therapiert werden. Der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Ergebnisse von Fetttransfers ist auch hier zu berücksichtigen. 

Die 36. Jahrestagung der DGS in Dresden liefert einen Überblick über die sich verfeinernden Operationstechniken und verbessernden Möglichkeiten zum Vorteil der PatientInnen. 

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Kontakt:
Dr. med. Mario Marx
ELBLANDKLINIKUM Radebeul
Heinrich-Zille-Straße 13
01445 Radebeul
Tel.: +49 (0) 351 833 3352
E-Mail: Mario.Marx(at)elblandkliniken.de
Internet: www.elblandkliniken.de 

Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko: Welche Früherkennung raten wir?

Prof. Dr. med. Markus Peter Müller-Schimpfle, Mitglied des Kongresskomitees, Leiter des Brustzentrums, Schwerpunkt Diagnostik, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Schwerpunkt Radiologie am Klinikum Frankfurt Höchst 

Vielfach sind es die jungen und prominenten Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und im Mittelpunkt der Medienberichte stehen. Tatsächlich sind es nicht die jungen Frauen, die häufiger an Brustkrebs erkranken, vielmehr liegt das durchschnittliche Alter bei 64 Jahren. Für das Entstehen von Brustkrebs können viele Risikofaktoren in Frage kommen. Ob eine Frau, auf die bestimmte Faktoren zutreffen, überhaupt im Laufe Ihres Lebens erkrankt, darüber können keine zuverlässigen Voraussagen getroffen werden. Frauen, denen ihre Risikofaktoren bekannt sind, können immerhin besser einschätzen, wie wichtig Früherkennungsuntersuchungen für sie persönlich sind. 

Familiäre Belastung und Brustkrebs
So können erbliche Faktoren vorliegen, wenn in der Familie mehrere nahe Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind. Eine erbliche familiäre Belastung bei Brustkrebs ist relativ selten. Sie besteht nicht bereits, wenn eine Verwandte im hohen Alter an Brustkrebs erkrankt ist. Bei circa 10 von 100 an Brustkrebs erkrankten Frauen liegen aktuell bekannte genetische Veränderungen im Erbgut vor. Am besten untersucht sind bei diesen genetischen Veränderungen die Gene mit der Bezeichnung BRCA1 (Breast Cancer Gene / Brustkrebsgen) und BRCA2. Diese Veränderung wird mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an die Nachkommen weitergegeben. Das heißt: Von zwei Frauen mit dieser genetischen Veränderung, die jeweils ein Kind bekommen, vererbt nur eine Frau diese genetische Veränderung für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko an ihr Kind. Frauen mit familiärer Vorbelastung werden gezielt beraten und häufiger mit Mammographie, Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht als Frauen ohne familiäre Vorbelastung. Die MRT stellt bei diesen Frauen die Methode der ersten Wahl dar. Im Fall eines konkreten Verdachts auf Brustkrebs kann jedoch die Mammographie weiterhin als essentielles diagnostisches Verfahren bezeichnet werden, ergänzt durch den Ultraschall. 

Früherkennung – abhängig von Alter und Risiko
Im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogrammes wird die ärztliche Tastuntersuchung angeboten. Zwar hat die alleinige Tastuntersuchung keinen Einfluss auf die Sterblichkeit an Brustkrebs; sie kann aber dazu beitragen, das Körperbewusstsein und das eigene Gefühl für die Brust zu verbessern. Die Brust-Ultraschalluntersuchung gilt nicht als Routine-Früherkennungsmethode. Sie wird bei jungen Frauen mit Symptomen, ab 40 Jahren mit einem dichten Brustgewebe, und in jedem Alter bei unklaren Mammographie-Ergebnissen eingesetzt. Der Nutzen ist im Sinne einer evidenzbasierten Medizin auf der Grundlage einer nachgewiesenen Wirksamkeit nicht belegt, da es keine entsprechenden Studien gibt. Der Nutzen einer Untersuchung im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen von Brustkrebs gilt dann als belegt, wenn die Anzahl der Frauen, die an Brustkrebs versterben, durch die jeweilige Untersuchung gesenkt werden kann. Auch MRT eignet sich zum bevölkerungsbezogenen Screening von Brustkrebs nicht. 

Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren erhalten eine schriftliche Einladung für eine qualitätsgesicherte Mammographie innerhalb einer Mammographie-Reihenuntersuchung, ohne dass bei diesen Frauen ein Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung besteht. Die Teilnahme am Mammographie-Screening-Programm ist freiwillig. Der Nutzen ist im Sinne der evidenzbasierten Medizin auf der Grundlage nachgewiesener Wirksamkeit belegt. Eine sogenannte kurative Mammographie hingegen ist nur bei einem Verdacht auf eine Brusterkrankung gerechtfertigt. 

Grundsätzlich wird bei jüngerem Alter eher der Ultraschall, bei höherem Risiko eher die MRT und bei fortschreitendem Alter eher die Mammographie und hier vor allem die 3D-Mammographie (= Tomosynthese) zu nennen sein. 

Besondere Beratung für Frauen mit intermediärem Brustkrebsrisiko
Während es für die Gesamtheit aller Frauen sowie für die Hochrisikogruppe leitlinienbasierte Früherkennungsempfehlungen gibt, fehlen diese für Frauen mit intermediärem Brustkrebsrisiko. Bei ihnen kommt eine operative Prophylaxe nicht in Frage, so dass der diagnostische Schwerpunkt mittels bildgebender Verfahren (Ultraschall, Mammographie, MRT) erfolgt. Dadurch werden bei Frauen mit intermediärem Risiko vermehrt falsch-positive – aber auch falsch-negative Befunde erhoben. 

Daher ist für Frauen mit einer eindeutigen familiären Risikokonstellation, aber ohne BRCA1/2 – Nachweis, die Beratung zur bestmöglichen Wahl und Kombination aller zur Verfügung stehenden Modalitäten besonders wichtig. 

Welche bildgebenden Methoden zur Brustkrebs-Früherkennung nach sorgfältigem Abwägen und in Absprache mit der Patientin empfohlen werden, versucht die untenstehende Matrix aufzuzeigen. 

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Markus Peter Müller-Schimpfle
Klinik für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin Klinikum Frankfurt Höchst GmbH
Gotenstraße 6
65929 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0) 69 31062818
E-Mail: MMS(at)KlinikumFrankfurt.de
Internet: www.klinikumfrankfurt.de/kliniken-und-institute/klinik-fuer-radiologieneuroradiologie- und-nuklearmedizin 

Niedrigste Lokalrezidivrate dank gelebter Interdisziplinarität

Professor Dr. med. Sara Yvonne Brucker, Schriftleiterin der Zeitschrift Senologie, Ärztliche Direktorin Forschungsinstitut für Frauengesundheit und Stellv. Geschäftsführende Ärztliche Direktorin Department für Frauengesundheit, Universität Tübingen 

Wenn bei Patientinnen eine Brustkrebserkrankung nach zunächst erfolgreicher Behandlung wieder auftritt, aber nach wie vor auf die Brust und das angrenzende Gewebe beschränkt ist, sprechen die Experten von einem Lokalrezidiv. 

Bei etwa fünf bis zehn von hundert Patientinnen kommt es innerhalb von zehn Jahren nach der Erstbehandlung zu erneutem Tumorwachstum im verbliebenen Brustgewebe. Wurde die Brust entfernt, kann ein Rückfall an der Brustkorbwand auftreten. Betroffen sind etwa vier von hundert Patientinnen. Auch dann sprechen die Fachleute noch von einem Lokalrezidiv. 

Anzeichen für ein Lokalrezidiv können knotige Veränderungen oder Rötungen der Haut der operierten Brustseite sein. Kleinere Veränderungen, die nicht mit bloßem Auge sichtbar sind, werden in der Nachsorge z. B. durch Sonographie und Mammographie sichtbar. Bei unklaren Befunden kann die Kernspintomographie hilfreich sein. Bei einem Lokalrezidiv nach brusterhaltender Operation muss man mit den behandelnden Ärzten klären, ob erneut brusterhaltend operiert werden kann oder nicht. Ob neben der Operation eine antihormonelle Therapie, eine Chemotherapie oder eine zielgerichtete Therapie notwendig ist, hängt von den individuellen Befunden und der konkreten Risikoabschätzung durch die behandelnden Ärzte ab. Außerdem muss überprüft werden, ob eine Bestrahlungsindikation besteht. 

Das Kooperieren der Fachdisziplinen (Gynäkologen, gynäkologische Onkologen, Radiologen, Radioonkologen, Pathologen, Humangenetiker, Psychoonkologen) in den Brustzentren hat (lebensentscheidende!) Vorteile für die Patientin: Von einer schnellen Entscheidungsfindung über die bestmögliche Therapie bis hin zu Kooperationen mit Selbsthilfegruppen. Ein Hinweis, dass diese Zusammenarbeit sehr gut gelingt, ist eine sehr niedrige Lokalrezidivrate. Denn nur, wenn vor der Operation von den Radiologen und den Gynäkologen der Tumor in seiner Ausdehnung exakt lokalisiert wird und dann während der Operation z.b. mit dem Ultraschall genau die Grenzen angeschaut werden, der Pathologe das entnommene Gewebe genau untersucht und dann am Ende in der postoperativen Senologie-Konferenz die Patientin mit allen genau besprochen wird, kann eine Lokalrezidivrate von unter fünf Prozent erreicht werden. Am Brustzentrum des Universitätsklinikums Tübingen, wo pro Jahr über 1000 Brustkrebspatientinnen – häufig mit aggressiven Tumoren – operiert werden liegt diese, die gesamten vergangenen zehn Jahre betrachtet, bei 4,5 Prozent. Im Durchschnitt konnten 76 Prozent der Patientinnen mit pT1 Tumoren brusterhaltend operiert werden. Hinzu kam eine sehr niedrige Nachresektionsrate: Sie lag bei Patientinnen, die brusterhaltend operiert wurden, bei nur neun Prozent. Während der jährlich stattfindenden Audits in den zertifizierten Brustzentren wird genau nach diesen, für die Patientin so wichtigen, Parametern geschaut und durch die Qualitätsüberprüfung ein stetiger Optimierungsprozess auf den Weg gebracht. 

Neben der gelebten Interdisziplinarität sieht Professorin Sara Yvonne Brucker vom Südwestdeutschen Tumorzentrum auch die regelmäßige, leitliniengerechte Nachsorge als wesentlich: Je früher ein Lokalrezidiv entdeckt wird. desto wahrscheinlicher ist eine komplette operative Entfernung möglich. 

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Kontakt:
Professor Dr. med. Sara Yvonne Brucker
Forschungsinstitut für Frauengesundheit Universitäts-Frauenklinik
Calwerstr.7, 72076 Tübingen
Tel.: +49 (0) 7071 2980791
E-Mail: sara.brucker(at)med.uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-frauenklinik-tuebingen.de 

Notwendigkeit einer strukturierten und sektorenübergreifenden Zusammenarbeit mit Fokus auf der Informiertheit und dem Nutzen der Ratsuchenden und Patientinnen

Prof. Dr. med. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Leiter der Gynäkologischen Radiologie des Radiologischen Institutes des Universitätsklinikums Erlangen 

Die Mammographie ist die zentrale Bildgebungsmethode zur Detektion des Mammakarzinoms. Sowohl technische Verbesserungen als auch populationsbasierte und randomisierte Studien konnten dazu beitragen, dass in vielen Ländern die Mammographie als Screeninguntersuchung für das Mammakarzinom angeboten wird und sie die Grundlage der klinischen Diagnostik der Brustdrüse ist. 

In der modernen Datenverarbeitung werden die Bilder der digitalen Mammographie mit Methoden der digitalen Bildverarbeitung und -analyse aufbereitet, modifiziert und automatisch wichtige Informationen ausgewertet. Diese Methoden bilden eine wichtige Grundlage der Weiterentwicklung der digitalen Mammografie und werden auch die Entwicklung von Neuheiten der nächsten Jahre bestimmen. 

Die Herausforderung besteht darin, die bildgebenden Verfahren zu fusionieren bzw. hybridisieren, und vor allen Dingen eine Verwaltung der Daten zu erreichen. Dies ist eine Aufgabe für die Zukunft der bildgebenden Mammadiagnostik und für die daraus resultierende Therapieentscheidung. 

Die wichtigste Entwicklung im Bereich der röntgenbasierten Mammabildgebung ist in den nächsten Jahren die strukturierte Integration einer dreidimensionalen Information in die Interpretation der Mammographie. Dies kann durch den Einsatz der Tomosynthese, aber auch durch die Fusion anderer dreidimensionaler Daten mit der Mammografie und/oder der Tomosynthese erfolgen. Die Fusion verschiedener bildgebender Verfahren könnte im klinischen Ablauf und ggf. in Screeningprogrammen dazu beitragen, diese Untersuchungen zeiteffizient durchzuführen. 

Getestet: Fusion 3D-Ultraschall und Mammografie
Die alleinige Mammographie der Brust im Screening weist eine Sensitivität von ca. 60-80% auf. Bei speziellen Patientinnengruppen, wie beispielsweise Frauen mit einer hohen mammografischen Dichte, hat die alleinige Mammographie als Screeningmaßnahme nur eine Sensitivität von 38 bis 48 Prozent. Für solche Frauen wird momentan die Hinzunahme der Ultraschalluntersuchung zur Mammographie diskutiert. Im klinischen Alltag ist die komplementäre Mammadiagnostik für alle Patientinnen längst Standard in der Routinediagnostik.

In einer Untersuchung mit einem Fusionsprototypen zur Mammographieaufnahme und dreidimensionalem Ultraschall im Vergleich mit einem Mammographiegerät und einem Standard-Ultraschallkopf konnten keine Qualitätsunterschiede festgestellt werden. Dabei wurde ein neues Verfahren mit einem automatisierten Standard-3D-Ultraschallgerät gekoppelt mit einem Standard-Mammographie-System an 20 Brustkrebspatienten getestet. 

Dieser neue Ansatz ermöglicht eine gleichzeitige Aufnahme eines Röntgen- und Ultraschallbildes. Die Datenanalyse zeigt keinen Qualitätsunterschied der Aufnahmen im Vergleich zur konventionellen Mammografie. In der Studie wurden 20 Patientinnen mit invasivem Brustkrebs berücksichtigt. 

Die Fusion eines automatisierten 3D-Ultraschallgerätes mit einem Mammographiegerät liefert Mammographieaufnahmen von vergleichbarer diagnostischer Qualität. Darüber hinaus ermöglicht das Gerät die 2. Bildmodalität der komplementären Mammadiagnostik, den Ultraschall, ohne signifikanten Zeit- und zusätzlichen Untersucheraufwand. Diese Neuerung könnte die Sensitivität und Spezifität des etablierten gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Deutschland signifikant verbessern. 

Diagnose DCIS – Bedeutung für Patientinnen
Krebsvorstufen (Duktales Carcinoma in situ, DCIS) aus denen sich ein invasiver Brustkrebs entwickeln könnte, werden infolge von Screening-Programmen häufiger diagnostiziert als früher. Es gilt Über- und Untertherapien zu vermeiden. Einerseits sollten Frauen nicht unnötig operiert und bestrahlt werden, indem differenziert festgestellt wird, dass sie Zeit ihres Lebens keinen invasiven Brustkrebs bekommen würden. Andererseits können sich infolge von Fehldiagnosen und Untertherapien, bei DCIS-Patientinnen trotz OP und Strahlentherapie später Brusttumoren entwickeln. Hochgradig gefährliche Veränderungen, beispielsweise alle bei Frauen unter 40 Jahren und sehr große festgestellte DCIS, sind immer aggressiv zu therapieren. 

