45. DGS-Kongress setzt Zeichen für die Zukunft der Brustkrebsversorgung

München im Juni 2026 - Mit rund 2.800 Teilnehmenden ist der 45. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) überaus erfolgreich im ICM International Congress Center München zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Leben retten durch Vorsorge, Früherkennung und Interdisziplinarität“ kamen Fachvertretende aus verschiedenen senologischen Bereichen der Medizin, Wissenschaft, Pflege sowie Patientinnenvertretende und Industrie zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik, Therapie und Erforschung von Brusterkrankungen bei allen Geschlechtern zu diskutieren und gemeinsam Lösungen für anstehende Herausforderungen zu entwickeln.
Im Fokus steht die Reduktion der Brustkrebssterblichkeit
Das diesjährige Kongressmotto spiegelt die zentralen Ziele der DGS wider, welche die Teilnehmenden konsequent gemeinsam nachhaltig verfolgen: „Wir wollen die Brustkrebssterblichkeit weiter senken durch mehr Vorsorge mit Bewegung, gesunder Ernährung und Lebensfreude, durch eine konsequente Früherkennung, insbesondere im Mammographie-Screening, sowie durch eine intensivierte interdisziplinäre Diagnostik und Behandlung“, betonte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Prof. Dr. Andreas Schneeweiss (Heidelberg) im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung. Er ergänzte: „Unser Kongress lebt vom interdisziplinären Austausch und dem offenen Dialog mit Patientinnenvertretungen, Wissenschaft, Pflege und unseren Industriepartnern." Gerade der rasante medizinische Fortschritt erfordere gemeinsame Plattformen für den stetigen Wissenstransfer und konstruktive persönliche Begegnungen.
Schneeweiss sprach auch die aktuellen Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung an: Während das medizinische Wissen und die technologischen Möglichkeiten exponentiell zunehmen würden, stünden dem Gesundheitssystem zunehmend begrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung. „Wir müssen gemeinsam Wege finden, um die hochwertige Versorgungsqualität in Deutschland zu sichern. Dafür braucht es nicht nur wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch verantwortungsbewusstes Handeln, kluge Prioritätensetzung und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten“, betonte der DGS Vorsitzende.
Eine eigene wissenschaftliche Sitzung widmete sich dem Status Quo der onkologischen Versorgung aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Perspektive des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) beleuchtete der im Juni 2026 scheidende Prof. Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender des G-BA. Er wies auf den wachsenden onkologischen Versorgungsbedarf unter vermehrtem Einsatz von Kombinationstherapien hin bei einer gleichzeitig wachsenden Deckungslücke im GKV-Bereich. Ohne adäquate Reformen wachse diese bis 2030 auf etwa 40 Milliarden Euro an. Problematisch sei laut Hecken insbesondere eine bundesweit systematisch fehlende Koordination. Patientengruppen bewegten sich weitgehend unkoordiniert zwischen den Leistungserbringern. Zudem würden Vergütungssysteme Aktivität stärker honorieren als den Versorgungserfolg. So käme es in Deutschland nach wie vor zu Über-, Unter- und Fehlversorgung. Die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung sowie sektorale Budgets und Zuständigkeiten erschwerten die integrierte Versorgung, insbesondere bei chronischen und multimorbiden Menschen. Essentiell für die Versorgung sei, das betonte Hecken, Evidenz.
Zum Foto: Prof. Josef Hecken hielt auf dem DGS Jahreskongress 2026 einen seiner letzten leidenschaftlichen Vorträge als G-BA-Chef.
Renate Haidinger, 1. Vorsitzende von Brustkrebs Deutschland e.V., beleuchtete die Perspektive der Betroffenen und forderte bestmögliche medizinische Qualität ab der ersten Behandlung. Noch würden zu viele Menschen mit einer entsprechenden Diagnose außerhalb der zertifizierten Krebszentren behandelt. Prof. Dr. med. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) stellte die aktuellen Herausforderungen aus Sicht der ärztlichen Versorgung vor. Hierzu zählen aus seiner Sicht u. a. neben dem übergeordneten finanziellen Druck auf das Gesundheitswesen, die Berücksichtigung der biologischen Heterogenität, der Umbau der Stationären Versorgung sowie der Ausbau und die Vernetzung der ambulanten Versorgung. Prof. Marcus Schmidt beleuchtete schließlich die Regelungen beim Off-label-Use.
Zum Foto: Renate Heidinger vertrat als 1. Vorsitzende von Brustkrebs Deutschland e.V. über den gesamten Kongress hinweg die Sicht der Betroffenen.
