20.05.2021 | 2021

20.05.2021 - Die DGS trauert um Professor Rolf Kreienberg

Zum Tod von Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg, welcher maßgeblich die die Etablierung und Entwicklung des Zertifizierungssystems „OnkoZert“ geprägt hat und zuletzt Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) war, hat Prof. Dr. med. Achim Wöckel (Würzburg) einen Nachruf verfasst.

Berlin, im Mai 2021 - Professor Dr. med. Rolf Kreienberg (* 27. Oktober 1946 in Kaiserslautern), ehemaliger Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm, ist am 10. Mai 2021 im Alter von 74 Jahren für uns alle völlig unerwartet verstorben. Erst zwei Tage zuvor war er von der Delegiertenkonferenz der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) in seinem Amt als Präsident erneut bestätigt worden. Seine ehemaligen Mitarbeiter/innen und „Schüler/innen“ sowie zahlreiche Fachgesellschaften und Gremien trauern um einen bedeutenden Lehrer und Impulsgeber unserer Zeit.

Ein Leben im Dienst der Medizin und Wissenschaft
Professor Rolf Kreienbergs Leben stand ganz im Zeichen der Medizin und Wissenschaft. Er studierte von 1966 bis 1971 Humanmedizin an den Universitäten in Mainz und Wien. 1971 absolvierte er sein Staatsexamen in Mainz und promovierte 1972 zum Dr. med. 1973 folgte die Approbation. Von 1973 bis 1974 leistete er seinen Wehrdienst als Stabsarzt der Bundesmarine ab. Danach war er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anästhesiologie. Anschließend war er ab 1975 an der Frauenklinik der Universität Mainz unter Professor Volker Friedberg tätig. 1981 erhielt er seine Facharzt-Anerkennung als Frauenarzt. Er habilitierte 1983 und wurde 1984 zum leitenden Oberarzt und Personaloberarzt der Mainzer Universitätsklinik ernannt. Ein Jahr später wurde er zum C2-Professor auf Lebenszeit berufen. Von 1988 bis 1989 war Professor Kreienberg kommissarischer Direktor der Mainzer Universitätsklinik. 1992 erfolgte der Ruf an den gynäkologischen Lehrstuhl in Ulm. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2012 war er mit großer Leidenschaft als Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm tätig. Er lebte die Verantwortung für seine Patientinnen, und für seine Mitarbeiter/innen unabhängig vom Berufsstand und mit vollstem Engagement für seine Klinik. Bewundernswert waren dabei stets sein Feingespür und sein großer Erfahrungsschatz für klinische Fragestellungen sowie seine hervorragenden operativen Fähigkeiten.

Mehrfach ausgezeichnete Schwerpunkte seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit waren die gynäkologische Onkologie sowie Operationsverfahren und die Chemo- und Hormontherapie beim Mammakarzinom und gynäkologischen Tumoren.

Werte, Wissen, Wandel
Neben seinem Engagement für Klinik und Wissenschaft hatte Professor Kreienberg vielfältige Funktionen bei verschiedenen Fachgesellschaften. Von 2000 bis 2002 war er Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG). Hier prägte er ganz entscheidend die Entwicklung qualitätssichernder Prozesse in der Onkologie und den Aufbau eines Zertifizierungssystems sowie die Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien. Er war außerdem Gründungs- und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO). Von 2008 bis 2010 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und leitete ihren 58. Kongress vom 5. bis 8. September 2010 in München. Für Professor Kreienbergs Schaffen war die Tradition ebenso wichtig wie Innovation. Daher war das von ihm gewählte Kongressmotto  "Werte, Wissen, Wandel" für ihn und sein Lebenswerk durchaus bezeichnend. Professor Kreienberg gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Beratungsgremien an. Seit 2011 war er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer und seit 2013 Mitglied in dessen Vorstand. Er engagierte sich in den vergangenen sechs Jahren intensiv für die Weiterentwicklung der AWMF. 2012 wurde er zum Präsidiumsmitglied gewählt. Er war Vorsitzender der Leitlinienkommission und war seit 2015 Präsident der AWMF. In dieser Zeit hat er im Sinne der wissenschaftlichen Medizin viele Zukunftsthemen federführend vorangetrieben.

Zur Erfüllung seiner vielfältigen Aufgaben vereinte er als Mensch, Kliniker und Wissenschaftler zentrale Eigenschaften und Fähigkeiten: So besaß er ein hohes Maß an Menschenkenntnis, Weitblick und strategisches Geschick. Er war rastlos, getrieben, ideenreich und kampfeslustig, wenn es um die Verbesserung von Versorgungsstrukturen und den wissenschaftlichen Fortschritt oder den Erhalt unseres Faches ging. Dabei stand er mit beiden Beinen verlässlich auf dem Boden - für viele seiner Wegbegleiter war er der „Fels in der Brandung“.

Wir verlieren mit ihm einen der ganz Großen der deutschen Frauenheilkunde. Einen Visionär mit langem Atem, der wegweisende Ideen verfolgte, bis diese final umgesetzt waren.

Professor Kreienberg war ein Mensch, dem wir mit viel Anerkennung und hohem Respekt begegnet sind. Seine Standhaftigkeit, seine Klarheit und seine umsichtige Persönlichkeit werden mir und seinen Weggefährt/innen fehlen.

Wir trauern mit seiner Frau und seiner Tochter.

Prof. Dr. med. Achim Wöckel

-------------------------------------

Pressekontakt:
Sara Schönborn I Heiko Hohenhaus I Katja Mader
Repräsentanz der Fachgesellschaften
E-Mail: presse@senologie.org
Telefon: +49 (0) 30 514 88 344

 

-------------------------------------

Die Deutsche Gesellschaft für Senologie e. V.
Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) fortwährend für die Brustgesundheit von Frauen. Sie erforscht, lehrt und vermittelt Wissen über die normalen und gestörten Funktionen der weiblichen Brust und vereint alle ärztlichen und medizinischen Disziplinen, die sich mit der Brust beschäftigen: Gynäkologie, Innere Medizin, Pathologie, plastische Chirurgie, Chirurgie, Radiologie sowie die Radioonkologie. Den Erfahrungsaustausch zwischen WissenschaftlerInnen unterschiedlicher medizinischer Disziplinen sowie Leistungserbringern im Gesundheitswesen anzuregen, ist ein besonderes Anliegen der DGS, um Diagnostik und Therapie bei Brusterkrankungen stetig weiter zu verbessern und den Patientinnen die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.