In der Diagnostik des DCIS sollten einzelne Risikograde noch genauer unterschieden werden, um Frauen individualisierter behandeln zu können. Es gibt gut begründete Hypothesen, dass mammographiebasierte Screeningprogramme von einer individualisierten Vorgehensweise profitieren könnten. Die zu prüfenden Verfahren würden einerseits individuell zusätzliche Bildgebungsverfahren nutzen und andererseits auch molekulare Informationen über die Patientin und das Brustdrüsengewebe berücksichtigen. 

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Kontakt:
Prof. Dr. med. R. Schulz-Wendtland
Radiologisches Institut/Gynäkologische Radiologie
Universitätsklinikum Erlangen
Universitätsstr. 21-23, 91054 Erlangen
Tel.: +49 (0) 9131 853 3460
E-Mail: ruediger.schulz-wendtland(at)uk-erlangen.de
Internet: www.radiologie.uk-erlangen.de 

Update: PRAEGNANT Studie – Prospektives akademisches translationales Forschungsnetzwerk zur Optimierung der onkologischen Versorgungsqualität in der adjuvanten und fortgeschrittenen/metastasierten Situation

Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Departments für Frauengesundheit 

In den letzten Jahrzehnten sind kontinuierliche Fortschritte in der Erforschung und Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms erzielt worden. Angesichts des extremen Wissenszuwachses ist das gemeinsame Ziel, eine möglichst passgenaue, personalisierte, effektive und nebenwirkungsarme Brustkrebs-Therapie. 

Heute wissen wir, dass das Mammakarzinom als Überbegriff für eine Vielzahl molekular definierter Tumortypen zu verstehen ist. Zudem unterliegt die Erkrankung im Rahmen des Metastasierungsprozesses einem ständigen biologischen Wandel. Bedingt durch eine Vielzahl von Prozessen sind daher wiederholte Biopsien und Re-Analysen der molekularen Eigenschaften des Tumorgewebes sinnvoll. Dafür sollten regelmäßig Biomarker auf jeder Ebene der Systembiologie bestimmt werden (Genetik, Epigenetik, Genexpression, micro- RNA, Proteomics, etc.), was im klinischen Alltag allerdings nicht routinemäßig erfolgt. Die Leitlinien empfehlen zwar die gezielte Untersuchung von Metastasengewebe, tatsächlich findet diese aber nur bei einer Minderheit der Patientinnen statt. 

Moderne Untersuchungsmethoden lassen u. a. anhand von Blutproben Rückschlüsse auf Eigenschaften des Tumors zu. Beispielsweise können aus Expressionsanalysen, Mutationsanalysen des Tumors, Abberationen von Genkopien im Tumor usw. Aussagen über Art und Entwicklungsstadium des Mammakarzinoms abgeleitet werden. Aufgrund der Notwendigkeit einer stetigen Verbesserung der Versorgungsqualität, der Heterogenität der genannten Analyseergebnisse und der logistischen Herausforderungen kann der klinische Nutzen jedoch nur im Forschungsverbund einer Vielzahl von behandelnden Ärzten und Zentren realisiert werden. 

Im Rahmen der PRAEGNANT-Studie sollen in 80 Zentren insgesamt 3500 Patientinnen mit der Diagnose eines metastasierten Mammakarzinoms unabhängig von Tumorbiologie, Metastasierungsmuster und der aktuellen bzw. bisher erfolgten Therapie eingeschlossen werden. Ziel ist der Aufbau eines Forschungsnetzwerks, in dem Kliniken/Brustzentren und niedergelassene Ärzte (Gynäkologen und Onkologen) eng zusammenarbeiten und durch welches eine strukturierte Erfassung und Analyse von krankheitsspezifischen und -relevanten Daten zu Tumorbiologie, prädiktiven und prognostischen Biomarkern, Therapie bzw. Therapieverträglichkeit, Outcome, Pharmakoökonomie und Versorgungsqualität möglich ist. 

Aktuell sind bereits mehr als 1300 Patientinnen in 44 Zentren eingeschlossen. Im Rahmen der translationalen Ziele des PRAEGNANT Forschungsnetzwerks wird allen Teilnehmern eine Whole Genome Sequenzierung angeboten. Unter anderem konnten wir bereits so Patientinnengruppen identifizieren, die von modernsten Medikamenten im Rahmen klinischer Studien profitieren und diesen somit Zugang zu einer passgenauen, personalisierten Therapie ermöglichen.

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Kontakt:
Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener
Department für Frauengesundheit Universitäts-Frauenklinik Tübingen
Calwerstr. 7, 72076 Tübingen
Tel.: +49 (0) 7071/2982246
E-Mail: diethelm.wallwiener(at)med.uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-frauenklinik-tuebingen.de 

Daten und Fakten zur 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS)

Eröffnungsveranstaltung: Donnerstag, 26.05.2016 - 12:00-13:30 Uhr im Saal 3

Moderation: Miriam Pielhau, Berlin 

Bundesratspräsident und Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislav Tillich, spricht ein Grußwort auf der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, den 26. Mai 2016. Auf die Entwicklung und den heutigen Stellenwert der seit 30 Jahren möglichen Brustrekonstruktion geht Prof. Dr. Feller, München, in der Keynote-Lecture ein. Prof. Craig Jordan, Houston, einer der weltweit bekanntesten Brustkrebsexperten, Entdecker der präventiven Wirkung des Brustkrebsmedikamentes Tamoxifen und der Prinzipien der Antihormone in der adjuvanten Therapie, wird die Ehrenmitgliedschaft verliehen. 

Preisverleihungen:

  • DGS Wissenschaftspreise 2016
  • Klaus-Dieter Schulz Versorgungsforschungspreis
  • Verleihung der Posterpreise 2016
  • Neu: Dissertationspreise der DGS

Oxford-Debatten mit TED-Abstimmung

  •  Ist die alleinige Immunhistochemie in der Routine noch ausreichend?
  • Muss die Mammographische Brustdichte den Frauen im Screening mitgeteilt werden?
  • Intraoperativer Boost für alle?
  • Findet durch eine neoadjuvante Behandlung eine Übertherapie statt?
  • DCIS immer behandeln?
  • Lymphabfluss: Mehr bestrahlen – weniger operieren?
  • Metastasiertes Mammakarzinom: Lokale Therapie der Brust zielführend?
  • Ist die Versorgung der Frau mit hohem Risiko im Konsortium noch zeitgemäß?
  • Medizinische Onkologen versus Organonkologen: Kommunikation oder Konfrontation?

Kongress-App:
Die Kongress-App des Senologiekongresses 2016 ist für alle mobilen Endgeräte – sowohl mit iOS als auch Android-System – verfügbar und kann kostenfrei aus den entsprechenden App-Stores heruntergeladen werden. Die App enthält neben den traditionellen Inhalten (Programm, Hallenpläne, Referenten) auch die interaktive TED-Funktion für Experten zur Abstimmung beispielsweise in den Diskussionsforen und Oxford-Debatten, um das Publikum mit einzubeziehen. Bitte beachten Sie, dass die TED-Abstimmungen nur über die App möglich sind. 

Teilnehmer/innen: 2500
Wissenschaftliche Sitzungen: 180 

In Sitzungen:
Vorsitzende in Sitzungen: 369
Sprecher in Sitzungen: 700
Präsentationen in Sitzungen: 617
Abstracts in Sitzungen: 158

Tagungszeiten:
26.05.2016 - 07:30-19:30 Uhr - 83 Sitzungen
27.05.2016 - 07:30-18:30 Uhr - 78 Sitzungen
28.05.2016 - 09:00-12:30 Uhr - 26 Sitzungen 

Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Anja Frohloff und Gabriele Nioduschewski – Pressestelle
Hausvogteiplatz 12, 10117 Berlin
Tel: +49 (0) 30 514 88 33 33
Mobil: +49 (0) 152 34 37 32 96
E-Mail: presse(at)senologie.org
Pressebüro im Internationalen Congress Center Dresden Raum 3.40

Pressemitteilungen 2016

Brustkrebs gemeinsam klug diagnostizieren und behandeln – Kontroverse Experten-Debatten auf der 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) vom 26. bis 28. Mai 2016 in Dresden

Kontroverse Experten-Debatten auf der 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) vom 26. bis 28. Mai 2016 in Dresden

Berlin, 19. Mai 2016. Über 2500 Experten für Brustgesundheit kommen zur diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) vom 26. bis 28. Mai 2016 im Internationalen Congress Center Dresden zusammen. „Das Kongressmotto „Zusammen Brustkrebs klug behandeln“ steht für unseren Anspruch, optimale Entscheidungen in der Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen interdisziplinär zu treffen“, erklären Prof. Rita Engenhart-Cabillic und Dr. Mario Marx, Kongresspräsidenten der 36. Jahrestagung der DGS. Alle Experten, Radiologen, Chirurgen, Gynäkologen, Plastischen Chirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten bzw. Radioonkologen, Pathologen und Psychoonkologen, diskutieren aktuelle Fragestellungen zur Diagnostik und Behandlung, insbesondere optimale mögliche lokoregionale und systemische Therapieansätze. Dazu bietet die Jahrestagung in mehr als 180 wissenschaftlichen Sitzungen, Kursen und Debatten zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Brusterkrankungen eine hervorragende Möglichkeit.
Bundesratspräsident und Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislav Tillich, spricht ein Grußwort auf der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstag, den 26. Mai 2016. Auf die Entwicklung und den heutigen Stellenwert der seit 30 Jahren möglichen Brustrekonstruktion geht Prof. Dr. Feller, München, in der Keynote-Lecture ein. Prof. Craig Jordan, Houston, einer der weltweit bekanntesten Brustkrebsexperten, Entdecker der präventiven Wirkung des Brustkrebsmedikamentes Tamoxifen und der Prinzipien der Antihormone in der adjuvanten Therapie, wird die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Erfolgsbilanz zertifizierter Brustzentren
Jährlich wird bei etwa 75.000 Patientinnen in Deutschland die Diagnose Brustkrebs gestellt. Jede 8. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an einem bösartigen Tumor (Mammakarzinom) in der Brust. Mit der Einführung der Mammographie zur Früherkennung stieg die Zahl der diagnostizierten Tumoren stark an. Seit 2009 ist dieser Trend jedoch wieder rückläufig. Im Jahr 2016 gibt es bundesweit über 280 von der Deutschen Krebsgesellschaft und der DGS zertifizierte Brustzentren. Hier lassen sich über 90 Prozent der Frauen, und auch Männer, die an einem primären Mammakarzinom erkranken, nach aktuellen Leitlinien qualitätsgesichert behandeln. Trotz der gestiegenen Erkrankungsraten sterben deutlich weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren. Dies ist ein Indikator für die etablierte Versorgungsqualität und die Erfolgsgeschichte der seit über 12 Jahren zertifizierten Brustzentren.

Wie viel Prävention und Früherkennung sind sinnvoll?
In der Prävention geht es darum, Frauen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für Brustkrebs als Ratsuchende und nicht als Patientinnen zu verstehen. Erst nach ausführlicher Beratung mit Nutzen- und Risikoabwägung kann ein Angebot präventiver Maßnahmen folgen. Wer sollte sich auf Mutationen in den Genen BRCA1 und BRCA2 testen lassen? Das Deutsche Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs gibt die Kriterien vor, nach denen ein erblich bedingtes Risiko besteht und ein Test zu empfehlen ist. Auf dem Kongress diskutieren die Experten: „Ist die Versorgung der Frau mit hohem Risiko im Konsortium noch zeitgemäß?“

In der Früherkennung geben die Thesen der US-Leitlinie (2015) Anlass für neue Diskussionen zum Mammographie-Screening in Deutschland. Auf der Jahrestagung werden die idealen Intervalle des Brustscreenings und die Altersspanne des Mammographie-Screenings von bisher 50-69 Jahren auf jüngere und ältere Frauen erörtert. Wie sollte die dichte Brust weiterhin ultrasonografisch untersucht werden, zusätzlich zum Mammographie-Screening? Noch zu oft kommt es bei Brustuntersuchungen zu Erkennungs- oder Interpretationsfehlern und damit zu Fehldiagnosen. Meist hängt dies mit der Dichte des Brustgewebes, dem Tumortyp und der Aufnahmetechnologie zusammen.

Moderne Operationsverfahren bei Brustkrebs
Die operative Behandlung von Patientinnen und Patienten ist in den vergangenen 30 Jahren revolutioniert worden. Die Einbindung des hochfrequenten Ultraschalls in Operationsverfahren bei einer zunehmenden Anzahl von Brustzentren hat zu onkologisch souveränen Ergebnissen geführt. Die operativen Verfahren an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen nach Wallwiener et al ermöglichen eine klare Orientierung aller Beteiligten bei der Behandlung des Mammakarzinoms. Sowohl Patientinnen und Patienten, behandelnde Ärzte als auch die Kostenerstatter verfügen über einen wissenschaftlich erarbeiteten operativen Behandlungsalgorithmus.
Aktuell werden beeindruckende Resultate der Wiederherstellung des Sinnesorganes Brust erzielt. Neben den bekannten Rekonstruktionsmöglichkeiten mit Implantaten und/oder Netzen wurden, dank der 30-jährigen Routine sowie der freien Transplantation des Fettgewebes vom Unterbauch bzw. des Gesäßes, bedeutsame Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Auch bei der Behandlung von operationsbedingten oder strahlenbedingten Lymphödemen der Arme können mittels mikrochirurgischer Lymphknoten-Transplantationen signifikante Besserungen erreicht  werden. Eine erfolgreiche operative Behandlung des Mammakarzinoms im interdisziplinären Konzept ist mit ca. 56 Prozent am Gesamterfolg einer Therapie von Patientinnen und Patienten beteiligt.

Optimierte Kommunikation kann Rückfällen vorbeugen, Lokalrezidivrate senken
Vorteile ergeben sich aus den regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenzen, bei denen das Therapieziel mit Mortalitätsreduktion oder Rezidivminderung diskutiert und der optimale Behandlungsplan für die individuelle Patientin festgelegt wird. Bei Patientinnen mit invasivem Karzinom erfolgt die postoperative Strahlentherapie, welche Standard für jede Frau nach brusterhaltender Therapie (BET) ist, um die Lokalrezidivrate zu senken und auch signifikant die Überlebensrate nach 10 und 15 Jahren zu verbessern. Anders verhält es sich beim DCIS, einer Karzinomvorstufe. „Hier wird durch die adjuvante Strahlentherapie lediglich das Rezidivrisiko, nicht jedoch die Überlebensrate verbessert. In dieser Situation gilt es, eine offene und für den Patienten transparente Nutzen-Risiko-Abwägung vorzunehmen“, erklärt Prof. Engenhart-Cabillic. Unter der Prämisse, dass bei bestimmten Risikokonstellationen weniger durchaus auch gleich oder gar mehr sein kann, wird der Verzicht der Strahlentherapie unter diesen speziellen Risikokonstellationen erörtert. Studienergebnisse der Teilbrustbestrahlung sowie wann und mit welchen technischen Möglichkeiten diese erfolgen kann, werden diskutiert.