KeynoteLecture: Making the Most out of Breast Imaging
Zu den besonderen Höhepunkten des wissenschaftlichen Programms zählte die Keynote Lecture von MD, PhD Ritse M. Mann aus Nijmegen (Niederlande). In seinem Vortrag „Making the Most out of Breast Imaging“ beleuchtete der international renommierte radiologische Experte die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Brustbildgebung. Dabei zeigte er eindrucksvoll auf, welchen Beitrag moderne bildgebende Verfahren zur Früherkennung, Diagnostik und individualisierten Behandlung von Brusterkrankungen leisten können und welche Potenziale künftig noch durch den Einsatz innovativer Technologien und AI zu erwarten sind.
Zwei Ehrenmitgliedschaften verliehen
Ein besonderer Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war die Verleihung der Ehrenmitgliedschaften der Deutschen Gesellschaft für Senologie an Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Erlangen) und Prof. Dr. Olaf Ortmann (Regensburg). Mit dieser höchsten Auszeichnung der Fachgesellschaft würdigte die DGS zwei Persönlichkeiten mit außerordentlicher Expertise und Sachverstand, die sich in herausragender Weise nachhaltig um die Senologie verdient gemacht haben. Beide Mediziner haben die Entwicklung der Senologie in Deutschland über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt. Durch ihr wissenschaftliches Wirken, ihren Einsatz für die Etablierung und Weiterentwicklung interdisziplinärer Versorgungsstrukturen sowie ihr außerordentliches Engagement in Forschung, Lehre und Patientenversorgung haben sie nachhaltige senologische Impulse gesetzt und die Versorgung unzähliger Patientinnen verbessert. „Mit Prof. Beckmann und Prof. Ortmann ehren wir zwei herausragende Mediziner, die die Senologie in außergewöhnlichem Maße geprägt, Strukturen geschaffen, Wissenschaft gefördert und die Versorgung von Patientinnen nachhaltig verbessert haben. Für ihren unermüdlichen Einsatz für unsere Fachgesellschaft und unser Fachgebiet sind wir ihnen zu großem Dank verpflichtet“, würdigt Prof. Schneeweiss die Verdienste der beiden Ehrenmitglieder.
Zum Foto: Prof. Matthias W. Beckmann (mittig) erhält die DGS-Ehrenmitgliedschaft für seine Verdienste. Die Laudatio hielt Prof. Michael P. Lux (links).
Zum Foto: Prof. Olaf Ortmann (mittig) erhält die DGS Ehrenmitgliedschaft für seine Verdienste. Die Laudatio hielt Prof. Sara Brucker (links).
3 Wissenschaftspreise verliehen
Gleich drei Nachwuchsforschende erhielten den DGS-Wissenschaftspreis. Infrage kamen Originalarbeiten oder Übersichtsartikel, die in ihrer Zusammensetzung bisher nicht berücksichtigte Aspekte eines Problems beleuchten. Die Preise sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert.
Dr. med. Anna Christina Rambow (Universitätsklinikum Schleswig Holstein, Campus Kiel) erhält den 1. DGS-Wissenschaftspreis für die Arbeit zum Thema: „Palbociclib und Birinapant entfalten synergistische antitumorale Effekte beim triplenegativen Brustkrebs präklinische Analyse einer vielversprechenden Wirkstoffkombination“.
Der 2. DGS-Wissenschaftspreis ging an Dr. med. Stefan Rajkovic (Elblandklinikum Radebeul) für die Arbeit zum Thema: „Intraoperative Sentinellymphknotendiagnostik mittels 33 MHz Active Matrix Linearsonde bei der chirurgischen Therapie des Mammakarzinoms“.
Punktgleich und deshalb ebenfalls mit dem 2. DGS-Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde Dr. med. Luisa Allwohn (Klinikum rechts der Isar der TU München) für ihre Arbeitsgruppe den DGS-Wissenschaftspreis für die Arbeit zum Thema: „Photon and Proton Craniospinal Irritation: A Comparative Dosimetric Analysis Focusing on Bone Marrow Exposure and Organ at Risk Sparing“.
