27.11.2025 | 2025

Parlamentarischer Abend 2025: Im Schulterschluss für Struktur und Qualität in der Frauengesundheit

Unter dem Motto „Die Frau im Blick – Patientinnen im Fokus“ gingen Fachvertretende der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. (DGS) beim Parlamentarischen Abend 2025 in Berlin mit Gästen aus der Politik in den Dialog, um fachliche Impulse und Forderungen in die parlamentarische Debatte einzubringen.

Berlin, im November 2025 – Von der gynäkologischen Versorgung in Klinik und Praxis über die Senologie, die Geburtshilfe bis zur Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Die Fachvertretenden der DGGG und der DGS nutzten den gemeinsamen Parlamentarischen Abend 2025, um ihre Kernforderungen aus den zentralen gynäkologischen Fachsäulen geschlossen in die Politik zu tragen.

„Wir stehen bereit: mit viel Expertise und mit der Erfahrung aus Klinik und Praxis. Aber was wir brauchen, ist politischer Wille, diese Impulse in konkrete Reformen zu übersetzen!" 
Prof. Gert Naumann, DGGG-Präsident

Entlang der Fachbereiche der Fachgesellschaften – Geburtshilfe, Senologie, Allgemeine Frauenheilkunde in Klinik und Praxis, Endokrinologie und Reproduktionsmedizin – wurden mit den Gästen aus der Politik sowohl die aktuelle Sachlage als auch Chancen und Risiken des Fachs diskutiert.

Maternale Gesundheit – Frauengesundheit – Familiengesundheit: Struktur, Qualität und Nachsorge in der Geburtshilfe sichern 

Mit ca. 600 geburtshilflichen Abteilungen besitzt Deutschland eine vergleichsweise hohe Anzahl – viele dieser Kliniken weisen allerdings nur niedrige Geburtenzahlen auf. Dabei weisen kleine Häuser eine dreifach höhere perinatale Mortalität auf als große Einrichtungen. Eine Zentralisierung der Geburtshilfe im Rahmen regionaler Versorgungspläne sowie eine Etablierung von Einheiten mit hoher Geburtenzahl mit optimaler risikoadaptierter Betreuung ist aus Sicht der Fachgesellschaften daher dringend angeraten. Auch der konsequente Aufbau von Nachsorgekonzepten sowie Konzepte zur Finanzierung und Abrechenbarkeit der geforderten Untersuchungen und Beratungen müssen für eine zukunftsfähige Geburtshilfe eingerichtet werden.

Klinik und Praxis unter Druck: Versorgungsqualität sichern, Ausbildung erhalten und Zukunft der ambulanten Frauenheilkunde sichern 

Kliniken und Praxen für Frauenheilkunde stehen aktuell unter massivem Druck: Neben digitalen und personellen Problemen wachsen auch die finanziellen Herausforderungen. Die Fachvertretenden der DGGG verdeutlichten die daraus resultierenden Risiken für das Fach: Eine wachsende Versorgungsungleichheit zwischen Stadt und Land sowie nach sozialem Status und die Gefährdung der Aus- und Weiterbildung standen dabei im Fokus.

„Wir sehen mit Sorge, dass in Zukunft möglicherweise auch der soziale Status entscheidend sein wird für die Versorgungsqualität.“ 
Prof. Uwe Wagner, DGGG-Vorstandsmitglied

Eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und patientinnenorientierte stationäre und ambulante Versorgung: Dieser Forderung soll unter anderem durch den Aufbau spezialisierter Zentren, die konsequente Finanzierung von Aus- und Weiterbildung auch bei sinkenden stationären Fallzahlen sowie eine Anpassung der Leistungsgruppenstruktur Rechnung getragen werden.

Krankenhausreform ja, aber richtig: Qualität entsteht durch Struktur und Spezialisierung 

Die zertifizierten Brustzentren als Herz der senologischen Versorgung in Deutschland: Bereits seit über 20 Jahren dient das Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. (DGS) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) als Maßstab für Qualität und bestmögliche Behandlungsergebnisse.

„Ein Gramm Vorsorge ist mehr wert als ein Kilo Therapie.“ 
Prof. Andreas Schneeweiss, DGS-Vorsitzender

Bezugnehmend auf die Mindestmengenregelung wurde vor allem die Umsetzung durch das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) kritisiert: Hier werden für die Erreichung der Mindestmenge nicht die Zahl der Patientinnen gezählt, sondern die Zahl der Eingriffe. Eine solche Regelung verzerre die Realität, so die Fachvertretenden: Mindestmengen müssen patientinnenbasiert und nicht eingriffsbasiert berechnet werden, um Fehlanreize – zum Beispiel durch Doppelzählung bei Nachresektionen – zu vermeiden.