Weitere Schwerpunkte des Kongresses sind die neuen mutationsbezogenen Behandlungswege, Optionen der Brustrekonstruktion und der psychologischen Betreuung von  Krebspatientinnen als Teil des interdisziplinären Behandlungskonzeptes. „Die Motivation der Patientin trägt schließlich wesentlich zum Genesungserfolg bei“, betont Prof. Schulz-Wendtland, Präsident der DGS. Wichtig sei daher die möglichst frühzeitige Einbindung und optimale Beratung der an Brustkrebs erkrankten Patientin.

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Quellen:  www.Krebsdaten.de

Pressekontakt für Rückfragen:
Anja Frohloff
Gabriele Nioduschewski
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
Tel. +49 (0)30-514 88 3333
Fax +49 (0)30-514 88 344
E-Mail: presse(at)senologie.org

„ICH BIN DABEI!“ Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.

„ICH BIN DABEI!“ Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln.

25. Mai 2016: Aktionstag zum Thema Brustkrebs

Informationstag mit Programm auf dem Postplatz Dresden, 15:15 bis 19:19 Uhr

Als Auftakt der 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie findet der Informationstag „ICH BIN DABEI!“ Brustkrebs: Verstehen. Früh erkennen. Klug behandeln. auf dem Postplatz Dresden statt, direkt beim berühmten Zwinger und dem Schauspielhaus.
Großes und kleines Laufpublikum trifft spontan auf die Veranstaltung: Aufklärung mitten im öffentlichen Raum – fernab vom weißen Kittel und von sterilen Krankenhausfluren. In entspannter Atmosphäre können Besucher ihr Verständnis für Brustkrebs erweitern.

Wir freuen uns, dass in diesem Jahr Dresden das weltweit für den Kampf gegen Brustkrebs bekannte Symbol „Pink Ribbon“ tragen wird. Der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. ist es eine Ehre, erneut die Schirmherrschaft für diese wichtige Informationsveranstaltung zu übernehmen. Auch 2015 erhielten fast eine halbe Million Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Mit jährlich nahezu 75.000 Neuerkrankungen an Brustkrebs ist das Mammakarzinom die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau. Deshalb gehen auch in diesem Jahr am Vortag der 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie wieder die Experten für die Behandlung von Erkrankungen der Brust „auf die Straße“, um eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und über die Möglichkeiten der Prävention, Früherkennung und Therapie bei Brustkrebs aufzuklären.

Die Kongresspräsidenten Frau Prof. Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Strahlentherapie an den Universitätskliniken Gießen und Marburg sowie Dr. med. Mario Marx, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie; Standortleiter Standort Radebeul als Kooperationspartner des Regionalen Brustzentrums Dresden, haben die Realisierung der Veranstaltung maßgeblich vorangetrieben. Für die Umsetzung des ausschließlich über Spenden und Sponsoren finanzierten Aktionstags hat er zahlreiche ehrenamtlich Mitwirkende gefunden.

Die Besucher erwartet ein breites Informationsprogramm zu Früherkennungstests, Gerätschaften, Vorgehensweisen, Betroffenen-Hilfe und vielem mehr. Personen des öffentlichen Lebens, Prominente und medizinische Experten sprechen auf der Bühne über die wichtigsten Aspekte der Themen Brustkrebs, Früherkennung, Behandlung und Heilungschancen. Moderiert wird die Veranstaltung von Bärbel Schäfer.

Einladung zur 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie 26. bis 28. Juni 2016, Internationales Congress Center Dresden

Einladung zur 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie 26. bis 28. Juni 2016, Internationales Congress Center Dresden

„Zusammen Brustkrebs klug behandeln“

 Sehr geehrte Medienvertreter,

„Zusammen Brustkrebs klug behandeln“ – unter diesem Motto treffen sich vom 26. bis 28. Mai 2016 in Dresden mehr als 2.500 Experten für Brusterkrankungen (Senologen) aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zur 36. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS). Vertreter aller an der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs beteiligten Fachrichtungen – vom Gynäkologen, Chirurgen, Plastischen Chirurgen, Onkologen, Radiologen und Strahlentherapeuten bis zum Pathologen und Psychoonkologen – diskutieren aktuelle Forschungserkenntnisse zum Thema Brustkrebs.

Was ist der optimale, individuelle Versorgungsweg für die einzelne Frau? Wie viel  Früherkennung und welche Diagnostik sind für wen am sinnvollsten? Führen neue operative  Konzepte wie das Operieren unter Ultraschallsicht zu besseren Ergebnissen? Welche innovativen systemischen Therapiekonzepte für die verschiedenen Erkrankungsstadien sind erfolgversprechend? Kann eine Übertherapie vermieden werden? Wie kann die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden? Um Antworten auf Fragen wie diese ringen Experten auf dem höchsten wissenschaftlichen Niveau.

Jährlich erkranken etwa 75.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Jede zehnte Frau ist bei Diagnosestellung jünger als 45 Jahre. Die Heilungschancen haben sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert und liegen inzwischen bei über 90 Prozent, wenn die Erkrankung im Frühstadium erkannt wird. Geschichten von Prominenten – wie Angelina Jolie, die sich wegen ihres genetisch bedingt sehr hohen Brustkrebsrisikos für eine prophylaktische beidseitige Mastektomie entschied und dies öffentlich machte –  rufen regelmäßig ein großes Medienecho hervor. Auch dadurch erfahren Themen wie Brustkrebsfrüherkennung oder Chancen und Risiken von Brustkrebstherapien zunehmend breite öffentliche Aufmerksamkeit.

Wir laden Sie als Medienvertreter herzlich ein, sich im tagesaktuellen Einladungsprogramm online HIER   einen ersten Überblick über aktuelle Themen zu verschaffen.

Akkreditieren Sie sich zur Jahrestagung, lernen Sie die Experten für Brustgesundheit, deren Erfahrungsschatz und aktuelle wissenschaftliche Studien kennen. Nutzen Sie diesen interdisziplinären Kongress für Ihre Recherchen und berichten darüber. Falls Sie Ihre Teilnahme noch nicht bestätigt haben, können Sie sich online HIER akkreditieren.

Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gerne unter 030-514 88 3333 oder presse(at)senologie.org an uns wenden.

Wir freuen uns auf das Treffen in Dresden!

Beste Grüße

Anja Frohloff
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
Tel. +49 (0)30-514 88 3333
Fax +49 (0)30-514 88 344
E-Mail: presse(at)senologie.org


Vollständige Einladung inkl. Anfrage nach weiteren Informationen.

Pressemitteilungen 2015

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Neue Ergebnisse zum Mammographiescreening – Wissenschaftliche Bewertung

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Neue Ergebnisse zum Mammographiescreening – Wissenschaftliche Bewertung

Prof. Dr. Rüdiger Schulz-Wendtland,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS),
Oberarzt am Radiologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen

Kritik am Mammographiescreening hat in den letzten 12 Monaten potentielle Teilnehmerinnen erheblich verunsichert. Angeblich erziele das Mammographiescreening die nach den sieben, vor über 20 Jahren durchgeführten, randomisierten Studien erwartete Mortalitätssenkung nicht. Diese Studien seien zum Teil fehlerhaft durchgeführt und ausgewertet worden. Als Beleg wurde eine dieser Studien, die kanadische randomisierte Studie (CNBSS) angeführt, die keine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit gezeigt hatte. Zudem sei mit der Verbesserung der Prognose durch die heute durchgeführte medikamentöse Zusatzbehandlung eine wesentliche Senkung der Brustkrebssterblichkeit durch die Früherkennung nicht mehr zu erwarten.

Eine darauf veröffentlichte Analyse des kanadischen Mammographie-Screening-Programms [1], welches trotz des negativen Ergebnisses der oben genannten CNBSS Studie eingeführt worden war, unterstreicht jedoch die Wirksamkeit des Mammographiescreenings auch in der heutigen Zeit. Bei Frauen, die von 1990 bis 2009 am Mammographiescreening teilgenommen hatten, wurde eine Senkung der Brustkrebsmortalität um 40% nachgewiesen. Die neuen Ergebnisse aus Kanada bestätigen die Einschätzung, dass die Früherkennung, auch bei Anwendung der heute üblichen medikamentösen Behandlung mit Hormon- und Chemotherapie, eine deutliche Senkung der Brustkrebssterblichkeit erreicht. Sie stützen damit die Ergebnisse der im Auftrag der britischen Regierung [2] und der niederländischen Regierung [3] unabhängig voneinander erstellten Analysen der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz.

Beide Expertenkommissionen empfehlen, die nationalen Mammographie-Screening-Programme fortzuführen und weiterzuentwickeln. Auch die Frauen, die in Deutschland am Mammographiescreening teilnehmen, können von einer deutlichen Senkung der Brustkrebssterblichkeit ausgehen. Erste Auswertungen zeigen den erwarteten Rückgang fortgeschrittener Karzinome.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen die der Einladung beigelegte Information überarbeitet, um allen Frauen eine selbständige und informierte Abwägung zwischen individuellem Nutzen und potentiellen Nachteilen der Früherkennung auf der Basis der neuesten Erkenntnisse zu ermöglichen. Auch zu diesem Entwurf hat die DGS Stellung genommen und auf Veränderungen gedrungen.
Nach der Zurückweisung der Kritik an den randomisierten Mammographiescreeningstudien durch ein von der WHO eingesetztes Expertengremium, hatte der Deutsche Bundestag 2002 beschlossen, auch in Deutschland ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening-Programm einzuführen. Die aktuellen Ergebnisse aus Kanada bestätigen diese Entscheidung erneut. Nach wie vor kann man allen berechtigten Frauen in Deutschland die Teilnahme am bevölkerungsbezogenen qualitätsgesicherten Mammographiescreening empfehlen.

Literatur:
1. Coldman, A., et al., Pan-canadian study of mammography screening and mortality from breast cancer. Journal of the National Cancer Institute, 2014. 106(11).
2. Marmot, M.G., et al., The benefits and harms of breast cancer screening: an independent review. British journal of cancer, 2013. 108(11): p. 2205-40.
3. Health Council of the Netherlands. Population screening for breast cancer: expectations and developments. , 2014, Health Council of the Netherlands: The Hague.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt:
Prof. Dr. med. R. Schulz-Wendtland
Radiologisches Institut/Gynäkologische Radiologie
Universitätsklinikum Erlangen
Universitätsstr. 21-23, 91054 Erlangen
Tel: +49 9131 853 3460 / FAX  +49 9131 853 2081
E-Mail: ruediger.schulz-wendtland(at)uk-erlangen.de
Internet: www.radiologie.uk-erlangen.de

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Die moderne interdisziplinäre Therapie des Brustkrebses – Erfolge und Herausforderungen

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Die moderne interdisziplinäre Therapie des Brustkrebses – Erfolge und Herausforderungen

Prof. Dr. Andreas Schneeweiss,
Kongresspräsident 2015,
Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen,
Universitäts-Klinikum Heidelberg

Das Mammakarzinom ist zu einer meist heilbaren Krankheit geworden. Das Brustkrebsspezifische Überleben nach 5 Jahren in Deutschland liegt derzeit bei 80–90%. Aber auch heute sterben in Deutschland noch 20–30% der Patienten an ihrer Erkrankung und die hohe Heilungsrate wird mit einer massiven Übertherapie erkauft.
Der Wissenszuwachs durch die Grundlagenforschung ist rasant, immer neue Ansätze werden generiert, eine rasante Spezialisierung findet statt. Der Kliniker verliert rasch den Überblick, aber auch der Grundlagenforscher schnell den Bezug zu den klinischen Problemen. Aus diesem Dilemma geboren sind die interdisziplinär besetzten Tumorboards und die translational arbeitenden Krebszentren, die das Wissen der Spezialisten wieder zum Wohle des individuellen Patienten bündeln sollen. Dennoch kommen zurzeit nur wenige der Ansätze in der täglichen Behandlung an. Das liegt sicher an der komplexen Materie und an strukturellen Defiziten, aber auch an Wissenslücken bei jedem von uns.
Die bahnbrechenden Arbeiten von Perou und Sorlie über die intrinsischen Subtypen markieren eine Zäsur für das Verständnis des Brustkrebses [1, 2]. Er wird heute als Überbegriff für eine Vielzahl molekular definierten Tumortypen verstanden. Hinzu kommt das rasch anwachsende Wissen um die intratumorale Heterogenität. Im Brustkrebs eines Patienten finden sich unterschiedliche, molekular definierte Subklone, die zum Teil Stammzelleigenschaften aufweisen [3, 4]. Schon bei Diagnosestellung weist ein Tumor in der Regel 2–8 für die Entstehung und Aufrechterhaltung von malignem Wachstum relevante Genmutationen auf, die 12 Signaltransduktionswegen zugeordnet werden können [5]. Neben den Eigenschaften der Tumorzellen erlangt die Betrachtung des umgebenden Gewebes oder Mikromilieus zunehmend an Bedeutung.
Auch die Interaktion von Tumorzelle und Umgebung ist ein entscheidender Faktor bei Entstehung, Aufrechterhaltung und Progression maligner Erkrankungen [3, 6]. Zudem können sich die molekularen Eigenschaften des Primärtumors von denen seiner Metastasen unterscheiden [7, 8]. Aufgrund dieser Evolution der Brustkrebserkrankung sind wiederholte Biopsien und Reanalysen sinnvoll. Hierbei sollten im Idealfall Biomarker auf jeder Ebene der Systembiologie bestimmt werden (Genetik, Epigenetik, Genexpression, micro-RNA, Proteomics, ect.). Dies ist im Alltag aber nicht umsetzbar. Eine weniger invasive zugleich umfassende Alternative könnte die Analyse von Blut oder Plasmaproben darstellen [71, 72, 11]. Der Aufbau einer effektiven und flächendeckenden Infrastruktur, die solche Analysen an Tumormaterial oder Blut schnell und zuverlässig ermöglicht, ist eine der Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Integration zielgerichteter Therapien in die tägliche Praxis [12]. Das Wissen um die Heterogenität des Brustkrebses hat auch zu einer neuen Generation von Studien geführt. Manche Arzneimittel werden nur noch für sehr kleine Subgruppen von Patienten entwickelt. Die Organisation der Erfassung von Patientendaten und molekularen Tumordaten ist deswegen auch für die erfolgreiche Durchführung von klinischen Studien von besonderer Bedeutung. Moderne onkologische Therapien sollen idealerweise an den spezifischen Eigenschaften einer Tumorerkrankung und seiner Umgebung ausgerichtet sein. Mit der endokrinen Therapie beim hormonrezeptorpositiven Brustkrebs wird der Grundsatz der zielgerichteten onkologischen Therapie bereits seit Jahrzehnten bei Brustkrebs realisiert. Die moderne Therapie HER2-positiver Tumore ist ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Translation zielgerichte  ter Therapieprinzipien in den klinischen Alltag. Beim HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom stehen in der klinischen Routine mit Bevacizumab, Everolimus und Palbociclib (bisher nicht in Europa) drei weitere zielgerichtet wirksame Medikamente zur Verfügung. Es fehlen aber validierte prädiktive Marker zur Therapieentscheidung und ‑Steuerung. Viele weitere Substanzen befinden sich in der klinischen Entwicklung, für deren klinische Testung aber alternative, intelligentere Studienkonzepte entwickelt werden müssen. Bei aller Begeisterung für diese zielgerichtet wirksamen Therapien darf nicht vergessen werden, dass mit der Chemotherapie eine wenn auch eher unspezifische, so doch effektive palliative Therapie zur Verfügung steht. Neben der endokrinen Therapie stellt die Chemotherapie als Kombinationspartner oft das Rückgrat der palliativen Systemtherapien dar.
Je ungenauer wir auch zukünftig die inter- und intratumorale Heterogenität des Tumors und seiner Umgebung abbilden, desto unspezifischer wird unsere Therapie bleiben. Um unserem Traum der personalisierten Therapie näher zu kommen, müssen wir Strukturen schaffen, die repetitive genauere Analysen des Tumors und seiner Umgebung ermöglichen und den interdisziplinären Austausch über die Ergebnisse dieser Analysen fördern.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Referenzen:
1. Perou CM, Sørlie T, Eisen MB et al. Molecular portraits of human breast tumours. Nature 2000; 406: 747–752
2. Sørlie T, Perou CM, Tibshirani R et al. Gene expression patterns of breast carcinomas distinguish tumor subclasses with clinical implications. Proc Natl Acad Sci U S A 2001; 98: 10869–10874
3. Zardavas D, Baselga J, Piccart M. Emerging targeted agents in metastatic breast cancer. Nat Rev Clin Oncol 2013; 10: 191–210
4. Yates LR, Campbell PJ. Evolution of the cancer genome. Nat Rev Genet 2012; 13: 795–806
5. Vogelstein B, Papadopoulos N, Velculescu VE et al. Cancer genome landscapes. Science 2013; 339: 1546–1558
6. Hanahan D, Coussens LM. Accessories to the crime: functions of cells recruited to the tumor microenvironment. Cancer Cell 2012; 21: 309–322
7. de Dueñas EM, Hernández AL, Zotano AG et al. Prospective evaluation of the conversion rate in the receptor status between primary breast cancer and metastasis: results from the GEICAM 2009-03 ConvertHER study. Breast Cancer Res Treat 2014; 143: 507–515
8. Hoefnagel LD, van de Vijver MJ, van Slooten HJ et al. Receptor conversion in distant breast cancer metastases. Breast Cancer Res 2010; 12: R75
9. Fehm T, Becker S, Duerr-Stoerzer S et al. Determination of HER2 status using both serum HER2 levels and circulating tumor cells in patients with recurrent breast cancer whose primary tumor was HER2 negative or of unknown HER2 status. Breast Cancer Res 2007; 9: R74
10. Fehm T, Muller V, Aktas B et al. HER2 status of circulating tumor cells in patients with metastatic breast cancer: a prospective, multicenter trial. Breast Cancer Res Treat 2010; 124: 403–412
11. Murtaza M, Dawson SJ, Tsui DWet al. Non-invasive analysis of acquired resistance to cancer therapy by sequencing of plasma DNA. Nature 2013; 497: 108–112
12. P. A. Fasching, S. Y. Brucker, T. N. Fehm, et al. Biomarkers in Patients with Metastatic Breast Cancer and the PRAEGNANT Study Network. Geburtsh Frauenheilk 2015; 75: 41–50