Die Zusammenfassungen der Arbeiten sowie jene für den Klaus-Dieter-Schulz-Versorgungsforschungspreis und den Florence-Nightingale-Preis, dessen Verleihung durch das großzügige Engagement der Daiichi Sankyo Deutschland GmbH mit 10.000 Euro gefördert wurde sind der Kongresspressemappe zu entnehmen.1
Der DGS-Innovationspreis “Junior meets Senior” ging in diesem Jahr an Prof. Nicolai Maass (Senior) und Prof. Marion van Mackelenbergh (Junior). Der Preis wird an zwei Forschende, vergeben, die im Rahmen ihres Lebenswerkes Herausragendes geleistet, nachhaltig implementiert und damit den Staffelstab weitergegeben haben. Er steht für gelebten Wissenstransfer, für gegenseitige Inspiration und vor allem für die Überzeugung, dass Fortschritt dort entsteht, wo Erfahrung und neue Perspektiven zusammenkommen. In diesem Jahr geht der Preis an Prof. Dr. med. Nicolai Maass und Prof. Dr. med. Marion van Mackelenbergh, die diese Überzeugung in der täglichen Praxis leben.
Interdisziplinäres Kongresspräsidium
Kuratiert wurde das dreitägige Kongressprogramm in diesem Jahr von Prof. Dr. Walter Heindel (Kongresspräsident, Fachbereich Radiologie, Münster), der Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski (Co-Kongresspräsidentin, Fachbereich Gynäkologische Onkologie, Lübeck) sowie Prof. Dr. Andreas Hartkopf (Kongresskoordinator, Fachbereich Gynäkologische Onkologie, Tübingen). Die hohe Zahl von 2.800 Teilnehmenden unterstreicht die Attraktivität und Relevanz des Kongresses als zentrale interdisziplinäre Plattform für Diagnostik, Therapie, Forschung und Versorgung von Brusterkrankungen im deutschsprachigen Raum.2
Zum Foto:DGS-Kongresspräsidium 2026 (v.l.n.r.): Prof. Walter Heindel, Prof. Maggie Banys Paluchowski, Prof. Andreas Hartkopf.
DGS-Mitgliederversammlung wählt im Rahmen des Kongresses neuen Vorstand
Neben dem umfangreichen wissenschaftlichen Programm wurde im Rahmen der Ordentlichen Mitgliederversammlung am 12. Juni 2026 auch ein neuer Vorstand gewählt.3 In eine neue Position gewählt wurde Prof. Dr. Annette Lebeau, die den Vorstand ab sofort als Kassenführerin unterstützt. Sie war zuvor als Vertreterin der Pathologie im DGS-Vorstand aktiv. Die Vertretung der Pathologie wird mit der Wahl Prof. Dr. Ramona Erber übernehmen. Neben ihrer Position als Oberärztin für Pathologie hat sie eine W2-Professur für Pathologie an der Universität Regensburg inne und bringt somit viel Expertise aus dem Bereich der Pathologie in den DGS-Vorstand ein. Mit Prof. Dr. Bernd Gerber wurde dabei ein langjähriger Wegbegleiter aus dem DGS-Vorstand verabschiedet: Der Direktor der Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt Rostock hat die DGS seit 1991 aktiv begleitet und mitgestaltet. Zuletzt war er im Amt des Kassenführers tätig. Für dieses außerordentliche Engagement ist die Fachgesellschaft Prof. Dr. Gerber zutiefst dankbar.
Mit seiner Rekordbeteiligung, hochkarätigen wissenschaftlichen Beiträgen und intensiven interdisziplinären Diskussionen hat der 45. DGS-Kongress ein starkes Signal für die Zukunft der Senologie gesetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. wird auch weiterhin daran arbeiten, Prävention, Früherkennung, Forschung und innovative Behandlungskonzepte zu stärken mit dem gemeinsamen Ziel, die Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern und Leben zu retten.
Save the Date: DGS Kongress 2027
Auch der Kongress 2027 wird wieder ein Highlight für die senologische Fachcommunity werden: Vom 17. Juni bis 19. Juni tagt die DGS in Berlin.4
Verweise
1 Pressemappe zum 45. DGS Jahreskongress
https://www.senologiekongress.de/wp-content/uploads/2026/06/DGS-Pressemappe_2026.pdf
2 Interview mit dem Kongresspräsidium
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/a-2829-6078.pdf?cooperation=i6diLieOWpX0dqh0bTvJmHwyxpXzRrmnUGshADCi
3 Pressemitteilung zur Vorstandswahl im Rahme n der DGS Mitgliederversammlung am 12. Juni 2026
https://www.senologie.org/aktuelles/pressemitteilungen/detail/die-deutsche-gesellschaft-fuer-senologie-ev-waehlt-in-ihrer-mitgliederversammlung-einen-neuen-vorstand
4 Save the Date zum 46. DGS Jahreskongress
https://www.senologie.org/tagungen-veranstaltungen/zukuenftigte-jahreskongresse-der-dgs-ev