25.11.2019 | 2013

27. Juni 2013 - Pressetexte zur Kongress-Pressekonferenz

Mastektomie – Möglichkeiten der Wiederherstellung
Professor Dr. med. Axel-Mario Feller, Kongresspräsident 2013 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Gemeinschaftspraxis für Ästhetisch-Plastische Chirurgie Prof. Feller und Prof. Heitmann München

Die Brustrekonstruktion ist heute ein integraler Bestandteil jeder modernen operativen Therapie bei Brusterkrankungen. Es gibt eine Vielzahl von Rekonstruktionsmethoden. Prinzipiell unterscheiden wir zwei Hauptverfahrensweisen: die Rekonstruktion mit Implantaten und die Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile und sind auch nicht bei jeder Patientin anwendbar. Mit einem Implantat wird ein Fremdkörper implantiert, der natürlich zu Fremdkörperreaktionen und entsprechenden Problemen führen kann. Andererseits ist es ein schnelles Verfahren im Vergleich zu Operationsverfahren ohne zusätzliche Narben an anderen Körperstellen.  Bei der Eigengeweberekonstruktion muss man zur Entnahme des eigenen Gewebes an einer anderen Körperstelle eine Narbe setzen. Der große Vorteil dieses Verfahrens ist jedoch, dass die Brust mit körpereigenem Fettgewebe rekonstruiert wird und daraus ein wesentlich natürlicheres Formverhalten der Brust resultiert und auch die Fremdkörperreaktionen entfallen.
Welches Verfahren bei welcher Patientin zur Anwendung kommt, hängt nicht nur von onkologischen und anatomischen Voraussetzungen ab, sondern muss sehr individuell in einem Gespräch mit der jeweiligen Patientin erarbeitet werden. Um der Patientin auch die Möglichkeit zu geben, selbst mitzuentscheiden, sollte auf jeden Fall jeder Patientin die gesamte Palette der Rekonstruktionsmöglichkeiten vorgestellt werden, um dann mit ihr das für Sie geeignetste Rekonstruktionsverfahren festzulegen. Dies bedarf einer großen klinischen Erfahrung.

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Operationsrisiken vermeiden durch Sentinel Node Biopsien
Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen und Dr. med. Gisela Helms, Oberärztin an der Universitätsfrauenklinik Tübingen

Der Lymphknotenstatus ist einer der wesentlichen Prognosefaktoren beim Mammakarzinom. Ob und wie viele Achsellymphknoten Metastasen (Absiedlungen des Brustkrebs) haben, nimmt wesentlichen Einfluss auf die gesamte Behandlung der Brustkrebserkrankung.
Wie ausgedehnt soll in der Achselhöhle operiert werden? Welche medikamentöse Behandlung soll erfolgen? Ist eine Chemotherapie nötig? Sollen weitere Lymphknotenstationen bestrahlt werden? Zur Beantwortung aller dieser Fragen ist der Lymphknotenstatus ein ganz wesentlicher Parameter.
Bis etwa zur Jahrtausendwende wurden die Achsellymphknoten der betroffenen Seite weitestgehend entfernt. Funktionelle Beschwerden wie Schwellungen (Lymphödem) oder Gefühlsstörungen im Arm, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Schulterbereich der gleichen Seite bedeute(te)n so für die betroffenen Frauen die stärksten Langzeitprobleme und wesentlichsten Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, weit vor möglichen kosmetischen Beeinträchtigungen nach einer Brust-OP.

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Mammographiescreening 2013: Fortschritte und Grenzen
Professor Dr. med. Sylvia H. Heywang-Köbrunner, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie München

Trotz der durch viele Faktoren steigenden Zahl an Mammakarzinomen sinkt in den westlichen Ländern die Mortalität am Mammakarzinom. Unbestreitbar gilt weiterhin: Die Überlebenschancen und die Möglichkeit zu schonender Behandlung wachsen je früher Brustkrebs entdeckt wird. Erstmalig wurden Ende 2012 die wichtigen internationalen Daten durch eine vollständig unabhängige Expertenkommission (1) überprüft und evaluiert. Hierbei bestätigt sich:

Durch regelmäßige Screeningteilnahme ist eine signifikante Senkung der Sterblichkeit am Brustkrebs für die Screening-Teilnehmerin zu erwarten. In randomisierten Studien mit ca. 70% Teilnahme ergab sich eine Reduktion der Sterblichkeit von 20%. Dieses entspricht für tatsächliche Teilnehmerinnen einer Reduktion um ca. 30%. Diese Ergebnisse beruhen auf den sichersten verfügbaren Daten, denen der ca. 30 Jahre alten randomisierten Studien (1). Die von der britischen Regierung berufene unabhängige Expertenkommission weist darauf hin, dass technologische Fortschritte der Mammographie hierbei noch gar nicht berücksichtigt sind. Sie bestätigt auch, dass das Screening ein unabhängiger Faktor zur Senkung der Sterblichkeit ist. Die Fortschritte der Therapie wirken unabhängig hiervon auf die Sterblichkeitssenkung. Beides bleibt weiterhin unverzichtbar. Neueste Daten aus 18 Screeningländern besagen sogar, dass bei qualitätsgesicherten Programmen des europäischen Screenings eine 43%ige Mortalitätsreduktion erreicht wird.