Kontakt:
Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss
Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Universitäts-Klinikum
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56 36051, Fax: 06221 56 7920
E-Mail: andreas.schneeweiss(at)med.uni-heidelberg.de
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Immuntherapie des Mammakarzinoms – Wie das Immunsystem bei der Krebstherapie hilft

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Immuntherapie des Mammakarzinoms – Wie das Immunsystem bei der Krebstherapie hilft

Prof. Dr. Diana Lüftner,
Kongresspräsidentin 2015,
Oberärztin der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie,
Onkologie und Tumorimmunologie,
Charité Campus Benjamin Franklin Berlin

Das Wissenschaftsmagazin „Science“ erklärte 2013 immuntherapeutische Ansätze bei der Behandlung von Krebserkrankungen zum „Breakthrough of the Year“. Immunologische Therapieformen werden auch die Behandlung des Mammakarzinoms in den kommenden Jahren deutlich verändern. Auch für die Immuntherapie steht die Frage nach der Personalisierung im Mittelpunkt der Forschung, auch aus pharmako-ökonomischen Gründen.

Checkpoint-Hemmung für den metastasierten Brustkrebs
Das Immunsystem wird direkt von der malignen Zelle vom eigenen regulatorischen Netzwerk blockiert. Jetzt stehen Medikamente für die Aufhebung dieser Hemmung zur Verfügung. Der derzeit für den Brustkrebs am intensivsten diskutierte immuntherapeutische Ansatz ist die Hemmung des PD-1-Systems. PD-1-Antikörper wirken in der Effektorphase des Immunsystems im peripheren Gewebe und damit an der Kontaktstelle zwischen Tumorzelle und T-Zelle. Die ersten Phase I- und II-Studien zeigen insbesondere beim sehr schwer zu behandelnden, metastasierten triple-negativem Brustkrebs erfolgversprechende Ergebnisse. Wie bei allen anderen Tumorerkrankungen scheinen 20–30% der Patientinnen ein verlängertes Gesamtüberleben zu zeigen.

Weitere Ansätze der Immuntherapie
Neben der Checkpoint-Hemmung befindet sich derzeit noch eine ganze Reihe weiterer immuntherapeutischer Ansätze in der klinischen Prüfung. So wurden beispielsweise künstlich hergestellte bispezifische Antikörper entwickelt, die sowohl an Immunzellen als auch an Tumorzellen binden und beide miteinander verknüpfen. Das könnte die Anti-Tumor-Aktivität der Immunzellen verbessern. Dieser Ansatz wird derzeitig für die andere, als aggressiv eingeschätzte Gruppe der Mammakarzinome, das HER-2/neu-positive Mammakarzinom, geprüft.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt:
Prof. Dr. Diana Lüftner
Charité - Universitätsmedizin Berlin Campus Benjamin Franklin,
CC 14: Tumormedizin Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie,
Onkologie und Tumorimmunologie
Hindenburgdamm 3, 12200 Berlin
Tel.: +49 30 450 513 524, Fax: +49 30 8445 4468
E-Mail: diana.lueftner(at)charite.de
Internet: www.haema-cbf.charite.de/klinik/

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: PRAEGNANT Mammakarzinom – Prospektives akademisches translationales Forschungs-netzwerk zur Optimierung der onkologischen Versorgungsqualität in der adjuvanten und fort-geschrittenen/metastasierten Situation

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: PRAEGNANT Mammakarzinom – Prospektives akademisches translationales Forschungsnetzwerk zur Optimierung der onkologischen Versorgungsqualität in der adjuvanten und fortgeschrittenen/metastasierten Situation:

Versorgungsforschung, Pharmakogenetik, Biomarker, Pharmakoökonomie

Prof. Dr. Sara Y. Brucker,
Schriftleiterin Zeitschrift Senologie,
Ärztliche Direktorin am Forschungsinstitut für Frauengesundheit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen,
Stell. Ärztliche Direktorin

Innerhalb der Patientenpopulation mit einem Mammakarzinom gilt die Subpopulation der Patienten mit Metastasen immer noch als diejenige mit einer schlechteren Prognose. Nicht nur in Bezug auf die Therapiemöglichkeiten, sondern auch bezüglich der qualitätsgesicherten Versorgung stellt diese Patientengruppe eine Herausforderung dar.

Aktuell zielen Fortschritte in der Therapie des Mammakarzinoms auf die zielgerichtete Behandlung, sowie auf die Identifikation derjenigen Patienten, für die der größte Nutzen für eine spezifische Therapie in Verbindung mit den geringsten Nebenwirkungen zu erwarten ist, ab. Nichtsdestotrotz wird die Untersuchung von Patient und Tumor auf molekularer Ebene in der metastasierten Situation nicht routinemäßig durchgeführt und vielfach werden die Charakteristika des Primärtumors als hinreichend betrachtet, um als Grundlage für Therapieentscheidungen bei Patienten in der metastasierten Situation zu dienen. Obwohl die erneute Untersuchung von Tumorcharakteristika aus Tumormaterial der Metastasen in nationalen Leitlinien empfohlen wird, erfolgt nur bei einer Minderheit der Patienten eine Biopsie. Dies wird mit der Invasivität der Methode begründet, obwohl Biopsiebezogene Komplikationen selten berichtet werden.

Mit Hilfe moderner analytischer Methoden scheint es möglich zu sein, Tumorbezogene Untersuchungsergebnisse aus Blutproben mit Eigenschaften des tatsächlichen Tumors zu korrelieren. Diese beinhalten beispielsweise u.a. Expressionsanalsysen, Mutationsanalysen des Tumors, Abberationen von Genkopien im Tumor, etc..

Ziel der PRAEGNANT-Studie ist es, im Rahmen eines akademischen Forschungsnetzwerks, in dem Kliniken/Brustzentren und niedergelassene Ärzte (Gynäkologen und Onkologen) eng zusammenarbeiten die Etablierung einer Infrastruktur für die umfassende Analyse von molekularen Charakteristika von Tumor, Metastase und Patientin und durch detaillierte Verlaufsananlysen Patientinnengruppen herauszukristallisieren um für diese eine passgenaue, personalisierte Therapie empfehlen zu können. Das primäre Studienziel ist die Identifikation von Biomarkern, die für die Prädiktion des progressionsfreien Überlebens (PFS) geeignet sind. D.h. um vorher zusehen, welche Therapie genau bei dieser einzelnen Patientin am besten wirkt. Biomarker beziehen die umfassende molekulare Analyse der Genexpression, der Genmutationen und der Serum- und Gewebebiomarker mit ein.

Desweiteren wollen wir Daten zur Versorgung von Brustkrebs-Patientinnen zu sammeln, um daraus Rückschlüsse auf die Struktur und Qualität der Versorgung der Patientinnen zu ziehen und Maßnahmen zur Optimierung ableiten zu können, eine nachhaltige Verbesserung der medizinischen Therapie sicherzustellen und innovative Ansätze noch rascher in die klinische Routine umzusetzen.
In PRAEGNANT wollen wir in ca. 40 Zentren insgesamt 3500 Patientinnen bei denen die Diagnose eines metastasierten Mammakarzinoms vorliegt unabhängig vom der Art des Tumors und der Metastatierung und auch unabhängig von der Art der Therapie aufnehmen und Langzeitdaten für Patientinnen und für die Wissenschaft sammeln. Aktuell konnten wir bereits > 800 Patientinen in unser Netzwerk aufnehmen.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. med. Sara Y. Brucker
Forschungsinstitut für Frauengesundheit
Department für Frauengesundheit
Calwerstr. 7
72076 Tübingen
Tel.: +49 7071 29-80791/ -82211 FAX: +49 7071 29-4663
E-Mail: sara.brucker(at)med.uni-tuebingen.de
Internet: www.uni-frauenklinik-tuebingen.de

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Interdisziplinäre Therapieplanung an qualitätsgesicherten Brustzentren

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Interdisziplinäre Therapieplanung an qualitätsgesicherten Brustzentren

Prof. Dr. Christof Sohn,
Ehrenkongresspräsident 2015,
Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Heidelberg,
Universitäts-Klinikum Heidelberg

„Breast disease should be cared for by specialists in breast disease working as teams in breast units.“ [1]

(EUSOMA auf der Basis diverser Publikationen, u. a. NHS, BASO, ESSO, etc.)

Die moderne Therapie des Mammakarzinoms basiert auf den möglichst perfekt aufeinander eingestellten Mitgliedern eines interdisziplinären Teams, die die Patientin gemeinsam beraten und betreuen. Dieses Setting ist in Kliniken anzutreffen, die qualitätsgesicherte Brustzentren betreiben, in denen alle notwendigen Ressourcen gebündelt zur Verfügung stehen. Die Verbesserung der Überlebensraten [2] ist somit einerseits der Erfolg der sich immer weiter entwickelnden Medizin mit immer passgenaueren Therapiekonzepten, aber anderseits auch der Etablierung von Brustzentren, die es erst ermöglicht haben, die Expertise verschiedener Disziplinen gezielt im Sinne der Patientin zu bündeln. So ist es heute selbstverständlich, dass die Patientin nicht nur von einem Arzt beraten wird, sondern dass vor einer Behandlung eine interdisziplinäre Konferenz stattfindet, die alle relevanten Aspekte aus der jeweiligen Fachdisziplin heraus beleuchtet und eine Gesamtempfehlung abgibt. Ist die Diagnostik zufriedenstellend abgeschlossen? Ist die Pathologie der präoperativen, histologischen Sicherung konkludent? Benötigt die Patientin primär eine Operation oder sollte sie doch eher zunächst medikamentös behandelt werden? Letzteres ist immer häufiger der Fall. Nicht zu vergessen ist, dass Beratungen bzgl. des familiären Risikos, der Möglichkeiten der Rekonstruktion oder auch über komplementäre Medizin soweit nötig/ gewünscht selbstverständlicher Bestandteil des Gesamtkonzeptes sind.

Fazit: Qualitätsgesicherte Brustzentren, welche die Zusammenarbeit von u.a. Gynäkologen, Pathologen, Radiologen, plastischen Chirurgen, Humangenetikern, Internisten und Strahlentherapeuten, aber auch von nicht ärztlichen Berufsgruppen wie z.B. Breast Care Nurses, OP-Schwestern, Sozialarbeitern und Psychotherapeuten überhaupt erst ermöglichen/ koordinieren, sind im Sinne der Patientinnen. Aus vielen Einzelstimmen, die alleine nie diesen Klang erzeugen könnten, entsteht der Gesamteindruck, den nur ein harmonisch spielendes Orchester erreichen kann.

1. Wilson, A.R., et al., The requirements of a specialist Breast Centre. Eur J Cancer, 2013. 49(17): p. 3579-87.
2.Heil, J., et al., Outcome analysis of patients with primary breast cancer initially treated  a certified academic breast unit. Breast, 2012. 21(3): p. 303-8.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christof Sohn
Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik
Im Neuenheimer Feld 440, 69120 Heidelberg
Tel. 06221-56-7901 (Sekretariat), Fax 06221-56 4328
E-Mail: christof.sohn(at)med.uni-heidelberg.de
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Senologie – quo vadis?

25. Juni 2015 - Kongress-Pressekonferenz: Senologie – quo vadis?

Prof. Dr. Diethelm Wallwiener,
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS),
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG),
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Departments für Frauengesundheit

Über 90% der Patientinnen mit Erstdiagnose Mammakarzinom lassen sich in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln. Über 80% der Patientinnen mit Mammakarzinom können wir heilen. Die zertifizierten Brustzentren sind seit über 10 Jahren etabliert und haben internationalen Modellcharakter angenommen und die onkologischen und gynäkologischen Krebszentren inspiriert.
In Deutschland bietet die Senologie mit der interdisziplinären Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) und der Jahrestagung als Plattform aller an der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs beteiligten Fachdisziplinen ein Beispiel, wie Kooperation und Kommunikation über Fächergrenzen hinweg der Qualität und dem Wohle der Patientinnen dienen.

Vor welchen Herausforderungen steht die Senologie in Zukunft?
Wir haben gelernt, dass Tumor nicht gleich Tumor ist, die enorme Differenzierung ist Chance und Herausforderung zugleich. Eine Chance für individuellere Behandlung, aber eine Herausforderung für die sichere Zuordnung. Der Weg zur individualisierten Therapie ist das Ziel, dennoch müssen wir immer auch die Sicherheit und Qualitätssicherung im klinischen Einsatz im Blick behalten. Labor- und Gendiagnostik, systemische Therapien und operative Verfahren sind im Zukunftskonzept der individualisierten Medizin wichtig, um optimale Behandlungsstrategien zu entwickeln und Übertherapie zu reduzieren. Auch die Situation von Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs wollen und müssen wir verbessern – die Entwicklung, Implementierung und Standardisierung der innovativen Behandlungsmöglichkeiten steht daher im Fokus der nächsten Dekade. Dies alles funktioniert nur mit Prozessen in Klinik und Forschung, welche die translationale Forschung erleichtern und die Implementierung in die Praxis sichern.

