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Aktueller Stand der S3-Leitlinie
Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau
Rolf Kreienberg, Ulm
In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 47.000 Frauen an Brustkrebs, etwa 18.000 versterben jährlich daran. Die manifeste Brustkrebserkrankung beeinträchtigt die Lebensqualität betroffener Frauen in nahezu allen Bereichen. Wie die Prävention und die Früherkennung erfordern auch die Diagnose, die Therapie und die Nachsorge beim Brustkrebs eine multidisziplinäre multiprofessionelle Zusammenarbeit. In die Betreuung der betroffenen Frauen sind chirurgische Fachdisziplinen, die diagnostische Radiologie, die Frauenheilkunde, die Humangenetik, die Internistische Onkologie, die medizinische Informatik, die Pathologie, die Psychoonkologie, die Sozialmedizin und die Strahlentherapie involviert.
Die S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau“ ist ein Instrument zur besseren Versorgung der Patientin mit nachgewiesenem Brustkrebs. Sie dient dazu, den Patientinnen eine dem jeweiligen Stand der Erkrankung angemessene wissenschaftlich begründete, aktuelle Betreuung anzubieten. Die in der nationalen S3-Leitlinie festgelegten Statements berücksichtigen die aktuelle Literatur und Aussagen der internationalen Leitlinien.
Die therapeutischen Interventionen können durch Anwendung der formulierten Statements nach dem individuellen Risiko der Patientin, dem Therapieziel, der ärztlichen Einschätzung, der Nutzen- und Risikobeurteilung insbesondere aber auch entsprechend den Präferenzen der Patientin ausgerichtet werden. Somit ist die jeweils aktuelle Auswahl der Therapieoptionen und der diagnostisch und therapeutischen Interventionsstrategien in den verschiedenen Stadien der Erkrankungen unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Patientin möglich. Die Früh- und Spätfolgen der Therapie werden dargestellt, so können häufige Fehler bei der Behandlungsplanung und Durchführung der Therapie des Mammakarzinoms vermieden werden.
Die einzelnen ärztlichen Maßnahmen in der „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau“ werden nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur geordnet, es werden Ressourcen benannt und Schnittstellen definiert. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass bei der Bearbeitung der nationalen S3-Leitlinie Aussagen und Empfehlungen einer Reihe von internationalen Leitlinien eingearbeitet wurden. Daneben sind die aktuellen Ergebnisse internationaler prospektiv-randomisierter Studien berücksichtigt.
Das Verfahren der Erstellung der S3-Leitlinie ist im Methodenreport publiziert (AWMF, DKG) und entspricht den Anforderungen der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Fachgesellschaften und der internationalen Gesellschaften.
Die Leitlinie ist seit Mai 2004 im Internet abrufbar. Ihre Umsetzung wird bei den qualitätssichernden Maßnahmen in den Brustzentren, z. B. bei der Zertifizierung nach DKG und DGS, geprüft. Sie dient als Grundlage für die Qualitätsindikatoren und Qualitätskontrolle bei Beurteilungen bei der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) und ist beim Disease Management Programm „Mammakarzinom“ (DMP) berücksichtigt.
Größere Studien wurden begonnen, um zu prüfen, in welchem Ausmaß die S3-Leitlinie in die Versorgungsrealität der Bevölkerung Eingang gefunden hat und ob und in welchem Prozentsatz sie umgesetzt wird. Diese Fragen der Versorgungsforschung sind von entscheidender Bedeutung, um nachzuweisen, dass aus dem flächendeckenden Einsatz der S3-Leitlinie auch eine Verbesserung der Versorgungsqualität für die Patientinnen resultiert.
Derzeit wird die S3-Leitlinie überarbeitet. Die Statements werden in ihrer Konstanz und Literatur auf neue Erkenntnisse überprüft. Nach Festlegen dieser Ergebnisse durch Experten aus den verschiedenen mit der Betreuung der mammakarzinombefassten Fachgebiete werden in einem festgelegten Abstimmungsprozess die Statements überarbeitet bzw. ergänzt und die neueste Literatur in die Leitlinie eingearbeitet. Mit der ersten überarbeiteten Version der nationalen S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau“ ist Mitte 2006 zu rechnen.
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg
Universität Ulm
Klinik für Gynäkologie
Prittwitzstr. 43
89075 Ulm
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