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Intraoperative Bestrahlung – welche Erfolge können wir vorweisen?
Professor Dr. med. Wilfried Budach, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Düsseldorf

Die intraoperative Radiotherapie (IORT) steht in einer zunehmenden Anzahl von Brustzentren zur Verfügung. Der Vorteil einer IORT gegenüber einer Bestrahlung von außen nach der Operation besteht darin, dass unmittelbar nach chirurgischer Entfernung des Tumors aus der Brustdrüse das Bestrahlungsareal intraoperativ definiert werden kann. Damit ist sichergestellt, dass das unmittelbar an den Tumor angrenzende Gebiet, welches die höchste Wahrscheinlichkeit verbliebener Tumorzellen ausweist, durch die intraoperative Strahlentherapie sicher erfasst werden kann. Technisch stehen für diese Bestrahlungsart zwei Verfahren zur Verfügung: die Bestrahlung mit schnellen Elektronen mittels eines im OP installierten Elektronenbeschleunigers oder die Bestrahlung mit 50 kV Röntgenstrahlung mit einer im OP installierten Bestrahlungsvorrichtung. Der Einsatz kann sowohl als Dosisaufsättigung (Boost) vor geplanter Bestrahlung der gesamten Brust oder auch als alleinige lokale Strahlentherapie erfolgen. Während der Einsatz der IORT als Boosttherapie bereits als etabliert gelten kann und zu sehr niedrigen Rückfallraten in der Brust führt, ist der Einsatz der IORT als alleinige Strahlentherapie ohne nachfolgende Ganzbrustbestrahlung noch umstritten. Der alleinige Einsatz der IORT ist für die Patienten insoweit besonders interessant, da eine mehrwöchige Strahlentherapieserie, die sonst postoperativ notwendig wäre, unter Umständen entfallen kann und den Patientinnen die damit verbundenen Belastungen erspart bleiben. Die aktualisierten Ergebnisse von zwei randomisierten Studien zu dieser Fragestellung auf wurden auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium im Dezember 2012 und auf dem 2nd ESTRO Forum in Genf im April 2013 vorgestellt.

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Die Bedeutung zirkulierender Tumorzellen im Blut bei Patientinnen mit Brustkrebs: Verändert der CTC-Test Prognosen und Therapien?
Professor Dr. med. Andreas Schneeweiss, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Senologie, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Universitätsklinikum, Heidelberg

Bei Patientinnen mit Brustkrebs streuen Tumorzellen frühzeitig über das Blut und bilden Metastasen. Das  von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zugelassene CellSearch™ System erlaubt den standardisierten und automatisierten, immunzytochemischen Nachweis dieser zirkulierenden Tumorzellen im Blut (circulating tumor cells, CTC) bei Patientinnen mit Brustkrebs (Riethdorf 2007). Dieser Nachweis von CTC erlangt eine zunehmende Bedeutung sowohl zur Abschätzung der Prognose bei der Erstdiagnose von Brustkrebs und in der metastasierten Situation als auch zum Therapiemonitoring und bei der Suche nach neuen Therapien.
Obwohl in ersten Untersuchungen der Nachweis von CTC bei Patientinnen mit Erstdiagnose eines Brustkrebses mit einem schlechteren Überleben einherging (Rack 2010), gibt es bisher keine Bestätigung dieser Untersuchungsergebnisse, so dass aus dem Nachweis von CTC bei Ersterkrankung derzeit keine therapeutischen Konsequenzen gezogen werden können. Diese Frage wird aber gegenwärtig in der SUCCESS-C Studie (Studienleiter: Prof. Wolfgang Janni, Ulm) und in der 2013 startenden TREAT CTC-Studie (Studienleiterin: Frau PD Dr. Brigitte Rack, München) untersucht.

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Erblicher Brustkrebs: Welche Risiken bestehen bei BRCA Genmutationen und was kann Frau tun
Professor Dr. med. Marion Kiechle, Co-Kongresspräsidentin 2013 der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), Direktorin der Frauenklinik, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Hintergrund: Frauen mit einer erblichen Veranlagung (Keimbahnmutationen in den Genen BRCA1 oder BRCA2) haben ein hohes Risiko in ihrem Leben an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken (80% bzw. 60%). Trotz vorliegender erblicher Veranlagung erkranken nicht alle Frauen an Krebs. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es Faktoren geben muss, die das Krebserkrankungsrisiko beeinflussen können. Erste Beobachtungen haben ergeben, dass Frauen mit erblicher Veranlagung weniger häufig an Krebs erkranken, wenn sie in der Jugend körperlich aktiv waren.

Brustkrebs und körperliche Aktivität: Beim nicht erblichen Brustkrebs Mammakarzinom wird das Krebserkrankungsrisiko und auch der Krankheitsverlauf entscheidend von der körperlichen Aktivität, der Ernährung und auch dem Körpergewicht beeinflusst. In einer Vielzahl von prospektiven Studien konnte demonstriert werden, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Brustkrebsinzidenz signifikant senken kann, wobei das Risiko sich im Durchschnitt um 25% verringert. Auch sind das Rückfallrisiko und die Mortalität bei an Brustkrebs erkrankten Frauen um 50% gesenkt, wenn sie regelmäßig Sport betreiben. Weitere Vorteile sind ein Gewinn an Lebensqualität, eine Steigerung der Fitness und eine bessere Verträglichkeit der Chemotherapie.

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