Die Senologie steht aber auch vor der Herausforderung des Stabwechsels in den Kliniken, Zentren und Praxen – den wissenschaftlichen und klinischen ärztlichen Nachwuchs für unsere Spezialisierung zu gewinnen, ist daher fundamental für die Fortsetzung des beschrittenen Weges.

Leipzig, 25. Juni 2015. Es gilt das gesprochene Wort.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Wallwiener
Department für Frauengesundheit
Universitäts-Frauenklinik Tübingen
Calwerstr. 7, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/29-8223
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Einladung zur 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie 25. bis 27. Juni 2015, Congress Center Leipzig

Einladung zur 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie 25. bis 27. Juni 2015, Congress Center Leipzig

Sehr geehrte Medienvertreter,

das Mammakarzinom ist zu einer meist heilbaren Krankheit geworden. Das Brustkrebs-spezifische Überleben nach 5 Jahren in Deutschland liegt derzeit bei 80–90%. Die neue Herausforderung ist es, sicher zu therapieren und vorherzusagen, wann man risikoarm auf bestimmte Therapien verzichten kann. Leider fehlen uns dafür immer noch verlässliche Methoden.

Der Wissenszuwachs durch die Grundlagenforschung ist rasant, immer neue Ansätze werden generiert, eine rasante Spezialisierung findet statt, die personalisierte Therapie ist das Ziel. Den Dialog zwischen den Disziplinen zu fördern, um die Ansätze aus der Forschung in die Klinik zu bringen und damit rasch in die Versorgung umzusetzen, ist das besondere Anliegen des Senologiekongresses. Der Traum von der personalisierten Therapie kann nur mit diesem Wissenszuwachs realisiert werden.

Als Medienvertreter laden wir Sie herzlich ein, den Kongress persönlich zu besuchen, für Ihre Recherchen zu nutzen und darüber zu berichten. Zur Kongress-Pressekonferenz  am Donnerstag, den 25. Juni von 10.30–11.30 Uhr laden wir Sie noch gesondert ein. Falls Sie Ihre Teilnahme noch nicht bestätigt haben, können Sie sich auf dem unten stehenden Formular akkreditieren. Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gerne unter 030-514 88 3333 oder presse(at)senologie.org an uns wenden.

Wir freuen uns auf ein Treffen in Leipzig!

Programm als Download (PDF)

Vollständige Einladung inkl. Anfrage nach weiteren Informationen.

Freundliche Grüße

Annette Affhüppe
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS)

Pressekontakt für Rückfragen:
Annette Affhüppe
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Pressemitteilungen 2014

30. Juni 2014 - Brustkrebskongress erfolgreich beendet: Senologen sehen Fortschritte auf hohem Niveau

30. Juni 2014 - Brustkrebskongress erfolgreich beendet: Senologen sehen Fortschritte auf hohem Niveau

Berlin, Juni 2014 – Brustkrebs wird in Deutschland immer frühzeitiger diagnostiziert, die Therapie hat sich in den letzten Jahren weiter verfeinert und die Überlebenschancen liegen im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau. Die von über 2.500 Experten besuchte Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die im Juni in Berlin stattfand, ist als interdisziplinäres Forum etabliert. In über 450 Vorträgen diskutierte man die neuesten Erkenntnisse des Fachgebietes. Großen Raum nahm dabei auch die aktuelle Debatte um das Mammographie-Screening-Programm (MSP) ein, die mit vielen Fakten kenntnisreich geführt wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) zieht am Ende ihres Jahreskongresses in Berlin eine positive Bilanz für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Brust und rechnet in den nächsten Jahren mit weiteren Verbesserungen.

Die aktuelle Debatte über das Mammographie-Screening-Programm (MSP) in Deutschland und weltweit fand nicht nur im wissenschaftlichen Programm, sondern auch in vielen Gesprächen am Rande der Tagung statt. „In Deutschland gibt es 94 Referenzzentren für das Mammographie-Screening, ein Zentrum ist nun in der Kritik – dies darf aber nicht zu einer Welle führen, die das ganze Programm infrage stellt“, plädiert Professor Dr. med. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Radiologe am Universitätsklinikum Erlangen, für eine Versachlichung der Debatte. Das oft zitierte Votum des „Swiss Medical Board“ ist als Expertenmeinung mit „niedrigem“ Evidenzlevel einzuschätzen im Gegensatz zu Metaanalysen und systematischen Reviews, die sich auf eine große Datenbasis beziehen (z.B. unabhängiges UK-Panel 2012, Nickson et al. 2012, EUROSCREEN 2012, Health Council of the Netherlands). Die Daten von EUROSCREEN belegen eine Mortalitätsreduktion bei Screening-Teilnehmerinnen (gegenüber Nicht-Teilnehmerinnen) von ca. 43% (8 gerettete Leben pro 1.000 Teilnehmerinnen) und eine Rate von ca. 6,5% Überdiagnosen. „Ich kann Frauen daher nur raten, weiterhin Früherkennung durchführen zu lassen und zwar in einem qualitätsgesichertem System wie dem Mammographie-Screening-Programm.“, fasst Professor Dr. med. Sylvia Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München die Studienlage zusammen.

Qualitätssicherung ist das Stichwort mit dem das strukturierte MSP eingeführt wurde, in der Therapie des Mammakarzinoms ist die Qualitätssicherung mit dem Aufbau der zertifizierten Brustzentren (nach DKG/DGS) gelungen. Die interdisziplinär arbeitenden Brustzentren folgen durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) und die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) festgelegten Qualitätsindikatoren und haben so einen Goldstandard für die Behandlung von Brustkrebspatientinnen gesetzt: Über 92% der Patientinnen lassen sich mittlerweile in zertifizierten Brustzentren behandeln, die auf über 80% gestiegene Heilungsquote beim primären Mammakarzinom zeigt den deutlichen Erfolg dieser vor 10 Jahren entwickelten Maßnahme. „Die zertifizierten Brustzentren haben nicht nur die Prognosen für die Brustkrebspatientinnen verbessert, sondern dienen auch als Blaupause für alle Organkrebszentren, die gemäß dem Nationalen Krebsplan in die Versorgung eingeführt werden“, führt Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, das Thema aus.

Nebenwirkungen invasiver Therapien oder gar unnötige Therapien zu vermeiden, ist das Ziel der personalisierten Therapien in der Brustkrebsbehandlung. Neben lokalen therapeutischen Maßnahmen (Operation, Bestrahlung) kommen bei der Behandlung von Brustkrebs systemische, also medikamentöse Therapien zum Einsatz (endokrine Therapie, HER2-zielgerichtete Therapie und Chemotherapie). Dabei schätzen prognostische Biomarker den Krankheitsverlauf ein und beantworten die Frage, wer eine systemische Behandlung benötigt. Prädiktive Faktoren hingegen dienen zur Abschätzung der Effektivität einer spezifischen Therapie und sagen uns, welche Therapie die richtige ist. Allen Biomarkern ist zudem gemeinsam, dass sie im Kontext der jeweiligen Krankheitssituation interpretiert werden müssen. „Wir dürfen uns nicht vom Marktdruck zu Entscheidungen drängen lassen. Erste Ergebnisse aus großen prospektiven Studien (MINDACT, ADAOT; TailorX, PlanB), wie sicher die Entscheidung für die jeweilige Patientin ist, keine systemische Therapie zu benötigen, erwarten wir für 2015. Bis dahin sollten wir die Tests nicht generalisiert anwenden, sondern nur in einer individuellen Studien- oder Beratungssituation empfehlen“, betont Professor Dr. med. Sara Y. Brucker, Ärztliche Direktorin am Forschungsinstitut für Frauengesundheit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Herausgeberin der Zeitschrift Senologie.

Tumor ist nicht gleich Tumor – diese Erkenntnis der letzten Jahre, die unterschiedliche Therapien ermöglicht, verdankt sich auch der Unterscheidung von Subtypen des Mammakarzinoms durch den Pathologen. Durch neue molekulargenetische Methoden ist es seit einigen Jahren möglich, die Expression aller Gene im Tumorgewebe zu bestimmen. Mit der Methode der sogenannten Hochdurchsatz-Sequenzanalyse können zusätzlich alle Mutationen im Tumorgewebe bestimmt werden. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten der genetischen Analyse beim Mammakarzinom. „Statt der vier Tumortypen, die bisher unterschieden wurden, gehen wir nun von acht bis zehn unterschiedlichen molekularen Brustkrebstypen aus“, präzisiert Professor Arndt Hartmann, Kongresspräsident 2014 der DGS und Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen. „Diese Brustkrebstypen zuverlässig diagnostisch einzuordnen, ist unsere Herausforderung in den kommenden Jahren. Wir wollen die Tumoren an ihrer genetischen Achillesverse packen, wie wir das bei HER2 positiven Tumoren bereits können.“, so Hartmann. Allerdings wird die Arbeit der Pathologen seit 2012 durch die Bedarfsplanung erschwert – die Niederlassung ist nahezu unmöglich geworden und auf die niedrigste Zahl von Pathologen pro Einwohner (1:60.000!) in Europa eingefroren.

Von einer Zukunftsvision für die Strahlentherapie berichtete Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabilic, Schriftführerin der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen/Marburg: „Die Partikelstrahlentherapie  mit Protonen und Kohlenstoffionen ist eine neue Form der perkutanen (=durch die Haut gehenden) Strahlentherapie. Beide Partikel ermöglichen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften eine besonders präzise räumliche Dosisverteilung. Dadurch kann die Bestrahlungsdosis in gesunden Organen reduziert werden – auch wenn sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tumor befinden.“ Durch diese besonderen physikalischen und biologischen Eigenschaften der Partikel erhoffen sich die Radioonkologen eine Verringerung der therapiebedingten Nebenwirkungen und eine noch bessere Chance der Tumorheilung als bisher bereits möglich. Allerdings ist noch kein Zugang für die allgemeine Versorgung möglich: „Die Partikelstrahlentherapie ist bislang keine vollständig evaluierte und keine evidenzbasierte Standardtherapie. Die Partikelstrahlentherapie kann – mit wenigen Ausnahmen – daher im Moment nur innerhalb klinischer Studien erfolgen und wird erst an wenigen universitären Zentren durchgeführt.“, so Engenhart-Cabilic.

„Die Erfolge in der der Therapie der HER2 positiven Mammakarzinome durch zielgerichtete Therapie mit Trastuzumab werden mittlerweile durch drei weitere Substanzen ergänzt, die zum Beispiel bei Resistenz noch wirksam sind bzw. in Kombination mit Trastuzumab die Ergebnisse verbessern.“, benennt Professor Hans Tesch, Co-Kongresspräsident 2014 und Arzt in der Hämatologisch-Onkologischen Gemeinschaftspraxis am Bethanien-Krankenhaus Frankfurt a.M. weitere Fortschritte in der systemischen Therapie. Die Substanzen sind der Tyrosinkinase Inhibitor Lapatinib, der den HER2 Rezeptor an der Kinasedomäne in der Zelle hemmt; der Antikörper Pertuzumab, der ähnlich wie Trastuzumab den HER2 Rezeptor bindet, jedoch an einer anderen Bindungsstelle angreift sowie TDM1, ein Konjugat aus dem Trastuzumab-Antikörper, an den chemisch ein Zytostatikum gekoppelt ist. Dadurch ist das Konjugat deutlich wirksamer als der Antikörper allein und bringt das Zytostatikum zielgerichtet in die Tumorzelle hinein. Diese drei Substanzen stehen beispielhaft für eine neue Generation zielgerichteter Therapiestrategien, die in großen klinischen Studien weiterentwickelt wurden und schrittweise die Therapieergebnisse verbessert haben. In den nächsten Jahren werden weitere Substanzen folgen. „Noch stehen sie nicht allen Patientinnen offen. Aber wir sind auf dem richtigen Weg – von der Biologie der Tumorzelle bis in die Klinik, um den Kampf gegen den Krebs zu gewinnen.“ fasst  der Onkologe Tesch zusammen.

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Pressekontakt für Rückfragen:

Annette Affhüppe
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Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
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19. Juni 2014 - Pressetexte zur Kongress-Pressekonferenz

19. Juni 2014 - Pressetexte zur Kongress-Pressekonferenz

Tumor ist nicht gleich Tumor – wie sich die molekulare Subtypisierung beim Mamma-karzinom nutzen lässt

Professor Dr. med. Arndt Hartmann, Tagungspräsident 2014 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen

Über viele Jahre wurden alle Patienten mit der Diagnose Brustkrebs gleich behandelt. Durch die Aufdeckung der genetischen Veränderungen des Mammakarzinoms in den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich allerdings gezeigt, dass die einzelnen Patientinnen unterschiedliche Tumoren mit verschiedenen genetischen Veränderungen, unterschiedlicher Prognose und unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten haben. Gerade der Pathologe spielt bei der Unterscheidung dieser Subtypen des Mammakarzinoms eine zentrale Rolle, da er in der Biopsie die Diagnose am Gewebe stellt und durch Beurteilung der Morphologie des Tumors, immun-histochemische Färbemethoden und molekularpathologischen Untersuchungen spezifische Veränderungen des jeweiligen Tumors nachweisen kann.  Bereits seit über 20 Jahren wird z.B. die Expression der Hormonrezeptoren bestimmt, und entsprechend des jeweiligen Ergebnisses eine antihormonelle Therapie durchgeführt. Auch die Bestimmung einer Genamplifikation des HER2-Onkogens als Voraussetzung für eine Therapie mit gegen HER2 gerichtete Antikörper (z.B. Trastuzumab) ist bereits seit 10 Jahren klinische Praxis.
Durch neue molekulargenetische Methoden ist es seit einigen Jahren jedoch möglich, die Expression aller Gene im Tumorgewebe zu bestimmen. Mit der Methode der sogenannten Hochdurchsatz-Sequenzanalyse können zusätzlich alle Mutationen im Tumorgewebe bestimmt werden. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten der genetischen Analyse beim Mammakarzinom.

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10 Jahre Zertifizierte Brustzentren (DKG/DGS) – die deutsche Erfolgsgeschichte

Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener,  Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Se-nologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Das Mammakarzinom ist die häufigste maligne Tumorerkrankung der Frau. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts erkranken in der Bundesrepublik im Jahre 2012 etwa 74.500 Frauen neu an Brustkrebs, weltweit werden 1,4 Millionen Fälle diagnostiziert, 450.000 davon verlaufen tödlich. Es erkrankt somit durchschnittlich jede 8. Frau im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs. Um die Qualität von Strukturen, Prozessen und Ergebnissen bei der Diagnostik und Behandlung des Mammakarzinoms zu sichern, hat die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) in Partnerschaft mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) vor zehn Jahren ein System zur Zertifizierung von Brustzentren entwickelt und implementiert.
Die ersten Kliniken wurden nach diesem Schema im Jahr 2003 zertifiziert. Im Jahr 2014 sind es bundesweit 274 nach DKG/DGS zertifizierte Zentren, und sogar das Internet-Portal Wi-kipedia hat den zertizifierten Brustzentren eine ausführliche eigene Seite gewidmet – ein Zeichen dafür, dass zertifizierte Brustzentren heute, nach erstaunlich kurzer Einführungszeit, aus der Versorgungswirklichkeit in Deutschland nicht mehr wegzudenken sind. Heute lässt sich der Großteil aller Patientinnen (2011 86,2%, 2014 über 90%) mit einem primären Mammakarzinom in einem zertifizierten Brustzentrum therapieren, das eine Versorgung nach definierten Qualitätskriterien und orientiert an den aktuellsten Leitlinien gewährleistet.

