22.11.2019 | 2017

Brustkrebs – Wie kann ich mich schützen?

Dr. med. Anke Kleine-Tebbe, Chefärztin Brustzentrum DRK-Kliniken Berlin

Kann man Brustkrebs wirksam und sinnvoll vorbeugen? Dies ist eine Frage, die viele Frauen bewegt. Aktuell werden verschiedene Faktoren diskutiert, die die Entstehung eines Brustkrebses fördern könnten. Doch nicht alle lassen sich auch beeinflussen. Das persönliche Brustkrebsrisiko hängt vom jeweiligen Alter und einigen weiteren individuellen Faktoren ab, die auch die persönliche Familiengeschichte berücksichtigen sollten. Die wichtigsten, derzeit bekannten Faktoren, die das Erkrankungsrisiko einer Frau beeinflussen, betreffen die hormonelle Situation, den Lebensstil und die Vererbung von Risikogenen.

Hormone: Einfluss in jedem Lebensalter
Den eigenen Hormonspiegel kann jede Frau nur zum Teil beeinflussen, etwa über ein möglichst normales Gewicht oder über die Entscheidung, Kinder zu bekommen und zu stillen. Grundlegende Dinge sind beim Hormonspiegel jedoch genetisch determiniert: Je früher die Regelblutung einsetzt und je später die Wechseljahre beginnen, desto länger ist die Brust hormonellen Einflüssen ausgesetzt. Dieser Umstand gilt als Faktor, der das Brustkrebsrisiko steigert. Durch frühe und mehrere Schwangerschaften mit anschließenden Stillperioden kann das eigene Brustkrebsrisiko gesenkt werden. Eine Gesamtstilldauer von mehr als eineinhalb bis zwei Jahren gilt als besonders günstig.

Die hormonelle Empfängnisverhütung steigert das Brustkrebsrisiko kaum. Heute entscheiden sich mehr Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu einer medizinischen Behandlung. Nach bisheriger Datenlage scheint dies das Brustkrebsrisiko nicht pauschal zu beeinflussen. Die verlängerte Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden erhöht die Gefahr von Brustkrebs und Eierstockkrebs. Dies betrifft vor allem die kombinierte Behandlung mit Östrogenen und Gestagenen. Die Dauer der Einnahme sollte so kurz wie möglich sein.

Lebensstil: Ernährung, Bewegung und Umweltfaktoren
Wie individuelle Ernährungsgewohnheiten das Brustkrebsrisiko beeinflussen ist noch unklar. Dazu zählt etwa die Frage, ob ein hoher Anteil an Obst und Gemüse in der täglichen Nahrung schützend wirken kann. Eher scheinen das Gewicht und eine Ernährung mit hohem Fettanteil eine Rolle bei der Brustkrebsentstehung zu spielen.

Einen eindeutig ungünstigen Einfluss haben Übergewicht und Bewegungsmangel. Übergewicht scheint sich besonders nach den Wechseljahren risikosteigernd auszuwirken und vor allem für das Risiko an einem hormonempfindlichen Brustkrebs zu erkranken. Immer mehr Studien zeigen einen schützenden Effekt durch Bewegung. Das individuelle Erkrankungsrisiko kann durch regelmäßige, körperliche Aktivität (nach Angaben der WHO: 150 Minuten/Woche) um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Alkohol beeinflusst die Brustkrebsrate ebenfalls: Je mehr eine Frau regelmäßig konsumiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. 

Die bisher vorliegenden Daten deuten auf einen schwachen ungünstigen Zusammenhang zwischen Rauchen und der Entstehung von Brustkrebs bei Frauen vor den Wechseljahren hin.
Umweltfaktoren, Stress, belastende Lebenssituationen oder Depressionen haben an der Erkrankung keinen belegbaren Anteil, so zumindest ist der aktuelle Kenntnisstand.

Vererbung: Nur wenige Frauen haben ein Risiko
In fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle spielten Gene eine wesentliche Rolle: Veränderungen sog. Mutationen am BRCA-1- und BRCA-2-Gen können das Risiko deutlich steigern. Es gibt aber auch noch weitere Gene, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen. Ihr Einfluss wird derzeit erforscht.

Chemoprävention: Gibt es vorbeugende Medikamente?
Die Idee, mit schützenden Medikamenten Brustkrebs vorzubeugen, ist auch für Brustkrebs nicht neu. Bisher gibt es in Deutschland keine generelle Empfehlung zu einer vorbeugenden medizinischen Behandlung.

Kurz und knapp: Was kann ich zur Senkung meines Brustkrebsrisikos tun?
Werden Sie aktiv und bewegen Sie sich täglich!
Achten Sie auf Ihr Normalgewicht!
Ernähren Sie sich bunt und gesund!
Nach den Wechseljahren ist dies besonders wichtig!
Meiden Sie Alkohol!

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Kontakt:
Dr. med. Anke Kleine-Tebbe
Chefärztin Brustzentrum
DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Salvador-Allende-Straße 2 - 8
12559 Berlin
E-Mail: a.kleine-tebbe@drk-kliniken-berlin.de
Internet: www.chefaerztin-brustzentrum-drk-berlin.de