„Wir möchten Sie heute dafür sensibilisieren, dass wir die aufgebauten Strukturen noch besser nutzen müssen: Damit jede Patientin von Anfang an die richtige Diagnostik und die richtige Therapie bekommt.“ 
Prof. Sara Y. Brucker, DGS-Vorstandsmitglied

Insbesondere durch die im Zuge der Krankenhausreform fehlende Ausdifferenzierung der onkologischen Leistungsgruppen und eine mögliche europäische Regulierung mit zahlreichen Kompromissen sehen die Fachgesellschaften die hochqualitative senologische Versorgung in Gefahr. Für den Fachbereich der Senologie wird daher an der bestehenden Strukturqualität der zertifizierten Brustzentren als Schlüssel zur besseren Patientenversorgung in der Senologie festgehalten – mit dem Appell an die Politik, die notwendigen Investitionen dieser Qualität folgen zu lassen und Parallelstrukturen, wie eine neue Definition von Leistungsgruppen und Mindestmengen, zu verhindern.

Weiterbildung und Forschung in der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin sichern

Die reproduktive Gesundheit bestimmt die Langzeitgesundheit der Bevölkerung. Doch gerade in der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin mangelt es an Ausbildungsplätzen, Professuren und Forschungsförderung. Zudem werden reproduktive Selbstbestimmung und moderne Fortpflanzungsmedizin in Deutschland durch ein veraltetes Embryonenschutzgesetz (EschG 1991) ausgebremst.

„Wir sind nicht nur klinisch, sondern auch im wissenschaftlichen Kontext stark ausgebremst.“ 
Prof. Nicole Sänger, DGGG-Vorstandsmitglied

Umso wichtiger sind die vorgetragenen Forderungen der Fachgesellschaften, die sich im Rahmen des Parlamentarischen Abends 2025 für eine strukturelle Verankerung des Fachs in der Krankenhausreform einsetzten, zum Beispiel durch endokrinologische Sprechstunden. Zudem bemängelten die Fachvertretenden die fehlenden Aussagen zur Legalisierung der Eizellspende im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Bei der adäquaten medizinischen Versorgung der Patientinnen in der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin stehen neben der Stärkung von Forschung, Lehre und Versorgungskompetenz auch ein moderner Rechts- und Versorgungsrahmen im Sinne der reproduktiven Selbstbestimmung, medizinische Innovation sowie Chancengleichheit bei der Familienplanung im Fokus.

Frauengesundheit im Fokus des politischen Geschehens: wissenschaftsbasiert, strukturiert und qualitätsorientiert 

Angesichts der zunehmenden Belastungen in nahezu allen Bereichen der Frauenheilkunde betonen die Fachvertretenden: Nur durch verlässliche Strukturen, wissenschaftsbasierte Entscheidungen und gezielte politische Maßnahmen kann die Qualität der Versorgung dauerhaft gesichert werden. Die Fachgesellschaften erhoffen sich dafür politischen Rückenwind aus dem Bundesgesundheitsministerium. Ministerin Warken hatte bei einer Rede im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags Ende Juni angekündigt, die Frauengesundheit stärker in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin künftig besser zu berücksichtigen. Sie betonte gemäß eines Berichts des Nachrichtendienstes „heute im Bundestag“, dass dies „kein Nischenthema, sondern ein zentrales Anliegen“¹ sei.

Pressekontakt

Sara Schönborn | Heiko Hohenhaus I Manuela Rank | Melanie Herberger 
Repräsentanz der DGGG und Fachgesellschaften 
Jägerstraße 58-60 
10117 Berlin 
Telefon: +49 (0)30-514 88 3333 
E-Mail: Bitte aktivieren Sie JavaScript, um diesen Link anzuzeigen! | Bitte aktivieren Sie JavaScript, um diesen Link anzuzeigen! 
Internet: www.dggg.de | www.senologie.org 

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. 

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien. 

Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. 

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) engagiert sich seit 1981 für die Brustgesundheit von Frauen. Sie erforscht, lehrt und vermittelt Wissen über die normalen und gestörten Funktionen der weiblichen Brust. Ein besonderes Anliegen ist es, den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher medizinischer Disziplinen sowie Leistungserbringenden im Gesundheitswesen anzuregen. Die DGS schafft Rahmenbedingungen dafür, dass Frauen mit Brusterkrankungen bestmöglich beraten, behandelt und betreut werden.