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Genanalysen – bieten sie Möglichkeiten für eine personalisierte Therapie?

Professor Sara Y. Brucker, Schriftleiterin Zeitschrift Senologie, Ärztliche Direktorin am Forschungsinstitut für Frauengesundheit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen   

Neben lokalen therapeutischen Maßnahmen (Operation, Bestrahlung) kommen bei der Be-handlung von Brustkrebs systemische, also medikamentöse Therapien zum Einsatz (endokrine Therapie, HER2-zielgerichtete Therapie und Chemotherapie). Jede Therapie hat spezifische Nebenwirkungen. Zugleich ist der absolute Nutzen einer Therapie vom individuellen Rezidiv-Risiko einer Patientin abhängig. Mit anderen Worten: Patientinnen mit hohem Risiko werden eher dazu bereit sein, die Nebenwirkungen einer systemischen Behandlung in Kauf zu nehmen als Patientinnen mit geringem Risiko.

Vor diesem Hintergrund schätzen prognostische Biomarker den Krankheitsverlauf ein und beantworten die Frage, wer eine systemische Behandlung benötigt. Prädiktive Faktoren hingegen dienen zur Abschätzung der Effektivität einer spezifischen Therapie und sagen uns, welche Therapie die richtige ist. Allen Biomarkern ist zudem gemeinsam, dass sie im Kontext der jeweiligen Krankheitssituation interpretiert werden müssen. Klassische prognostische Faktoren sind beispielsweise Tumorgröße und Lymphknotenbefall.

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Ist das Screening heute noch sinnvoll? Wie steht es um das deutsche Mammographie-Screening-Programm (MSP)?

Prof. Dr. Sylvia H. Heywang-Köbrunner, Leiterin Referenzzentrum Mammographie München

Ist das Screening heute noch sinnvoll? In zunehmendem Maße wird das Mammographie-Screening mit folgenden Argumenten kritisiert: „keine/unzureichende Mortalitätsreduktion“, unverhältnismäßig „hoher Schaden durch “Überdiagnosen“ oder „Abklärungen“ oder „die Mortalitätsreduktion sei ausschließlich auf Chemotherapie zurückzuführen“. Unter Berücksichtigung aller und insbesondere auch neuester Publikationen ist die internationale Datenlage nicht korrekt wiedergegeben. Die ältesten Daten beziehen sich auf 8 randomisierte Studien, die vor über 30 Jahren (auf der Datenlage einer unvergleichbar schlechteren Mammographie-Technik) durchgeführt wurden. Einer der Screening-Kritiker, Goetzsche schließt für seine Nutzen-Schaden-Bewertung des Mammographie-Screenings 6 von 8 dieser Studien aus und zitiert ausschließlich die sog. „Canada“-Studie sowie eine späte randomisierte Studie aus Malmö als „qualitativ gut“. Dieses Vorgehen sowie die dafür zugrunde liegenden Argumente sind in der Fachwelt höchst umstritten. Das neutrale „UK-Panel“ beispielsweise hat dem klar widersprochen.  Inzwischen liegen (neben den jährlichen Cochrane-Reports von Goetzsche und der mit niedrigem Evidenzlevel einzustufenden Expertenmeinung des „Swiss Medical Board ) mehrere Metaanalysen und systematische Reviews zu den alten randomisierten Studien vor (z.B. unabhängiges UK-Panel 2012, Nickson et al. 2012, EUROSCREEN 2012, Health Council of the Netherlands, WHO Position Paper 2014/ in Druck). Alle Untersuchungen bestätigen, dass entsprechend den alten Daten die Mortalität durch qualitätsgesichertes Mammographie-Screening um ca. 20% gesenkt wird - und zwar im Vergleich der Gruppe eingeladener Frauen versus nicht-eingeladener Frauen. Da nur ca. 70% der eingeladenen Frauen teilnahmen, leitet sich für die tatsächlich teilnehmende Frau eine Mortalitätssenkung um ca. 30% ab.

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Partikelstrahlentherapie – die Zukunft in der Radioonkologie?

Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabilic, Schriftführerin der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gie-ßen/Marburg

Die Partikelstrahlentherapie mit Protonen und Kohlenstoffionen ist eine neue Form der perkutanen (=durch die Haut gehenden) Strahlentherapie.  Beide Partikel ermöglichen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften eine gegenüber der Strahlentherapie mit Photonen veränderte und besonders präzise räumliche Dosisverteilung. Dadurch kann die Bestrahlungsdosis in gesunden Organen reduziert werden – auch wenn sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tumor befinden.
Die Strahlentherapie mit Kohlenstoffionen unterscheidet sich von Photonen zusätzlich durch ihre erhöhte relative biologische Wirksamkeit, d.h. dass ihre zellabtötende Wirkung im Gewebe stärker ist als bei Protonen und Photonen. Es wird dabei ein differentieller Effekt im Tumor (erhöhter Effekt) und im gesunden Gewebe (gegenüber dem Tumor niedrigerer Effekt) angenommen.
Durch diese besonderen physikalischen und biologischen Eigenschaften der Partikel erhoffen sich die Radioonkologen eine Verringerung der therapiebedingten Nebenwirkungen und eine noch bessere Chance der Tumorheilung als bisher bereits möglich.

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Zielgerichtete Therapien – schon für jede Patientin möglich?

Professor Dr. med. Hans Tesch, Co-Kongresspräsident 2014 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Hämatologisch-Onkologische Gemeinschaftspraxis am Bethanien-Krankenhaus, Frankfurt a.M.

Bei der zielgerichteten Therapie werden Medikamente benutzt, die definierte Strukturen in der Tumorzelle angreifen. Im idealen Fall ist diese Therapie tumorspezifisch und greift nicht die gesunden Zellen an – im Gegensatz zur Chemotherapie. Die ideale zielgerichtete Therapie ohne Nebenwirkungen gibt es leider noch nicht. Allerdings konnten durch das verbesserte Verständnis der Tumorbiologie in den letzten Jahren wichtige Moleküle und Signalwege in den Tumorzellen identifiziert werden, die für die Entstehung, das Wachstum und die Metas-tasierung der Zellen verantwortlich sind. Durch die Kenntnis dieser Signalwege konnten dann neue Medikamente, zum Beispiel Antikörper bzw. Enzyminhibitoren entwickelt werden, die gezielt Tumorzellen hemmen.
Beim Mammakarzinom unterscheiden wir anhand der Rezeptoren drei biologische Subgruppen: 1) Hormonrezeptor-positive Mammakarzinome (65 %), 2) Her2 positive Mamma-karzinome (ca. 20 %) und 3) die sogenannten „ triple negativen“ Mammakarzinome (15 %). Für die triple negative Gruppe wurde bisher kein spezifischer Rezeptor oder Signalweg gefunden; daher wird in dieser Gruppe weiterhin die alleinige Chemotherapie durchgeführt. Die Hormonrezeptor-positive Gruppe wird mit der ältesten (seit 1977!) zielgerichteten Therapie sehr erfolgreich behandelt, nämlich der antihormonellen Therapie, zum Beispiel mit Tamoxifen oder Aromatasehemmern. Diese führen zur Blockade der Hormonrezeptoren oder hemmen die Hormonproduktion.

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Pressekontakt für Rückfragen

Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Annette Affhüppe
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10117 Berlin
Tel: +49 (0) 30 514 88 33 33
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19. Juni 2014 - Einladung zur Kongress-Pressekonferenz

19. Juni 2014 - Einladung zur Kongress-Pressekonferenz

Sehr geehrte Medienvertreter,

zur Pressekonferenz im Rahmen der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) am 19. Juni 2014 in Berlin möchten wir Sie herzlich einladen. Der Senologiekongress findet vom 19. bis 21. Juni 2014 im City Cube in Berlin statt. Eine Übersicht der geplanten Themen und Referenten der Pressekonferenz bietet Ihnen das unten stehende Programm. Falls Sie Ihre Teilnahme an der Jahrestagung der DGS noch nicht bestätigt haben, akkreditieren Sie sich bitte per E-Mail, Fax oder auf dem Postweg. Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne telefonisch unter Tel: 030-514 88 33 33 an uns.

Wir freuen uns auf interessante Kongresstage mit Ihnen in Berlin.

Freundliche Grüße
Ihre DGS-Pressestelle
Annette Affhüppe

Programm der Kongress-Pressekonferenz
anlässlich der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS)

Termin: Donnerstag, den 19. Juni 2014, 10.30 bis 11.30 Uhr
Ort: Saal M8, CityCube Berlin

Themen und Referenten
Tumor ist nicht gleich Tumor – Wie sich die Molekulare Subtypisierung beim Mammakarzinom nutzen lässt
Professor Dr. med. Arndt Hartmann, Kongresspräsident 2014
der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen

10 Jahre Zertifizierte Brustzentren – die deutsche Erfolgsgeschichte
Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Genanalysen – Welche Möglichkeiten bieten sie für eine zielgerichtete Therapie?
Professor Sara Y. Brucker, Schriftleiterin Zeitschrift Senologie, Ärztliche Direktorin am Forschungsinstitut für Frauengesundheit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Irritationen im Mammographie-Screening in Deutschland – aktuelle Fälle und allgemeine Grundsätze
Prof. Dr. med. Rüdiger Schulz-Wendtland, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Oberarzt am Radiologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen und Professor Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München (angefragt)

Schwerionen – die Zukunft in der Radiologie? (angefragt)
Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabilic, Schriftführerin der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen/Marburg

Zielgerichtete Therapien – schon für jede Patientin möglich?
Professor Dr. med. Hans Tesch, Co-Kongresspräsident 2014 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Hämatologisch-Onkologische Gemeinschaftspraxis am Bethanien- Krankenhaus, Frankfurt a.M.

Antwortformular und Auszug der Einladung als Download (PDF)

 

Pressekontakt für Rückfragen

Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Annette Affhüppe
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Pressemitteilungen 2013

27. Juni 2013 - Pressetexte zur Kongress-Pressekonferenz

27. Juni 2013 - Pressetexte zur Kongress-Pressekonferenz

Mastektomie – Möglichkeiten der Wiederherstellung
Professor Dr. med. Axel-Mario Feller, Kongresspräsident 2013 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Gemeinschaftspraxis für Ästhetisch-Plastische Chirurgie Prof. Feller und Prof. Heitmann München

Die Brustrekonstruktion ist heute ein integraler Bestandteil jeder modernen operativen Therapie bei Brusterkrankungen. Es gibt eine Vielzahl von Rekonstruktionsmethoden. Prinzipiell unterscheiden wir zwei Hauptverfahrensweisen: die Rekonstruktion mit Implantaten und die Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile und sind auch nicht bei jeder Patientin anwendbar. Mit einem Implantat wird ein Fremdkörper implantiert, der natürlich zu Fremdkörperreaktionen und entsprechenden Problemen führen kann. Andererseits ist es ein schnelles Verfahren im Vergleich zu Operationsverfahren ohne zusätzliche Narben an anderen Körperstellen.  Bei der Eigengeweberekonstruktion muss man zur Entnahme des eigenen Gewebes an einer anderen Körperstelle eine Narbe setzen. Der große Vorteil dieses Verfahrens ist jedoch, dass die Brust mit körpereigenem Fettgewebe rekonstruiert wird und daraus ein wesentlich natürlicheres Formverhalten der Brust resultiert und auch die Fremdkörperreaktionen entfallen.
Welches Verfahren bei welcher Patientin zur Anwendung kommt, hängt nicht nur von onkologischen und anatomischen Voraussetzungen ab, sondern muss sehr individuell in einem Gespräch mit der jeweiligen Patientin erarbeitet werden. Um der Patientin auch die Möglichkeit zu geben, selbst mitzuentscheiden, sollte auf jeden Fall jeder Patientin die gesamte Palette der Rekonstruktionsmöglichkeiten vorgestellt werden, um dann mit ihr das für Sie geeignetste Rekonstruktionsverfahren festzulegen. Dies bedarf einer großen klinischen Erfahrung.

Download Bericht Prof. Feller als Download (PDF)

 

Operationsrisiken vermeiden durch Sentinel Node Biopsien
Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen und Dr. med. Gisela Helms, Oberärztin an der Universitätsfrauenklinik Tübingen

Der Lymphknotenstatus ist einer der wesentlichen Prognosefaktoren beim Mammakarzinom. Ob und wie viele Achsellymphknoten Metastasen (Absiedlungen des Brustkrebs) haben, nimmt wesentlichen Einfluss auf die gesamte Behandlung der Brustkrebserkrankung.
Wie ausgedehnt soll in der Achselhöhle operiert werden? Welche medikamentöse Behandlung soll erfolgen? Ist eine Chemotherapie nötig? Sollen weitere Lymphknotenstationen bestrahlt werden? Zur Beantwortung aller dieser Fragen ist der Lymphknotenstatus ein ganz wesentlicher Parameter.
Bis etwa zur Jahrtausendwende wurden die Achsellymphknoten der betroffenen Seite weitestgehend entfernt. Funktionelle Beschwerden wie Schwellungen (Lymphödem) oder Gefühlsstörungen im Arm, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Schulterbereich der gleichen Seite bedeute(te)n so für die betroffenen Frauen die stärksten Langzeitprobleme und wesentlichsten Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, weit vor möglichen kosmetischen Beeinträchtigungen nach einer Brust-OP.

Bericht Prof. Wallwiener und Dr. Helms als Download (PDF)

 

Mammographiescreening 2013: Fortschritte und Grenzen
Professor Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München

Trotz der durch viele Faktoren steigenden Zahl an Mammakarzinomen sinkt in den westlichen Ländern die Mortalität am Mammakarzinom. Unbestreitbar gilt weiterhin: Die Überlebenschancen und die Möglichkeit zu schonender Behandlung wachsen je früher Brustkrebs entdeckt wird. Erstmalig wurden Ende 2012 die wichtigen internationalen Daten durch eine vollständig unabhängige Expertenkommission (1) überprüft und evaluiert. Hierbei bestätigt sich:

Durch regelmäßige Screeningteilnahme ist eine signifikante Senkung der Sterblichkeit am Brustkrebs für die Screening-Teilnehmerin zu erwarten. In randomisierten Studien mit ca. 70% Teilnahme ergab sich eine Reduktion der Sterblichkeit von 20%. Dieses entspricht für tatsächliche Teilnehmerinnen einer Reduktion um ca. 30%. Diese Ergebnisse beruhen auf den sichersten verfügbaren Daten, denen der ca. 30 Jahre alten randomisierten Studien (1). Die von der britischen Regierung berufene unabhängige Expertenkommission weist darauf hin, dass technologische Fortschritte der Mammographie hierbei noch gar nicht berücksichtigt sind. Sie bestätigt auch, dass das Screening ein unabhängiger Faktor zur Senkung der Sterblichkeit ist. Die Fortschritte der Therapie wirken unabhängig hiervon auf die Sterblichkeitssenkung. Beides bleibt weiterhin unverzichtbar. Neueste Daten aus 18 Screeningländern besagen sogar, dass bei qualitätsgesicherten Programmen des europäischen Screenings eine 43%ige Mortalitätsreduktion erreicht wird.

