06.11.2025 | 2025

Die DGS trauert um Professor Hans-Joachim Frischbier

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) trauert mit Professor Hans-Joachim Frischbier

um eine Persönlichkeit, die diese Fachgesellschaft maßgeblich geprägt hat: Das DGSGründungsmitglied ist am 06.10.2025 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Professor Frischbier gehörte in Deutschland zu den Pionieren der Mammografie und der brusterhaltenden Behandlung des Mammakarzinoms. Er hatte wesentlichen Anteil an der Gründung und dem Aufbau der DGS: 1980 fand in Hamburg unter seiner Präsidentschaft der 1. Internationale Kongress der Senologic International Society (SIS) statt, aus der schließlich die Gründung der DGS hervorging. Als Vorsitzender der ersten Amtsperiode (1981-1987) durfte er insbesondere die Anfänge der Fachgesellschaft maßgeblich prägen.

Der gebürtige Berliner absolvierte nach Abitur und Medizinstudium in Hamburg eine Weiterbildung in Radiologie in Heidelberg. Unter Klaus Thomsen absolvierte Professor Frischbier bis 1968 eine zusätzliche Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und leitete im Nebenamt die Strahlentherapie der Frauenklinik. 1970 wurde er zum Abteilungsvorsteher und 1973 zum Abteilungsdirektor einer neu geschaffenen "Abteilung für Gynäkologische Radiologie" der UniversitätsFrauenklinik Hamburg ernannt. Die Mammografie wurde früher in Deutschland als Screeningmethode abgelehnt. Ab 1971 führte Frischbier eine Screening-Studie mit über 12.000 Frauen und 40.000 Mammografien durch. Nachdem aus anderen Ländern Erfolge publiziert wurden, haben Frischbier, Höffken und Robra die Deutsche Mammographie-Studie (DMS) initiiert. Die damals bekannten Screeningstudien in Schweden und England basierten auf staatlich gelenkten Gesundheitssystemen. Die DMS erprobte flächendeckend und dezentral Qualitätssicherungsmaßnahmen für die Früherkennungs-Mammographie auf den Ebenen Struktur, Prozess und Ergebnis. Diese Studie schuf die Voraussetzungen dafür, dass der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen 2005 ein Mammografie Screening als kassenpflichtige Leistung einführte.

Zusammen mit dem Direktor der Frauenklinik, Klaus Thomsen, und dem Abteilungsdirektor der Abteilung für gynäkologische Histopathologie, Hans-Egon Stegner, wurde 1972 ein Programm zur brusterhaltenden Therapie des kleinen Mammakarzinoms in der Frauenklinik des UKE initiiert. Die Universitätskliniken Hamburg und Heidelberg waren in den siebziger und achtziger Jahren bedeutende Zentren der brusterhaltenden Therapie des Mammakarzinoms. Frischbier hat sich intensiv für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingesetzt: Unter seiner Leitung habilitierten sich Hermann Ulrich Lohbeck, Jens Bahnsen und Ingrid Schreer. Die Habilitationen von Hans Ulrich Ulmer, Ulrich M. Carl und Andreas Krüll wurden von Frischbier wesentlich gefördert. Professor Hans-Joachim Frischbier hat mit seinem außergewöhnlichen Engagement, seiner wissenschaftlichen Weitsicht und seiner menschlichen Integrität die Entwicklung der Senologie in Deutschland entscheidend geprägt. Sein Wirken hat die DGS und viele ihrer Mitglieder nachhaltig beeinflusst und inspiriert. Die DGS ist ihm für seine wegweisenden Verdienste, seine medizinische Exzellenz und seine unermüdliche Arbeit für die Senologie in Deutschland und die Entwicklung der Fachgesellschaft zutiefst dankbar. Die DGS wird Professor Frischbier ein ehrendes Andenken bewahren und sein Wirken in respektvoller Erinnerung halten.

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Bildquelle: © Jens Bahnsen