22.11.2019 | 2018

Die neue S3-Leitlinie „Interdisziplinäre Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“

Prof. Dr. med. Achim Wöckel, Klinikdirektor Frauenklinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Würzburg

Zur Optimierung der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms wurde die bestehende S3-Leitlinie aus dem Jahr 2012 aktualisiert. Ausschlaggebend für die Aktualisierung der interdisziplinären S3-Leitlinie (LL) war und ist die hohe epidemiologische Bedeutung des Mammakarzinoms und die damit verbundene Relevanz für die Versorgungsroutine. Der Bedarf zur Aktualisierung der LL ergab sich zudem aus der Existenz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Empfehlungen richten sich an alle Ärzte und Angehörigen von Berufsgruppen, die sich mit der Versorgung von Bürgerinnen im Rahmen der Früherkennung und Patientinnen mit Brustkrebs befassen (Gynäkologen, Allgemeinmediziner, Radiologen, Pathologen, Radioonkologen, Hämatoonkologen, Psychoonkologen, Physiotherapeuten, Pflegekräfte etc.) und alle an Brustkrebs erkrankten Frauen sowie deren Angehörige. Weitere Adressaten sind:

  • medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsverbände
  • Interessenvertretungen der Frauen (Frauengesundheitsorganisationen, Patienten- und   Selbsthilfeorganisationen)
  • Qualitätssicherungseinrichtungen auf Bundes- und Länderebene
  • gesundheitspolitische Einrichtungen und Entscheidungsträger auf Bundes- und Länderebene
  • die Vertragsverantwortlichen von DMP-Programmen und integrierten Versorgungsverträgen
  • Kostenträger
  • die Öffentlichkeit (zur Information über eine evidenzbasierte Vorgehensweise beim Mammakarzinom)

Herausgeber der LL ist das Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). Die Mitglieder der Leitlinien-Steuergruppe, die von den teilnehmenden Fachgesellschaften und Organisationen benannten sowie die von der Steuergruppe eingeladenen Experten stellten die Mitglieder der Arbeitsgruppen und sind die Autoren der LL. Im Konsensusverfahren waren nur die von den teilnehmenden Fachgesellschaften und Organisationen benannten Mandatsträger nach Ausschluss von spezifischen Interessenskonflikten stimmberechtigt. Die Leitlinie wurde außerdem unter direkter Beteiligung von vier Patientenvertreterinnen erstellt.

Zur Bearbeitung der Themenkomplexe wurde für etwa 80 Prozent der Empfehlungen eine Leitlinienadaptation gemäß dem AWMF-Regelwerk vorgesehen. Hierfür wurde nach spezifisch für Brustkrebspatientinnen entwickelten Quellleitlinien recherchiert und diese mit dem IQWIG-Leitlinienbericht Nr. 224 abgeglichen. Für Empfehlungen, die neu erstellt werden mussten, wurden eine entsprechende Recherche und Evidenzbewertungen nach dem AWMF-Regelwerk festgelegt. Die Formulierung der Schlüsselfragen und die systematische Recherche erfolgten zunächst auf Basis von aggregierten Evidenzquellen (Metaanalysen, Cochrane Reviews, systematische Reviews, etc.). Entsprechende Titel und Abstract-Listen wurden bis zur Identifikation der Volltexte von zwei unabhängigen Bewertern selektiert und Evidenztabellen von der Methodengruppe angefertigt. Als Schema der Evidenzgraduierung wurde die Klassifikation des Oxford Centre for Evidence-based Medicine (Version 2009) verwendet. Die Verabschiedung von Empfehlungen sowie die Festlegung der Empfehlungsgrade erfolgten bei der Aktualisierung der LL im Rahmen von zwei Konsensuskonferenzen mittels formaler Konsensusfindung.

Die konsequente Umsetzung der Leitlinienempfehlungen ermöglicht die Optimierung der Versorgungskette beim Mammakarzinom und kann maßgeblich zu einer Senkung von Morbidität und Mortalität der Patientinnen beitragen.

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Kontakt:

Prof. Dr. med. Achim Wöckel
Klinikdirektor Frauenklinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Würzburg
Josef-Schneider-Straße 4 (Haus C)
97080 Würzburg
E-Mail: woeckel_a@ukw.de 
Internet: www.ukw.de/frauenklinik/