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Intraoperative Bestrahlung – welche Erfolge können wir vorweisen?
Professor Dr. med. Wilfried Budach, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Düsseldorf

Die intraoperative Radiotherapie (IORT) steht in einer zunehmenden Anzahl von Brustzentren zur Verfügung. Der Vorteil einer IORT gegenüber einer Bestrahlung von außen nach der Operation besteht darin, dass unmittelbar nach chirurgischer Entfernung des Tumors aus der Brustdrüse das Bestrahlungsareal intraoperativ definiert werden kann. Damit ist sichergestellt, dass das unmittelbar an den Tumor angrenzende Gebiet, welches die höchste Wahrscheinlichkeit verbliebener Tumorzellen ausweist, durch die intraoperative Strahlentherapie sicher erfasst werden kann. Technisch stehen für diese Bestrahlungsart zwei Verfahren zur Verfügung: die Bestrahlung mit schnellen Elektronen mittels eines im OP installierten Elektronenbeschleunigers oder die Bestrahlung mit 50 kV Röntgenstrahlung mit einer im OP installierten Bestrahlungsvorrichtung. Der Einsatz kann sowohl als Dosisaufsättigung (Boost) vor geplanter Bestrahlung der gesamten Brust oder auch als alleinige lokale Strahlentherapie erfolgen. Während der Einsatz der IORT als Boosttherapie bereits als etabliert gelten kann und zu sehr niedrigen Rückfallraten in der Brust führt, ist der Einsatz der IORT als alleinige Strahlentherapie ohne nachfolgende Ganzbrustbestrahlung noch umstritten. Der alleinige Einsatz der IORT ist für die Patienten insoweit besonders interessant, da eine mehrwöchige Strahlentherapieserie, die sonst postoperativ notwendig wäre, unter Umständen entfallen kann und den Patientinnen die damit verbundenen Belastungen erspart bleiben. Die aktualisierten Ergebnisse von zwei randomisierten Studien zu dieser Fragestellung auf wurden auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2012 und auf dem 2nd ESTRO Forum in Genf im April 2013 vorgestellt.

Bericht Prof. Budach als Download (PDF)

 

Die Bedeutung zirkulierender Tumorzellen im Blut bei Patientinnen mit Brustkrebs: Verändert der CTC-Test Prognosen und Therapien?
Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Universitätsklinikum, Heidelberg

Bei Patientinnen mit Brustkrebs streuen Tumorzellen frühzeitig über das Blut und bilden Metastasen. Das  von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zugelassene CellSearch™ System erlaubt den standardisierten und automatisierten, immunzytochemischen Nachweis dieser zirkulierenden Tumorzellen im Blut (circulating tumor cells, CTC) bei Patientinnen mit Brustkrebs (Riethdorf 2007). Dieser Nachweis von CTC erlangt eine zunehmende Bedeutung sowohl zur Abschätzung der Prognose bei der Erstdiagnose von Brustkrebs und in der metastasierten Situation als auch zum Therapiemonitoring und bei der Suche nach neuen Therapien.
Obwohl in ersten Untersuchungen der Nachweis von CTC bei Patientinnen mit Erstdiagnose eines Brustkrebses mit einem schlechteren Überleben einherging (Rack 2010), gibt es bisher keine Bestätigung dieser Untersuchungsergebnisse, so dass aus dem Nachweis von CTC bei Ersterkrankung derzeit keine therapeutischen Konsequenzen gezogen werden können. Diese Frage wird aber gegenwärtig in der SUCCESS-C Studie (Studienleiter: Prof. Wolfgang Janni, Ulm) und in der 2013 startenden TREAT CTC-Studie (Studienleiterin: Frau PD Dr. Brigitte Rack, München) untersucht.

Bericht Prof. Schneeweis als Download (PDF)

 

Erblicher Brustkrebs: Welche Risiken bestehen bei BRCA Genmutationen und was kann Frau tun
Professor Dr. med. Marion Kiechle, Co-Kongresspräsidentin 2013 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Frauenklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Hintergrund: Frauen mit einer erblichen Veranlagung (Keimbahnmutationen in den Genen BRCA1 oder BRCA2) haben ein hohes Risiko in ihrem Leben an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken (80% bzw. 60%). Trotz vorliegender erblicher Veranlagung erkranken nicht alle Frauen an Krebs. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es Faktoren geben muss, die das Krebserkrankungsrisiko beeinflussen können. Erste Beobachtungen haben ergeben, dass Frauen mit erblicher Veranlagung weniger häufig an Krebs erkranken, wenn sie in der Jugend körperlich aktiv waren.

Brustkrebs und körperliche Aktivität: Beim nicht erblichen Brustkrebs Mammakarzinom wird das Krebserkrankungsrisiko und auch der Krankheitsverlauf entscheidend von der körperlichen Aktivität, der Ernährung und auch dem Körpergewicht beeinflusst. In einer Vielzahl von prospektiven Studien konnte demonstriert werden, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Brustkrebsinzidenz signifikant senken kann, wobei das Risiko sich im Durchschnitt um 25% verringert. Auch sind das Rückfallrisiko und die Mortalität bei an Brustkrebs erkrankten Frauen um 50% gesenkt, wenn sie regelmäßig Sport betreiben. Weitere Vorteile sind ein Gewinn an Lebensqualität, eine Steigerung der Fitness und eine bessere Verträglichkeit der Chemotherapie.

Bericht Prof. Kiechle als Download (PDF)

 

Pressekontakt für Rückfragen

Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V.
Annette Affhüppe
Hausvogteiplatz 12
10117 Berlin
Tel: +49 (0) 30 514 88 33 33
Fax:+49 (0) 30 514 88 344
E-Mail: presse(at)senologie.org
Internet: www.senologie.org

27. Juni 2013 - Einladung zur Kongress-Pressekonferenz

27. Juni 2013 - Einladung zur Kongress-Pressekonferenz

Programm der Kongress-Pressekonferenz

anlässlich der 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) Termin: Donnerstag, den 27. Juni 2013, 10.30 bis 11.30 Uhr
Ort: Saal 22a, ICM Internationales Congress Center München

Themen und Referenten

Bilaterale Mastektomie – Möglichkeiten der Wiederherstellung
Professor Dr. med. Axel-Mario-Feller, Kongresspräsident 2013  der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Gemeinschaftspraxis für Ästhetisch-Plastische Chirurgie Prof. Feller und Prof. Heitmann München

Erblicher Brustkrebs: Welche Risiken bestehen bei BRCA Genmutationen und was kann Frau tun?
Professor Dr. med. Marion Kiechle, Co-Kongresspräsidentin 2013  der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Frauenklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Operationsrisiken vermeiden durch Sentinel Node Biopsien
Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener,  Vizepräsident der   Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und Dr. med. Gisela Helms, Oberärztin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen

Mammographie-Screening in Deutschland – aktueller Stand nach 8 Jahren Professor Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München

Intraoperative Bestrahlung – welche Erfolge können wir vorweisen? (angefragt)
Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf

Zirkulierende Tumorzellen – wird Brustkrebs künftig durch einen Bluttest frühzeitig erkannt werden? (angefragt)
Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum, Heidelberg

Antwortformular und Auszug der Einladung als Download (PDF)

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Einladung zur 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie

Einladung zur 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie

Termin: 27. bis 29. Juni 2013
Ort: ICM-Internationales Congress Center München

Sehr geehrte Journalisten,

mit jährlich fast 74.500 Neuerkrankungen an Brustkrebs ist das Mammakarzinom die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau. Über die Lebenszeit betrachtet erkrankt jede achte Frau in Deutschland daran. Rund 17.000 Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen der Erkrankung, sodass die Verlängerung der Lebensdauer, Steigerung der Lebensqualität und Früherkennung wichtige Themen für die medizinische Forschung und Versorgung sind.

Der Anteil der geheilten Patientinnen ist in den letzten Jahren signifikant gestiegen, neben dem Einsatz der neo- als auch adjuvanten Therapie gilt als ein Grund das Mammografie-Screening, das zwischen 2004 und 2009 bundesweit eingeführt wurde. Nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes (RKI) können durch das Mammografie-Screening-Programm in Deutschland rund 2.000 Frauen jährlich mehr den Brustkrebs überleben. Weitere wichtige Themen des Kongresses sind die 1-Jahres-Bilanz der S3-Leitlinie Mammakarzinom und die Ergebnisse der Translationalen Forschung.

Als Medienvertreter laden wir Sie herzlich ein, den Kongress persönlich zu besuchen, für Ihre Recherchen zu nutzen und darüber zu berichten. Zur Kongress-Pressekonferenz laden wir Sie noch gesondert ein. Falls Sie Ihre Teilnahme noch nicht bestätigt haben, können Sie sich auf dem unten stehenden Formular akkreditieren. Für Rückfragen können Sie sich jederzeit gerne unter 030-514 88 3333 oder presse(at)senologie.org an uns wenden.

Wir freuen uns auf ein Treffen in München!

Freundliche Grüße

Annette Affhüppe
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS)

Einladung und Rückfax als Download (PDF)

Pressemitteilungen 2012

12.01.2012 - Skandal um Brustimplantate: Viele Frauen haben Angst Von Christiane Löll, dpa

Skandal um Brustimplantate: Viele Frauen haben Angst Von Christiane Löll, dpa

Der Skandal um minderwertige Silikonkissen verunsichert viele Frauen - auch Krebspatientinnen. Dabei sind Brustimplantate an sich "kein Teufelsding", wie Experten betonen.

Berlin (dpa) - Seit dem offiziellen Rat an Frauen, sich Silikonkissen der Firmen PIP und Rofil lieber entfernen zu lassen, stehen die Telefone bei den Fachgesellschaften nicht still. "Wir haben nun zahlreiche Anrufe von Frauen, teilweise in Panik, die Implantate anderer Hersteller tragen und sehr besorgt sind", sagt Prof. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) mit Sitz in Berlin.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM,Bonn) hatte kürzlich empfohlen, die PIP-Silikonkissen herausoperieren zu lassen. Auch ohne Risse könne gesundheitsgefährdendes Silikon austreten. Die Experten sprechen dabei von "Ausschwitzen". Ein Zusammenhang zwischen den Implantaten und Krebs wird befürchtet, bewiesen ist er aber nicht. Fachgesellschaften raten zu einer "Entfernung ohne Eile".

In den PIP-Implantaten war teilweise minderwertiges Industriesilikon anstelle von medizinischem Silikon verwendet worden. Ihr Einsatz war bereits im April 2010 europaweit untersagt worden. Die niederländische Firma Rofil hat dem Bundesinstitut zufolge solche Implantate bei PIP eingekauft und unter eigenem Namen vertrieben.

Silikon-Brustimplantate werden zur Vergrößerung von Brüsten aus ästhetischen Gründen verwendet - aber nicht nur. Wallwiener mahnt zur Besonnenheit. "Per se sind Brustimplantate ja kein Teufelsding. Frauen nach einer Brustkrebserkrankung oder mit gutartigen Fehlbildungen der Brust können dadurch ein ganzes Stück Lebensqualität wiedererlangen", sagt der Ärztliche Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Tübingen.

"Dazu muss man wissen, dass früher alle Brustimplantate aus Silikon unter Umständen nach 10 bis 15 Jahren gewechselt werden mussten. Darüber werden die Frauen vor der Operation aufgeklärt." Inzwischen habe sich die Qualität des Materials jedoch verbessert. "In vereinzelten Fällen kann es sein, dass nachoperiert werden muss, weil sich die Brust verformt, entzündet oder schmerzhaft ist oder sich eine Bindegewebskapsel um das Implantat bildet."

Solch eine Kapselfibrose könne sich über viele Jahre entwickeln, Symptome seien Verformungen und Schmerzen. "Die Ursache ist, dass der Körper der Frau die Prothese als Fremdkörper ablehnt und darauf reagiert." Risse in den Silikonkissen kämen bei den nun gängigen Produkten nur zu wenigen Prozenten vor. Zu den weiteren Herstellern von Brustprothesen gehören unter anderem die Firmen Allergan und Mentor aus den USA, sowie das deutsche Unternehmen Polytech Health & Aesthetics GmbH aus dem hessischen Dieburg.

Die Implantate sind demnach entweder rund oder tropfenförmig("anatomisch geformt"), das Silikongel wird von einer festen Silikonhülle umgeben. Diese sei bei tropfenförmigen Implantaten angeraut, um eine bessere Haftfähigkeit zu gewährleisten.

Der Ratschlag der Fachgesellschaften lautet, von einem Arzt untersuchen zu lassen, ob Implantate möglicherweise gerissen sind und sich Silikon in der Brust verteilt hat. "Hinweise beim Abtasten sind Knoten, Verformungen, Rötungen oder Schwellungen. Mit Ultraschall oder der teureren Kernspintomographie kann man untersuchen, ob Flüssigkeit aus den Implantaten ausgetreten ist", sagt Prof. Peter Vogt, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Doch könnten die Ärzte nicht 100-prozentig feststellen, ob dies der Fall sei.

Auch die Fachgesellschaften lassen sich nun von Werkstoffexperten beraten, was die Eigenschaften des Industriesilikons angeht, das unerlaubterweise verwendet wurde. Unklar sei, ob und wie toxisch es für den Körper ist. Vogt ruft dazu auf, bei Implantatswechseln das umliegende Brustgewebe der Frauen im Labor untersuchen zu lassen, um Erkenntnisse über mögliche Schäden zu gewinnen.

Welche Möglichkeiten aber haben Frauen, die nun ganz auf Silikon in ihren Brüsten verzichten wollen? "Es gibt Implantate mit Kochsalzlösung, die haben aber auch eine Silikonhülle und wirken nicht so natürlich. Viele Frauen wollen diese nicht", sagt Vogt von der Medizinischen Hochschule Hannover. Bei Sojaöl-Prothesen war bereits vor Jahren die Entfernung empfohlen worden, weil eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte. Weitere Verfahren wie eine Brustvergrößerung durch Unterdruck, Fettinjektionen oder das Spritzen von Füllmaterialien wie Hyaluronsäure würden derzeit noch nicht von der DGPRÄC empfohlen, weil keine Langzeitergebnisse vorlägen.

Nach Brustkrebsoperationen bestehe auch die Möglichkeit, die Brust durch körpereigenes Gewebe der Patientin wieder aufzubauen, sagt Wallwiener. "Dabei werden Haut-Muskel-Gewebe-Lappen von anderen Körperregionen entnommen, beispielsweise dem Rücken oder dem Bauch. Diese Operationen sind aber aufwendig und kommen eher nicht infrage, wenn eine Frau sich aus kosmetischen Gründen die Brust vergrößern lassen möchte." Weil es kein zentrales Register gibt, ist die Gesamtzahl der jährlich eingesetzten Brustimplantate unklar. Weltweit sollen zwischen 400 000 und 500 000 Frauen Implantate der französischen Firma Poly Implant Prothèse erhalten haben. Ende.

Stand: Januar 2012

Mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Hamburg, www.dpa.de.

01.03.2012 - EU-Statistik zur Brustkrebs-Todesrate: Deutschland ist kein Schlusslicht - Pressestelle DGS

EU-Statistik zur Brustkrebs-Todesrate: Deutschland ist kein Schlusslicht

Berlin, 1. März 2012 – Deutschland hat nicht die höchste Brustkrebs-Todesrate in Europa, wie eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Annals of Oncology“ vermuten lässt. Die dort vorgestellte Hochrechnung basiert auf statistischem Zahlenmaterial aus unterschiedlichen Jahren und von unterschiedlichster Qualität. Davon basieren nur die Daten zweier Länder, Deutschland und Großbritannien, auf Krebsregister-Daten, also großen Kollektiven. Die anderen stammen aus kleinen Kollektiven. Eine realistische Hochrechnung ist auf Basis solch unterschiedlicher Daten nicht möglich. Überdies berücksichtigt die Veröffentlichung nicht die ersten positiven Effekte durch das Mammografie-Screening und die Behandlung in Brustzentren.

Seit der Zertifizierung der Brustzentren in Deutschland wird ein Großteil der Betroffenen in diesen interdisziplinären Tumorzentren behandelt: 2008 waren es 77 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen, 2011 sogar mehr als 90 Prozent. Aktuelle Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften „The Breast“ und „Onkologie“ zeigen, dass die Behandlung in zertifizierten Brustzentren einen signifikanten positiven Einfluss auf das Gesamtüberleben hat. Eine Studie von Beckmann et al., die im Juni 2011 in „Onkologie“ veröffentlich wurde, untersuchte die Daten von 3.940 Patientinnen mit einem primären, nicht metastasierten Mammakarzinom des klinischen Krebsregisters Mittelfranken. Die Experten analysierten in ihrer Arbeit, ob anamnestische Faktoren, Tumorcharakteristika und Ergebnisqualität und mit der Versorgung in- und außerhalb zertifizierter Brustzentren korreliert. Ergebnis: Die Versorgung in einem zertifizierten Brustzentrum zeigt unabhängig von den klassischen Prognosefaktoren eine Verbesserung der Prognose von Mammakarzinom-Patientinnen. Dieses könne durch die qualitätsgesicherte Versorgung basierend auf dem Zertifizierungsprozess erklärt werden. Die Arbeit in der Fachzeitschrift „The Breast“ zeigt am Beispiel eines universitären zertifizierten Brustzentrums, dass fünf Jahre nach Erstdiagnose die durchschnittliche Überlebensrate sogar bei 89,8 Prozent lag. Die positiven Auswirkungen auf die Behandlungsqualität in zertifizierten Brustzentren werden auch durch weitere Studien in den Fachzeitschriften „BMC Cancer“ und „Strahlentherapie und Onkologie“ belegt.

 

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05.07.2012 - Einladung zur Kongress-Pressekonferenz

Einladung zur Kongress-Pressekonferenz anlässlich der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie

Termin: Donnerstag, den 5. Juli 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Saal C 7.3, ICS Internationales Congresscenter Stuttgart

Sehr geehrte Journalisten,

wie sieht die Zukunft der personalisierten Brustkrebstherapie aus? Welche neuen Therapieansätze gibt es beim genetisch bedingten Brustkrebs? Ist die Operation der Axilla noch zeitgemäß? Diesen Fragen gehen Experten im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz anlässlich der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie nach. Darüber hinaus diskutieren sie über Langzeiteffekte der Strahlentherapie und die Auswirkungen des Mammografie-Screenings auf die Früherkennung des Mammakarzinoms.

Zur Kongress-Pressekonferenz am Donnerstag, den 5. Juli 2012, von 11.00 bis 12.00 Uhr, laden wir Sie als Vertreter der Medien herzlich ein. Unabhängig davon haben Sie die Möglichkeit, sämtliche Vorträge des Kongresses zu besuchen. Beiliegend finden Sie eine Übersicht zu Themen und Referenten. Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme auf beigefügtem Antwortformular. Bei Fragen zu Gesprächspartnern oder Terminen erreichen Sie uns auch telefonisch unter 02234-7011-584 oder 0162-1001092.

Ich freue mich auf interessante Gespräche mit Ihnen in Stuttgart.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jakobi
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS)

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05.07.2012 - Kongress-Pressekonferenz

Kongress-Pressekonferenz anlässlich der 32. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie

Termin: Donnerstag, den 5. Juli 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Saal C 7.3, ICS Internationales Congresscenter Stuttgart

Themen und Referenten

Highlights des Kongresses
Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und des Südwestdeutschen Tumorzentrums – Comprehensive Cancer Center Tübingen

Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation: Senkt sie Rezidivraten und erhöht Überlebensraten nachweislich?

Professor Dr. med. Wilfried Budach, Kongresspräsident 2012der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf

Mammographie-Screening in Deutschland:Welchen Stellenwert hat das Screening bei der Früherkennung?

Professor Dr. med. Walter Heindel, Co-Kongresspräsident 2012der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Klinikdirektor am Institut für Klinische Radiologie, Universitätsklinikum Münster

Brusterhaltende Operation beim Mammakarzinom:Ist die Operation der Axilla noch zeitgemäß?

Professor Dr. med. Bernd Gerber, Co-Kongresspräsident 2012der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt, Rostock

Zukunft der personalisierten Brustkrebstherapie: Wie können einzelne Subtypen zukünftig besser behandelt werden?

Professor Dr. med. Dr. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum, Heidelberg

Das genetisch bedingte Mammakarzinom: Neue Risikogene, Therapieansätze und neueste Ergebnisse aus der Früherkennung

Professor Dr. med. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

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09.07.2012 - Brustkrebskongress erfolgreich beendet: Senologen sehen Fortschritte auf hohem Niveau - Pressestelle DGS

Brustkrebskongress erfolgreich beendet:Senologen sehen Fortschritte auf hohem Niveau

Stuttgart/Berlin, Juli 2012 – Brustkrebs wird in Deutschland immer frühzeitiger diagnostiziert, die Therapie hat sich in den letzten Jahren weiter verfeinert und die Überlebenschancen liegen im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau. An der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die vom 5. bis 7. Juli in Stuttgart stattfand, nahmen 2.600 Experten teil. Diese diskutierten in über 105 wissenschaftlichen Sitzungen über neueste Erkenntnisse ihres Fachgebietes. Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) zieht am Ende ihres Jahreskongresses in Stuttgart eine positive Bilanz und rechnet in den nächsten Jahren mit weiteren Verbesserungen.

Nach den neusten Zahlen des Robert Koch Instituts werden in Deutschland im Jahr 2012 ungefähr 74.500 Frauen neu an Brustkrebs erkranken. Rund 70 Prozent von ihnen werden den Krebs mithilfe ihrer Ärzte besiegen. Die Grundlage für diesen Erfolg sieht Professor Dr. med. Wilfried Budach, Kongresspräsident 2012, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf in der fachgebietsübergreifenden Behandlung der betroffenen Frauen. „Mittlerweile werden 92 Prozent aller Frauen an einem Brustzentrum behandelt. Drei Viertel aller Frauen (2009: 73 Prozent) können heute bereits brusterhaltend operiert werden. Mithilfe einer präoperativen Markierung oder intraoperativen Visualisierung des Tumors per Ultraschall ist es heute möglich, den Tumor operativ mit dem notwendigen Sicherheitsabstand zu entfernen – insbesondere, wenn er klein oder schwer palpabel ist. Diese Vorgehensweise erleichtert das Aufsuchen des Tumors und verbessert damit zum einen die diagnostische Sicherheit, vermeidet aber auch die unnötige Entfernung von gesundem Gewebe“, erklärt Professor Dr. med. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen und des Südwestdeutschen Tumorzentrums – Comprehensive Cancer Center Tübingen, zum Abschluss des Jahreskongresses der Fachgesellschaft.“ Wallwiener weiter: Das Risiko für eventuell erforderliche Zweiteingriffe, wenn keine Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand erreicht werden konnte, wird damit deutlich reduziert. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung aus onkologischer Sicht um die brusterhaltende Therapie (BET) einem ablativen Vorgehen, das heißt einer kompletten Entfernung der Brust gleichzusetzen.

Der Brustkrebs hat bei Diagnosestellung häufig schon Mikrometastasen gesetzt. Er ist damit eine generalisierte Erkrankung, die zusätzlich zur lokalen Behandlung, also Operation und  Bestrahlung, eine medikamentöse Therapie erfordert. Die postoperative Therapie mit antihormonell wirkenden Medikamenten, Chemotherapie und dem monkolonalen Antikörper Trastuzumab hat das rückfallfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessert. „Zur Zeit geschieht dies aber noch auf Kosten einer Übertherapie bei vielen Patienten. Um dennoch dem Traum der maßgeschneiderten oder personalisierten Therapie näher zu kommen, das heißt aus dieser länger werdenden Liste von Medikamenten das richtige Medikament für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen, ist eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und der betroffenen Patientin erforderlich. Neue Hochdurchsatzverfahren erlauben uns schon heute, die molekulare Vielfalt des individuellen Brustkrebses besser abzubilden als je zuvor“, sagt Professor Dr. med. Christof von Kalle, Co-Kongresspräsident 2012, Sprecher des Direktoriums des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und Direktor Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Das Ausmaß von Brustkrebsoperationen konnte in den letzten Jahren durch die Einführung der sogenannten Sentinel-Node-Biopsie weiter verhindert werden. „Die gezielte Untersuchung von Lymphknoten im Drainagegebiet der Brustdrüse erspart vor allem im Frühstadium vielen Frauen die radikale Entfernung aller Lymphknoten aus der Achselhöhle und das damit häufig verbundene Lymphödem, das schmerzhafte Schwellungen im Arm zur Folge hat“, so Professor Dr. med. Bernd Gerber, Co-Kongresspräsident 2012 der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt, Rostock.

Die Frühstadien des Mammakarzinoms werden seit der Einführung eines flächendeckenden Mammographie-Screenings im Jahr 2009 immer häufiger gesehen: 35 Prozent der dort entdeckten Tumore sind kleiner als 10 Millimeter und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit heilbar, berichtet Professor Dr. med. Walter Heindel, Co-Kongresspräsident 2012, Klinikdirektor am Institut für Klinische Radiologie, Universitätsklinikum Münster. Er hält es für möglich, dass die Sterblichkeit am Brustkrebs dank der Früherkennung weiter sinken wird. Sichere Erkenntnisse werde es aber erst in einigen Jahren geben. Eine Früherkennung ist wichtig, da sich im Gegensatz zum Frühkarzinom die Therapieergebnisse im fortgeschrittenen Stadium noch nicht ausreichend verbessert haben. Nach einer auf dem Kongress vorgestellten Analyse des Forums Klinischer Krebsregister liegt das 5-Jahres-Überleben unverändert bei 25 Prozent, wenn zum Zeitpunkt der Diagnose bereits andere Organe mit Krebs befallen sind.

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01.08.2012 - Brustkrebs: Personalisierte Behandlung soll Chemotherapie begrenzen

Brustkrebs: Personalisierte Behandlung soll Chemotherapie begrenzen

Berlin, August 2012 – Brustkrebs kann heute, wenn er frühzeitig entdeckt wird, in den meisten Fällen geheilt werden. Mediziner suchen deshalb nach Möglichkeiten, die Therapie auf das notwendige Maß zu begrenzen. Einen Weg verspricht die personalisierte Therapie. Mit ihrer Hilfe soll aus einer länger werdenden Liste von Medikamenten das richtige Medikament für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt ausgewählt werden. Dafür ist eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und der betroffenen Patientin erforderlich. Neue Hochdurchsatzverfahren erlauben schon heute, die molekulare Vielfalt des individuellen Brustkrebses besser abzubilden als je zuvor.

Neben der frühen Diagnose und der rechtzeitigen Operation sind die guten Behandlungsergebnisse beim Brustkrebs im Frühstadium vor allem der sogenannten adjuvanten Therapie zu verdanken, berichtet Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum, Heidelberg. Die adjuvante Therapie erfolgt heute mit Antihormonen, Zytostatika oder monoklonalen Antikörpern. Sie schließt sich an die Operation an und verfolgt das Ziel, bereits im Körper vorhandene Mikrometastasen zu vernichten. Bisher erhielten alle Frauen im selben Brustkrebsstadium die gleiche Therapie. „Nach heutigem Kenntnisstand hat dies häufig eine Übertherapie oder Fehlbehandlung zur Folge“, sagt Schneeweiss: „Einige Patientinnen würden auch mit weniger Medikamenten oder ganz ohne Chemotherapie überleben.

“Eine Unterscheidung gelingt heute zunehmend durch die molekularbiologische  Untersuchung der Tumorzellen. „Sogenannte Genexpressionsanalysen erkennen, welche Gene in den Tumorzellen aktiv sind“, erläutert Prof. Schneeweiss. „Die Gen-Signatur erlaubt dann Rückschlüsse über die Aggressivität der Tumorzellen.“ Studien untersuchen derzeit ob eine „intrinsische Signatur“, „Amsterdam-Signatur“, „Genomic Grade Index“ oder der „Recurrence Score“ erkennen können, welchen Patientinnen künftig eine adjuvante Therapie erspart werden könnte. Prof. Schneeweiss hofft, dass es etwa 15 bis 30 Prozent sein werden, ohne natürlich den Ergebnissen der laufenden Studien vorgreifen zu können. „Es ist höchste Zeit, die one-size-fits-all Strategie bei der Brustkrebsbehandlung zu verlassen“, meint der Experte.

Bei der personalisierten Brustkrebstherapie kommen zunehmend Medikamente zum Einsatz, die nur bei manchen Patientinnen wirken, ohne dass dies immer durch Tests vorhersehbar wäre. Diese Medikamente könnten laut Prof. Schneeweiss am besten im Rahmen einer neo-adjuvanten Therapie eingesetzt werden. Dabei erhalten die Patientinnen die Medikamente vor der Operation. Regelmäßige Untersuchungen von Gewebeproben des Tumors könnten zeigen, ob die Therapie anschlägt. Im Idealfall sind während der Operation keine lebenden Tumorzellen mehr im Tumor nachweisbar. „Wir wissen heute schon, dass das Zerstören aller Krebszellen in der Brust und den Achselhöhlen-Lymphknoten bei einigen Brustkrebsformen die Chance auf Heilung erhöht“, berichtet Prof. Schneeweiss.

Die neuen Konzepte der Brustkrebsbehandlung sind sehr komplex. Ihre Umsetzung wird nach Einschätzung von Prof. Schneeweiss nur in hochspezialisierten Zentren möglich sein. „Ein wichtiger Schritt war die Schaffung sogenannter Comprehensive Cancer Center nach amerikanischem Vorbild“, sagt der Experte: „Dies sind Institutionen wie zum Beispiel das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, in denen Grundlagenforscher und Kliniker unter einem Dach zusammenarbeiten.“

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Pressemitteilungen 2010

25.03.2010 - Neue bundesweite FOCUS-Recherche zum Thema Senologie

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hiermit möchte ich Sie auf die Focus-Ärzterecherche hinweisen, die in Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Senologie und dem Focus durchgeführt wird.

Gerne möchte ich Ihnen die Teilnahme an dieser Recherche empfehlen.

Prof. Dr. Diethelm Wallwiener
Präsident

Focus

Im Rahmen einer groß angelegten Ärzterecherche in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft Senologie untersucht FOCUS medizinische Indikatoren, Qualität und Serviceleistungen der Ärzte und Praxen. Unser Ziel ist es, Patienten wertvolle Informationen für ihre Suche nach dem passenden Spezialisten an die Hand zu geben.

In diesen Tagen werden Sie von FOCUS angeschrieben und gebeten, Angaben zu Ihrem persönlichen Behandlungsspektrum und den Serviceleistungen Ihrer Praxis bzw. Klinikabteilung zu machen.

Nach Ihrer Registrierung erhalten Sie von FOCUS eine persönliche Benutzerkennung. Ihre Daten sind für Dritte nicht einsehbar und werden mit größter Sorgfalt behandelt.

Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit!

Ihre FOCUS Daten-Redaktion

Stand: März 2010